Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Besserer Durchblick für die Anatomen: Missler-Team misst in Millionstel

19.12.2007
Der Teufel steckt im Detail. Wo genau, weiß ein Forscherteam um Prof. Dr. Markus Missler – und das dank eines Briefes aus Bonn künftig noch besser als schon jetzt. Inhalt des Schreibens ist eine Förderzusage der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Dessen Hauptausschuss bewilligte den münsterschen Wissenschaftlern ein 1,2 Mio. Euro teures Kryo-Elektronenmikroskop. Mit dem neuen Gerät können sich die Forscher künftig ein lebensechtes Bild von den kleinsten zellulären Strukturen des Körpers machen.

Das Mikroskop hatte Prof. Missler, der als Geschäftsführender Direktor das Institut für Anatomie leitet, nach seiner Berufung an die Medizinische Fakultät Münster im letzten Jahr beantragt. Es wird das erste Gerät seiner Art an der Westfälischen Wilhelms-Universität sein. Seine Bezeichnung leitet sich ab vom griechischen Begriff für Kälte („kryo“). „Herkömmliche Verfahren in der Elektronenmikroskopie setzen Chemikalien zur Konservierung der Gewebe ein. Das kann zu unerwünschten Veränderungen an deren Darstellung führen“, erläutert der Neurowissenschaftler. Das neue Gerät hingegen sei für die Betrachtung tiefgefrorener Gewebeproben geeignet, so Missler weiter.

Diese werden durch extrem schnelles Einfrieren unter sehr hohem Druck gewonnen, um die Eiskristallbildung in den Zellen und damit deren Zerstörung zu vermeiden. Spezielle Schneidegeräte erlauben danach bei Temperaturen unter minus 135 Grad Celsius das Anfertigen hauchdünner Schnitte. Auf ihnen sind selbst solche Details zu erkennen, die nicht mehr als einen millionstel Millimeter messen. „Die Methoden sind aber keine Routineanwendungen“, stellt Missler klar. „Daher werden wir noch sehr viel Entwicklungsarbeit leisten müssen.“

Da die Kryo-Elektronenmikroskopie somit nicht nur erhebliche Anforderungen an die Mitarbeiter stellt, sondern auch an die Laborräumlichkeiten, kommt den Wissenschaftlern der Zeitpunkt der DFG-Zusage sehr gelegen. Das Anatomie-Institut am Vesaliusweg soll in den nächsten Monaten saniert und umgebaut werden. „Die Ausführungsplanung läuft gerade, so dass wir das neue Forschungsgroßgerät gleich einfließen lassen und optimale Arbeitsbedingungen schaffen können“, freut sich Prof. Missler.

... mehr zu:
»DFG

Das Hochleistungsmikroskop wird der Forscher, wie bei solchen aufwändigen Forschungsgroßgeräten üblich, mit seinem Team nicht allein nutzen. Konkrete Gemeinschaftsprojekte seien bereits geplant mit den Sonderforschungsbereichen 629 („Zelldynamik“) und 492 („Extrazelluläre Matrix“) der DFG sowie mit weiteren Einrichtungen. „Wir freuen uns in der Fakultät auf die zusätzlichen Möglichkeiten und hoffen auf wichtige neue Erkenntnisse beispielsweise über die Organisation von Zell-Zell-Kontakten zwischen Nervenzellen“, so Missler. Das derzeit von ihm genutzte Transmissionselektronenmikroskop vom Typ Philips CM10 bleibt trotz seiner 20jährigen „Dienstzeit“ im Einsatz und wechselt in ein anderes Institut.

Dr. Thomas Bauer | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: DFG

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht MR-kompatibles Ultraschallsystem für die therapeutische Anwendung von Ultraschall
18.10.2019 | Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT

nachricht Bessere Rheuma-Früherkennung dank neuer Fußkamera
15.10.2019 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics