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Zahl der Patienten beim Augenarzt steigt bis 2030 um mehr als ein Drittel

13.09.2012
Auf jeden ambulanten Augenarzt entfallen durchschnittlich 5459 Patientenkontakte im Jahr – das sind über 60 Prozent mehr als der Durchschnitt aller ambulanten Vertragsärzte.
Obwohl die Augenärzte damit bereits an der Belastungsgrenze arbeiten, wird der ophthalmologische Behandlungsbedarf aufgrund der Altersstruktur der Gesellschaft bis zum Jahr 2030 um 35 Prozent ansteigen. Das geht aus dem neuen Weißbuch der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) hervor, das erstmals die augenärztliche Versorgungssituation in Deutschland für die Jahre 2010 und 2030 untersucht hat.

Demnach suchte jeder fünfte Bundesbürger im Jahr 2010 einen Augenarzt auf. Obwohl die augenärztlichen Fälle 5,4 Prozent aller Behandlungsfälle ausmachen, beanspruchen sie nur 0,9 Prozent der Gesundheitsausgaben – das entspricht 32 Euro Behandlungskosten pro Bundesbürger. Hinzu kommen weitere 6,50 Euro für Augenmedikamente. „Damit ist die Augenheilkunde einer der am meisten frequentierten Fachbereiche der Medizin und zugleich ein eher geringer Kostenfaktor im Gesundheitswesen – also ein günstiges Fach“, erklärt Studienautor Dr. med. Christian Wolfram von der Universitäts-Augenklinik Mainz. Zum Vergleich: Für Optiker gaben die Deutschen 2010 im Schnitt 59 Euro aus.

Zugleich hat in den vergangenen zehn Jahren eine starke Leistungs¬verdichtung in der Augenheilkunde stattgefunden. Zwischen 2000 und 2010 schrumpfte der Anteil der Einzel-Praxen um 25 Prozent, die stationären Bettenkapazitäten um dreißig Prozent. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Augenoperationen in Kliniken allein zwischen 2005 und 2010 um zwanzig Prozent. Auf jeden ambulanten Augenarzt entfallen heute 5459 Patienten¬kontakte im Jahr – Das sind 60,7 Prozent mehr als der Durchschnitt aller ambulanten Vertragsärzte. „Die Augenärzte arbeiten am Limit“, erklärt Wolfram im Vorfeld des 110. DOG-Kongresses. Dies spiegele sich auch in einer Umfrage unter den Augenärzten in Deutschland wider. „Fast sechzig Prozent der Augenärzte sind mit ihrer beruflichen Tätigkeit insgesamt zufrieden. Jedoch überwiegt Unzufriedenheit bei der Bewertung der aufgewendeten Arbeitszeit“, berichtet Wolfram.

Da sich viele Augenerkrankungen besonders im höheren Alter einstellen, ist die Ophthalmologie stärker als andere medizinische Fächer vom demografischen Wandel betroffen. Jeder zweite 70- bis 80-Jährige suchte im Jahr 2010 einen Augenarzt auf. Während die Quote der Patienten mit 60 und mehr Lebensjahren in der ambulanten augenärztlichen Versorgung 1997 noch 42,8 Prozent betrug, waren es 2010 bereits 56,7 Prozent. „Bis zum Jahr 2030 wird der Bedarf für über 60-Jährige um 35,8 Prozent anwachsen“, stellt Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Universitäts-Augenklinik Mainz, fest. „Wir gehen von mindestens 7,7 Millionen zusätzlichen Behandlungsfällen für diese Altersgruppe aus. Das ist ohne eine Aufstockung der gegenwärtigen Ressourcen nicht zu bewältigen.“

Das von der DOG initiierte „Weißbuch zur Situation der ophthalmologischen Versorgung in Deutschland“ basiert auf Daten zur medizinischen Versorgungssituation, Literaturrecherchen, Expertenbefragungen und einer Online-Umfrage unter Augenärzten in Deutschland mit über 1300 Teilnehmern.

Dr. Wolfram und Professor Pfeiffer werden die Studie auf dem 110. DOG-Kongress vorstellen und über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Augenheilkunde berichten.
Terminhinweise:

Pressekonferenz im Rahmen des 110. DOG-Kongresses
Termin: Donnerstag, 20. September 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Estrel Berlin, Raum Paris (EG)
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

Symposium zur„Versorgungsforschung in der Augenheilkunde“
auf dem 110. DOG-Kongress
Termin: Freitag, 21. September 2012, 16.00 bis 17.30 Uhr
Ort: Estrel Berlin, Raum 4
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle 110. DOG-Kongress
Kerstin Ullrich/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641/-293
Telefax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog-kongress.de

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