Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler des HZI entdecken die Ursachen der rheumatischen Herzkrankheit

02.03.2009
Hilfe für kranke Kinderherzen

Weltweit erkranken etwa 15 Millionen Kinder jährlich an der rheumatischen Herzkrankheit; eine halbe Million stirbt daran.

Am Anfang der Krankheitsgeschichte dieser Kinder steht eine einfache Halsinfektion mit Streptokokken – kugelförmigen Bakterien, die für ganz unterschiedliche Infekte verantwortlich sein können.

Aber nur ganz bestimmte Streptokokken-Typen lösen eine ganze Kette von Reaktionen im Köper aus, die letztlich zur lebensbedrohlichen rheumatischen Herzkrankheit führen. Diese Bakterien tragen eine spezielle Proteinsequenz, das so genannte PARF-Motiv, auf ihrer Oberfläche. In der renommierten Fachzeitschrift „PLoS ONE“ zeigen Singh Chhatwal und sein Mitarbeiter Patric Nitsche-Schmitz vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, welche Rolle PARF bei der Entstehung der rheumatischen Herzkrankheit spielt. Mit diesem Wissen entwickeln sie ein Testsystem, mit dem sich diese Krankheit frühzeitig erkennen und dann auch behandeln lässt.

„PARF heißt ‚Peptid assoziiert mit rheumatischem Fieber’“, erklärt Nitsche-Schmitz. „Es ist ein kleiner Abschnitt aus dem Protein auf der Streptokokkenoberfläche, mit dem Streptokokken sich an unsere Zellen heften und uns krank machen.“ Besonders häufig entwickelt sich bei Kindern in Indien, Australien und Afrika aus den harmlosen Halsschmerzen rheumatisches Fieber. Der Grund: nicht ausreichende medizinische Behandlung. Bekommen nämlich Kinder, die eine Streptokokken-Infektion im Hals haben, keine oder nicht ausreichend Antibiotika, heften sich die überlebenden Bakterien, die die PARF-Sequenz auf ihrer Oberfläche tragen, an das körpereigene Kollagen. Kollagen ist im Körper allgegenwärtig – es gibt als Grundsubstanz in Knochen und Knorpel unserem Körper Form und Halt und stärkt durch seine hohe Zugfestigkeit das Bindegewebe in der Haut, den Herzklappen und den Blutgefäßen. Heften sich nun die PARF-tragenden Streptokokken an das Kollagen, führt das unser Immunsystem in die Irre und unsere körpereigene Abwehr richtet sich nicht nur gegen die Bakterien, sondern auch gegen gesundes und lebensnotwendiges Kollagen. Die Autoimmunerkrankung rheumatisches Fieber bricht aus. Wird auch diese nicht vollständig behandelt, folgt die rheumatische Herzkrankheit: Die besonders kollagenreichen Herzklappen entzünden sich und versagen den Dienst.

Insgesamt haben aber nur etwa fünf Prozent aller Halsinfektionen mit den kugelförmigen Bakterien eine Autoimmunerkrankung zur Folge. Um diese fünf Prozent herausfiltern und frühzeitig behandeln zu können, entwickeln die Braunschweiger Infektionsforscher einen einfachen Teststreifen, der auf das PARF-Motiv reagiert. „Wir hoffen, dass wir damit bald ein Testsystem in Händen haben, mit dem die Kinder routinemäßig untersucht werden können“, schließt Singh Chhatwal: „Das würde vielen Kindern das Leben retten.“

Literatur: Dinkla K, Talay SR, Mörgelin M, Graham RMA, Rohde M, et al. 2009 Crucial Role of the CB3-Region of Collagen IV in PARF-Induced Acute Rheumatic Fever. PLoS ONE 4(3): e4666. doi:10.1371/journal.pone.0004666

Hannes Schlender | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics