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Aus dem Handgelenk: Alternative Herzkatheteruntersuchung

03.03.2008
Die Herzkatheteruntersuchung ist heute der häufigste Eingriff in der Kardiologie. Allein in der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen wird er in jedem Jahr etwa 6.000 Mal vorgenommen.

Dabei wird ein dünner und biegsamer Kunststoffschlauch über eine elastische Führungssonde in die Blutgefäße eingeführt und bis zum Herzen vorgeschoben. Nach Einspritzen eines Kontrastmittels kann der Arzt dann mit Hilfe von Röntgendiagnostik das Herz und die Kranzgefäße am Monitor betrachten.

So können krankhafte Veränderungen der Herzkranzgefäße, des Herzmuskels, der Herzklappen sowie angeborene Herzfehler erkannt werden. Darüber hinaus sind mit dem Herzkatheter auch therapeutische Maßnahmen wie z.B. Gefäßaufdehnungen bei verengten Kranzgefäßen möglich.

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Zumeist werden die linke Herzkammer und die Kranzgefäße untersucht. Bei diesem so genannten Linksherzkatheter wurde bisher in der Regel eine Arterie in der Leiste als Gefäßzugang punktiert. Neben dieser konventionellen Methode bietet das Essener Krankenhaus seinen Patienten nun vermehrt auch ein weiteres Verfahren der Herzkatheterintervention an. Dabei punktiert der Arzt als Zugang für den Katheter die Arteria radialis, eine Schlagader am Handgelenk.

„Die Methode ist zwar nicht ganz neu“, erklärt Dr. Florin Laubenthal, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie, „aber erst in den letzten Jahren ist es durch verbesserte Materialen und Katheter mit wesentlich kleinerem Durchmesser möglich geworden, sie öfter einzusetzen.“ Trotzdem bleibt die Punktion am Handgelenk schwieriger: Denn während eine Arterie in der Leiste einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter hat, beträgt dieser bei der Radialisarterie nur etwa zwei bis drei Millimeter. Auch die Katheterführung zum Herzen ist bei diesem Verfahren etwas aufwändiger.

Technik mit Vorteilen

Für einige Patientengruppen hat die Alternativmethode aber deutliche Vorteile. „Bei Personen, die bereits an den Gefäßen in der Leiste operiert wurden – beispielsweise einen Bypass bekommen haben, sollte die Leistenarterie nicht punktiert werden“, so Dr. Laubenthal. „Auch für übergewichtige Patienten bietet sich die Methode an. Gerade bei ihnen ist es schwer, nach einem Eingriff die großlumige Schlagader im Leistenbereich mit einem Druckverband exakt zu verschließen.

Es besteht die Gefahr, dass es zu Nachblutungen ins Gewebe kommt.“ Signifikante Blutergüsse treten am Handgelenk gar nicht auf. Der Druckverband wird hier in Form eines kleinen, durchsichtigen Armbandes angelegt – was auch die Kontrolle der Einstichstelle wesentlich erleichtert. Darf der Patient nach einer konventionellen Untersuchung mehrere Stunden nicht aufstehen, ist bei der ‚neuen’ Methode keine Bettruhe vorgeschrieben. „Für die meisten Menschen bedeutet dies zwar nur ein Mehr an Komfort“, so der Kardiologe, „Patienten mit einem erhöhten Thrombose- und Embolierisiko sollten nach einem Eingriff jedoch so rasch wie möglich mobilisiert werden.“

Dr. Laubenthal schätzt, dass in Deutschland zukünftig etwa die Hälfte der Herskatheterinterventionen über das Handgelenk erfolgen wird. In Kanada und Frankreich ist das Verfahren bereits weit verbreitet. Viele Kardiologen bei uns müssen die Technik aber erst noch erlernen. In Essen bietet Dr. Laubenthal deshalb für seine Kollegen und Ärzte aus anderen Kliniken Workshops an. Trainiert wird natürlich nicht am Patienten. Dazu gibt es spezielle Computerprogramme. Ähnlich wie der Pilot das Fliegen am Flugsimulator lernt, übt hier der Arzt das Punktieren und das Führen des Herzkatheters am Computer.

Dr. Florin Laubenthal | EKE
Weitere Informationen:
http://www.elisabeth-essen.de

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