Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbesserte Diagnose von Hirnerkrankungen

13.09.2005


Neue Kooperation zwischen Physikalischer und Klinischer Chemie an der Universität Jena

Hirnhautentzündungen schneller zu diagnostizieren und Fehler bei der Behandlung vermeiden zu können - das ist ein Ziel eines neuen interdisziplinären Projektes, für das der Jenaer Physikochemiker Prof. Dr. Jürgen Popp in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Deufel und Oberarzt Dr. Dr. Michael Kiehntopf vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik der Universität Jena umfangreiche Drittmittel einwerben konnte.

(Jena) Popp, Direktor des Institutes für Physikalische Chemie der Uni Jena, erhält von der Deutschen Forschungsgemeinschaft umfangreiche Personal- und Sachmittel für die kommenden zwei Jahre, um mit Hilfe der Raman-Spektroskopie Zellen und Krankheitserreger in der Gehirnflüssigkeit nachweisen zu können. Der 39-jährige Lehrstuhlinhaber erschließt dadurch dieser - nach einem indischen Physiker benannten - Methode eine weitere Anwendungsmöglichkeit. Die Raman-Spektroskopie wird in seinem Labor unter anderem bereits zur Detektion von Bakterien in der Raumluft und für verschiedene Fragestellungen der Qualitätsprüfung von Lebensmitteln erfolgreich angewendet.

In dem neuen Projekt geht es darum, Fortschritte bei der Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des Gehirns zu erzielen. Dazu werden Popp, Kiehntopf und Deufel die Raman-Spektroskopie auf Zellen anwenden, die sie aus der Gehirnflüssigkeit Liquor gewinnen. "Der Liquor enthält normalerweise nur sehr wenige Zellen, weil das Gehirn durch eine natürliche Barriere, die so genannte Blut-Hirn-Schranke, Blutbestandteile ausschließt und damit auch vor dem Eindringen von Krankheitserregern oder Blutzellen geschützt ist", erläutert Prof. Deufel. Bei einer Hirnhautentzündung ist die Zahl der Zellen im Liquor erhöht, weil die Blut-Hirn-Schranke durchlässig wird und sich Entzündungszellen aus dem Blut, aber auch die Erreger, häufig Bakterien, in der Hirnflüssigkeit finden.

Die klassische Methode zur Identifizierung von Zellen ist, sie anzufärben und mit dem Mikroskop zu untersuchen. Dazu braucht man aber eine relativ große Zahl von Zellen, die man meist aus dem Liquor nicht direkt, sondern erst nach Anreicherung untersuchen kann. Bakterielle Erreger müssen zur genauen Identifizierung kultiviert werden. Das nimmt Zeit in Anspruch, die man im Fall einer ernsthaften Erkrankung nicht hat. "Eine Hirnhautentzündung erfordert eine schnelle gezielte Behandlung. Durch die rasche und sichere Identifizierung von Erregern und die sichere Erkennung von Entzündungszellen kann man da entscheidende Stunden gewinnen", betont Deufel. "Hier bietet die Raman-Spektroskopie ausschlaggebende Vorteile: Mit ihr können wir einzelne Zellen direkt, also ohne Umweg über eine zeitraubende Kultivierung, schnell und damit zeitnah zur Probenname identifizieren", stellt Popp, der auch Sprecher des Forschungsverbundes "Biophotonik" ist, heraus.

Basis der Raman-Spektroskopie ist die Wechselwirkung von Laserlicht und Materie. Die Methode liefert detaillierte Informationen über Schwingungs- und Rotationszustände von Molekülen. Auf diese Weise können Moleküle oder Zellen eindeutig voneinander unterschieden und bestimmt werden.

Popp, Kiehntopf und Deufel wollen die Methode darüber hinaus auch für das Aufspüren von Entzündungs-, aber auch Tumorzellen in der Gehirnflüssigkeit weiterentwickeln. Damit wäre eine vom Untersucher unabhängige Charakterisierung solcher Zellen rund um die Uhr und rasch durchführbar.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Jürgen Popp
Institut für Physikalische Chemie der Universität Jena
Tel.: 03641 / 948 351 bzw. 320
Fax: 03641 / 948 302
E-Mail: juergen.popp@uni-jena.de

Prof. Dr. Thomas Deufel
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik der Universität Jena
Tel.: 03641 / 9325001
Fax: 03641 / 9325002
E-Mail: thomas.deufel@med.uni-jena.de

Oberarzt Dr. Dr. Michael Kiehntopf
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik der Universität Jena
Tel.: 03641 / 9325930
Fax: 03641 / 9325932
E-Mail: michael.kiehntopf@med.uni-jena.de

Susanne Liedtke | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Grünen Star effektiv therapieren: Wächter über den Augeninnendruck
02.07.2018 | Fraunhofer Institute for Microelectronic Circuits and Systems IMS

nachricht Künstliche Bauchspeicheldrüse bewährt sich im Spital
26.06.2018 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics