Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchblick bis ins Detail - Forschungszentrum Jülich erhält 9,4 Tesla Magneten

27.05.2008
Der weltweit größte Magnet für bildgebende Verfahren in der Hirnforschung ist heute im Forschungszentrum eingetroffen. Installiert wird er eine Feldstärke von 9,4 Tesla besitzen - dies entspricht beinahe dem 200.000fachen des Erdmagnetfeldes.

Mit dem gemeinsam vom Forschungszentrum und Siemens Healthcare entwickelten Großgerät "9komma4" werden die Jülicher Hirnforscher zukünftig Strukturen und Stoffwechselvorgänge des Gehirns sichtbar machen können, die sich bisher dem Menschen noch nicht erschlossen haben.

Der Magnet ist das Kernstück eines einzigartigen Großgeräts, welches in Kooperation mit Siemens Healthcare aufgebaut wird. Die Anlage soll 2009 in Betrieb gehen und kombiniert erstmals einen Magnetresonanz-Tomographen (MRT) mit einer Feldstärke von 9,4 Tesla mit einem Positronenemissions-Tomographen (PET).

Die zeitgleiche Bildgebung mit beiden Geräten erlaubt es den Forschern, Strukturen und Stoffwechselvorgänge des Gehirns detaillierter als je zuvor abzubilden und ermöglicht es, Mechanismen für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu untersuchen.

... mehr zu:
»MRT »PET »Stoffwechselvorgang

"Genauere Erkenntnisse über krankhafte Veränderungen im Gehirn könnten uns helfen, den Ausbruch der Krankheit um Jahre aufzuschieben", erklärt Prof. Jon Shah, Leiter der Jülicher Arbeitsgruppe Magnetresonanz-Physik. "Die potentiellen Einsparungen im Gesundheitswesen sind immens." Siemens und das BMBF unterstützen die Finanzierung des Projekts mit je 10 Millionen Euro.

Der Dank des Vorstandsvorsitzenden Prof. Bachem gilt deshalb ausdrücklich beiden Partnern: "Wir freuen uns sehr, dass das BMBF dieses wegweisende Projekt für eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft, die Entschlüsslung neurodegenerativer Erkrankungen, so großzügig unterstützt und wir gemeinsam mit unserem langjährigen Partner Siemens zeigen können, wie man Grundlagenforschung nutzbringend in die Anwendung transferiert."

"Siemens und das Forschungszentrum Jülich sind strategische Partner bei einer Vielzahl von Forschungsaktivitäten in den Schwerpunkten Energie und Gesundheit. Das 9,4 Tesla Projekt ist dabei ein herausragendes Beispiel, wie sich die ausgezeichnete Expertise aus Jülich mit den technologischen Stärken des integrierten Siemenskonzerns zum Nutzen der Patienten ergänzen", äußert sich auch Dr. Michael Kassner, Regionenchef Nordrhein der Siemens AG.

Der rund vier Meter lange und 57 Tonnen schwere supraleitende Magnet kam per Schwertransport aus England (Oxford) nach Jülich, wurde im Laufe des Tages per Kran abgeladen und in das eigens für ihn errichtete neue Gebäude gebracht. Dort sorgen in einem 150 Quadratmeter großen Raum 870 Tonnen Stahl für die Abschirmung des Magnetfeldes nach außen, so dass der Magnet in den nächsten Wochen gefahrlos in Betrieb genommen werden kann. Einmalig wird bei dem komplett installierten Gerät der Durchmesser der Röhre mit 90 Zentimetern sein. "So reicht der Platz, um den Probanden Aufgaben zu stellen, bei denen sie einen Knopf drücken oder einen Joystick bewegen müssen, und dabei ihre Gehirnfunktionen auf digitalen Bildern zu beobachten", erläutert Shah.

Gegenüber den 1,5 T- oder 3 T-Geräten, wie sie derzeit üblicherweise in Kliniken stehen, ist der neue 9,4-T MRT ein gewaltiger Fortschritt. Denn je höher das Magnetfeld, desto besser wird die Bildqualität und desto klarer unterscheiden sich verschiedene Gewebetypen voneinander. Sogar das Verhalten einzelner Zellen im lebenden Organismus wird sich verfolgen lassen, wenn sie mit Hilfe von Kontrastmitteln markiert werden.

Wirklich einzigartig wird das neue Gerät durch die Kombination mit einem PET-Einsatz, welcher voraussichtlich ebenfalls 2009 in das System integriert wird. Mit ihm lassen sich Stoffwechselvorgänge beobachten und Abläufe an Rezeptoren - die für die Kommunikation zwischen Gehirnzellen zuständig sind - untersuchen. Die Bilder eines PET alleine sind relativ unscharf, so dass sich daraus nur sehr ungenaue Ortsinformationen ergeben. Gemeinsam mit dem MRT jedoch bildet das PET ein perfektes Team, das den Wissenschaftlern anatomisch detaillierte Bilder liefert und ihnen gleichzeitig die Analyse der ablaufenden molekularen Mechanismen erlaubt. Durch die kombinierte Untersuchung kann das Gehirn gleichsam aus verschiedenen Blickwinkeln im selben Zustand erforscht werden, was nicht möglich ist, wenn die MRT- und PET-Bilder nacheinander aufgenommen werden.

Die Jülicher Kompetenz bei bildgebenden Verfahren wird ergänzt durch die enge Zusammenarbeit mit der Industrie und den benachbarten Universitätskliniken - insbesondere mit der RWTH Aachen im Verbund JARA Brain. So kommt Grundlagenforschung aus Jülich zeitnah in die Praxis. Der Weg von der Erkenntnis zum Nutzen für Patienten wird damit entscheidend verkürzt.

Siemens Healthcare ist derzeit der führende Anbieter in der Hochfeld-Kernspintomographie und ermöglicht als einziger Hersteller weltweit die Kombination eines Magnetresonanz-Tomographen (MRT) mit einer Feldstärke von 9,4 Tesla mit einem Positronenemissions-Tomographen (PET). Im 7 Tesla-Bereich sind von den derzeit circa 30 installierten Anlagen weltweit mehr als die Hälfte Siemenssysteme.

Angela Lindner | idw
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de
http://www.fz-juelich.de/portal/forschung/highlights/9komma4

Weitere Berichte zu: MRT PET Stoffwechselvorgang

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fester Zahnersatz trotz massiven Knochenschwunds
17.10.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Neue Methode der statistischen Inferenz in der Magnetresonanztomographie (fMRI) entwickelt
16.10.2018 | Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics