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Mit Ionen gegen Krebs

14.12.2007
Heute vor zehn Jahren wurde zum ersten Mal ein Patient mit einem Gehirntumor mit Ionenstrahlen an der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) behandelt, die zur Helmholtz-Gemeinschaft gehört. Mit dem weltweit einmaligen Verfahren wurden seitdem 400 Patienten bestrahlt, mit einer hervorragenden Heilungsquote. Nun steht die Therapie kurz vor der klinischen Anwendung.

"Die Entwicklung einer solch grundlegend neuen Therapie ist nur an einem großen Kompetenzzentrum wie der GSI möglich, wo Experten aus verschiedenen Disziplinen wie Physik, Biophysik und Medizin unter einem Dach zusammen arbeiten", sagt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. "Die Tumortherapie mit Schwerionen ist darüber hinaus ein markantes Beispiel für einen gelungenen Technologie-Transfer aus der Grundlagenforschung in die breite klinische Anwendung, denn schon im nächsten Jahr geht das Heidelberger-Ionentherapie-Zentrum in Betrieb."

Das Heidelberger-Ionentherapiezentrum HIT wird von der Universitätsklinik Heidelberg betrieben. Die Technik von HIT ist maßgeblich von der GSI entwickelt worden, dabei entstanden 40 Patente. HIT wird damit die erste marktreife Anlage für die Therapie mit Ionenstrahlen. Bei Behandlungskosten von etwa 20.000 Euro können dort über 1000 Patienten pro Jahr behandelt werden. Im Rahmen eines Lizenzvertrages mit Siemens Medical Solutions sind derzeit weitere Anlagen dieser Art im Bau oder in Planung.

Die Behandlung mit Ionenstrahlen ist ein präzises, hochwirksames und gleichzeitig sehr schonendes Therapieverfahren. Ionenstrahlen dringen in den Körper ein und entfalten ihre größte Wirkung erst tief im Gewebe, dort wo sie in einem nur stecknadelkopfgroßen Bereich stecken bleiben. Sie können so variiert werden, dass Tumoren bis zur Größe eines Tennisballs Punkt für Punkt millimetergenau bestrahlt werden können. Das umliegende gesunde Gewebe wird weitgehend geschont. Das Verfahren eignet sich vor allem für tiefliegende Tumore in der Nähe von Risikoorganen wie z.B. dem Hirnstamm.

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In den ersten klinischen Studien wurden Patienten mit Tumoren an der Schädelbasis behandelt. Nachfolgende Beobachtungen über fünf Jahre haben gezeigt, dass das Wachstum der bestrahlten Tumore bei 75 bis 90 Prozent der Patienten gestoppt werden konnte. Nur in sehr seltenen Fällen traten behandlungsbedürftige Nebenwirkungen auf. Aufgrund der überzeugenden Ergebnisse ist die Therapie inzwischen als Heilverfahren anerkannt. In neuen noch nicht abgeschlossenen Studien werden Patienten mit Tumoren an der Wirbelsäule und mit Prostatakrebs behandelt.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 26.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Ansprechpartner für die Medien:

Thomas Gazlig
Dipl.-Biol./Dipl.-Journ.
Leiter Kommunikation und Medien
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Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin
Tel/Fax: 030 206 329-57/60
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Thomas Gazlig | idw
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