Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartige Platten heilen verletzte Knochen

06.02.2006


Rostocker Mediziner entwickelten spezielle Implantate für Frakturen

In der alternden Gesellschaft nimmt die Zahl der Frakturen gerade im Bereich des Armes und der Hand beständig zu, nicht zuletzt weil bei älteren Menschen die Stabilität der Knochen nachlässt. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach schneller Genesung und hoher Funktionalität der verletzten Körperteile. Jetzt entwickelten Rostocker Mediziner gleich drei Implantate, mit denen Knochenbrüche geheilt werden können, ohne dass sich Patienten in ihrer Aktivität empfindlich einschränken müssen: Ein Fixateur lässt trotz Bruch die Hand beweglich, eine Titanplatte verschwindet im Inneren des Knochens, eine andere Platte ist multifunktionell. Sie kann an Schulter und Hüfte gleichermaßen eingesetzt werden. Eines der Implantate wird seit diesem Jahr weltweit vertrieben, eines wird bereits exklusiv an der Universität Rostock eingesetzt und kommt in Kürze auf den Markt. Das dritte Implantat ist bereits zertifiziert und kommt voraussichtlich im März dieses Jahres zum Einsatz.

Brüche des Unterarmknochens und des Handgelenks sind die häufigsten Frakturen beim Erwachsenen. An zweiter und dritter Stelle folgen Frakturen der Hüfte und des Oberarms. "Derartige Brüche begegnen uns immer öfter", sagt Professor Dr. Thomas Mittlmeier, Leiter der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie. Ursache sei, dass die Patienten immer älter werden und vielfach unter Osteoporose leiden. "Gleichzeitig besteht aber das Bedürfnis nach der sofortigen funktionellen Nachbehandlung", so Mittlmeier weiter. Das heißt: Die verletzten Körperteile sollen nach der Behandlung möglichst schnell wieder belastbar sein. Auf das Eingipsen als bewährte Heilungsmethode werde gerade bei älteren Menschen ohnehin schon immer öfter verzichtet. Aus Rostock kommen nun gleich drei Neuentwicklungen, die die Heilung gebrochener Knochen bewirken und gleichzeitig dem Bedürfnis der Patienten nach Aktivität Rechnung tragen.

Alle drei Entwicklungen nahmen ihren Anfang bereits Ende der 90er-Jahre und entstanden auf Initiative von Dr. Georg Gradl, Oberarzt in der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie. Eine der Erfindungen ist eine Kombination aus Nagel und Platte, die komplett im Knochen versenkt werden, so Dr. Gradl. Bisherige Modelle lagen gleichsam als Schiene außen auf dem Knochen auf und störten mitunter Sehnen und Nerven. Die neue, leicht gewinkelte Platte aus Titan wird durch ein Loch in den Knochen eingeführt und dort verschraubt. Auf diese Weise wird der Knochen von innen stabilisiert. Gradl sieht damit eine neue Ära der Behandlung von Knochenbrüchen am Handgelenk gekommen. Seit Ende 2005 wird die Platte in Rostock angewendet. Der Eingriff selbst erfolgt minimal-invasiv, also mit möglichst kleinen Schnitten. Und die Operation geht schnell. Nach einem Tag können die Patienten das Krankenhaus wieder verlassen.

Ebenfalls in Rostock verwendet wird bereits ein neuartiger, von Dr. Gradl gemeinsam mit der Harvard Medical School in Boston (USA) entwickelter Fixateur. Dieser ermöglicht die Fixierung eines gebrochenen Knochens, ohne dass die Beweglichkeit verloren geht. Herkömmliche Modelle führen zu einer zeitweisen Immobilisierung von Gelenken. Für das Handgelenk bedeutete das, dass es für die Dauer der Heilung versteift werden musste. "Der neue Fixateur ermöglicht es, dass das gebrochene Gelenk beweglich bleibt", sagt Dr. Gradl.

Das Besondere an der dritten Neuentwicklung ist, dass mit dieser multifunktionellen Platte sowohl Brüche am Oberarm als auch an der Hüfte behandelt werden können. Auch bei dieser Platte war es das Ziel, möglichst wenig Knochenmaterial zu verletzen und größtmögliche Beweglichkeit zu gewährleisen, denn gerade nach Schulterverletzungen bleibt die Beweglichkeit oft beeinträchtigt. Dieses Implantat ist bereits zertifiziert und nach einer langen Testphase für die klinischen Anwendung zugelassen. Im März soll es erstmals zum Einsatz kommen. "Wir arbeiten noch an dem Instrumentarium zum Einsetzen der Platte", so der Entwickler Dr. Georg Gradl. Es soll für den Chirurgen noch einfacher gemacht werden, das Implantat einzusetzen - nicht zuletzt, um den Eingriff auch zum Wohle des Patienten zu verkürzen.

Ansprechpartner

Dr. Georg Gradl
Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
Klinik und Poliklinik für Chirurgie
Universitätsklinik Rostock
Schillingallee 35
18057 Rostock

Professor Dr. Thomas Mittlmeier
Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
Klinik und Poliklinik für Chirurgie
Universitätsklinik Rostock
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel. 0381/4946051

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Fraktur Implantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Heilung für beschädigte Knochen aus dem Labor
03.12.2019 | Hochschule Rhein-Waal

nachricht Maschinelles Lernen für die Präzisionsmedizin: Schnelltest für die Asthma-Diagnose
02.12.2019 | Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Was Vogelgrippe in menschlichen Zellen behindert

10.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Schäden im Leichtbau erkennen durch Ultraschallsensoren

10.12.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics