Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zielgenau gegen den Prostatakrebs

03.09.2012
Nachteil vieler Tumortherapien ist, dass sie nicht nur die Krebszellen angreifen, sondern auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft ziehen.
Wissenschaftler suchen deshalb fieberhaft nach Wegen, Krebszellen selektiv zu bekämpfen. Das Verbundprojekt „META“ beschreitet hier neue Wege zur Diagnose und Therapie von Prostatakarzinomen. Unter Federführung der Universität Bonn beteiligen sich fünf internationale Partner. Die Europäische Union fördert das Projekt in den nächsten drei Jahren mit rund 1,2 Millionen Euro.

Prostatakrebs gehört nach Lungen- und Darmkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. An dem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse sterben in Deutschland etwa drei von 100 Männern. Das Ziel von „META“ (Metastases targeting aptamers) ist, neue Diagnose- und Behandlungsansätze für Prostatakarzinome zu erforschen. „Wir nutzen so genannte Aptamere, die im Körper speziell an diese Krebszellen binden“, sagt Prof. Dr. Günter Mayer vom Life and Medical Science Institute (LIMES) der Universität Bonn, der für die Gesamtkoordination des Projektes zuständig ist. „Mit ihrer Hilfe wollen wir die Tumor- und Metastasenzellen markieren und abtöten.“

Suche nach dem Schrotschussprinzip

Aptamere sind Abwandlungen der Erbgutsubstanzen DNA oder RNA, die wie ein Schlüssel ins Schloss passen und exakt an die selektiven Oberflächen von lebenden Zellen andocken können. „Das funktioniert ähnlich wie ein genetischer Fingerabdruck bei der Fahndung der Kriminalisten“, berichtet Prof. Mayer. Aptamere lassen sich in vielen verschiedenen Varianten synthetisch im Labor erzeugen. Deshalb gehen die Wissenschaftler nach dem Schrotschussprinzip vor: Sie stellen Trillionen unterschiedlicher Aptamere her und bringen sie in die Blutbahn von Mäusen ein, die unter metastasierenden Prostatakarzinomen leiden.

Ein molekularer Profiler spürt die Krebszellen auf

„Ein winziger Teil dieser Trillionen verschiedenen Aptameren passt genau zu den Oberflächen der Metastasen- und Tumorzellen in den Mäusen und bindet daran“, berichtet der Koordinator. Die Forscher isolieren diese Zellen und analysieren dann, um welche Aptamersorte es sich genau handelt. „Wir haben dann ein Molekül, das wie ein molekularer Profiler zielgenau die Primärtumoren und Metastasen aufspürt“, erläutert der Bonner Biochemiker. Diese Substanzen haben dann ein großes Potenzial für die Prostatakarzinomdiagnose und –behandlung. Mit biochemischen Kopiervorgängen lassen sie sich beliebig vermehren.

Passgenaue Moleküle entfalten ihre tödliche Wirkung

Wenn die passgenauen Aptamere etwa mit Farbstoffen verbunden werden, lassen sich damit die Prostatakrebszellen zum Leuchten bringen und für die Diagnostik darstellen. Darüber hinaus taugt die ungewöhnlich variantenreiche Stoffgruppe für neuartige Therapien: Ist das passende Aptamer gefunden, wollen es die Forscher mit winzigen Chemotherapeutika beladen. Docken die Moleküle dann an die Tumor- und Metastasezellen, entfalten sie ihre tödliche Wirkung, ohne das angrenzende Gewebe zu schädigen.

Rasche Überführung der Ergebnisse in Anwendungen geplant

An dem internationalen Verbundprojekt sind neben der Universität Bonn Wissenschaftler des Forschungsbereichs ProQinase der Freiburger Klinik für Tumorbiologie, der Uniklinik Würzburg sowie aus Frankreich und Polen beteiligt. Rund 1,2 Millionen Euro werden für das Projekt insgesamt bereit gestellt. Davon fließen rund 270.000 Euro an die Universität Bonn. Die Gelder stammen von der Europäischen Union. Was noch wie Science-Fiction klingt, soll möglichst rasch in Anwendungen überführt werden: „Wenn nach drei Jahren das Projekt von Erfolg gekrönt ist, planen die Verbundpartner eine Ausgründung“, sagt Prof. Mayer.

Kontakt:

Prof. Dr. Günter Mayer
LIMES-Institut der Universität Bonn
Tel. 0228/734808
E-Mail: gmayer@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www.euronanomed.net/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics