Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Windpockenimpfung zahlt sich langfristig aus

07.03.2016

HZI-Wissenschaftler berechnen Nutzen und Risiko der Impfung gegen Windpocken

Die Windpockenimpfung schützt Kinder sicher vor einer Windpocken-Erkrankung. Ein indirekter Effekt der Impfung ist jedoch ein möglicherweise erhöhtes Risiko einer Gürtelrose-Erkrankung bei nicht gegen Windpocken geimpften Erwachsenen.


Windpocken

© NIAID CC BY 2.0

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben diesen Zusammenhang analysiert und gezeigt, dass zwar kurz- bis mittelfristig dieses Risiko besteht, die Windpockenimpfung langfristig aber zu weniger Gürtelrosefällen führt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Journal „Human Vaccines & Immunotherapeutics“.

Der Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Windpocken ist seit langem bekannt. Während der ersten Infektion, die meist im Vorschulalter geschieht, löst das Varizella-Zoster-Virus Windpocken aus. Wie auch bei anderen Herpesviren, beispielsweise dem für Lippenherpes verantwortlichen Herpes Simplex-Virus, verbleibt das Varizella-Zoster-Virus auch nach überstandener Krankheit im Körper und kann in jedem Alter zu Gürtelrose führen, am ehesten dann, wenn die Abwehrkräfte des Menschen durch schwere Krankheiten oder altersbedingt stark geschwächt sind. Auch wenn der endgültige Beweis dafür fehlt, weisen inzwischen mehrere epidemiologische Studien darauf hin, dass Kontakt mit an Windpocken erkrankten Kindern das Risiko für Gürtelrose senken kann.

„Damit würde der positive Effekt der allgemeinen Windpockenimpfung auf die Krankheitslast bezüglich Windpocken im Kindesalter, wie er seit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Jahr 2004 zu beobachten ist, sich für Ältere eventuell nachteilig auswirken“, sagt Johannes Horn, Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe Epidemiologische und Statistische Methoden am HZI.

Darüber hinaus besteht ein Risiko, dass sich das Erkrankungsalter für Windpocken bei bisher ungeimpften Personen nach oben verschiebt, mit dadurch einhergehenden deutlich schwereren Krankheitsverläufen und erhöhten Komplikationsraten. Umgekehrt haben gegen Windpocken geimpfte Personen ein deutlich reduziertes Risiko je an Gürtelrose zu erkranken. Diese komplexen Zusammenhänge in Bezug auf die Windpockenimpfung werden immer wieder kontrovers diskutiert.

Horn und seine Kollegen von der Universität Bielefeld, vom Robert Koch-Institut, vom University Medical Center Utrecht sowie der Universitätsmedizin Freiburg haben in einem von der STIKO in Auftrag gegebenen und vom Robert Koch-Institut finanzierten Projekt die möglichen Auswirkungen der Windpocken-Impfung mithilfe eines mathematischen Modells analysiert.

„Wir haben festgestellt, dass der diskutierte indirekte Effekt der Windpockenimpfung auf die Gürtelrose zwar kurz- bis mittelfristig eintreten kann, langfristig aber die positiven Effekte überwiegen“, sagt Horn. „So kann es für circa 30 Jahre zu einer Erhöhung der Fälle von Gürtelrose kommen, langfristig werden die Erkrankungszahlen jedoch deutlich fallen.“ Darüber hinaus zeigte das Modell eine dauerhafte Absenkung der Windpockenfälle in der Altersgruppe der unter Zehnjährigen, wohingegen in den älteren Altersgruppen die Anzahl der Windpockenfälle wahrscheinlich stabil bleibt, beziehungsweise im sehr ungünstigen Fall auch steigen kann.

Werden Erkrankungsfälle bzgl. Windpocken im Kindes- und Erwachsenenalter, sowie Gürtelrose systematisch beobachtet, so kann das Ausmaß der genannten Effekte der Windpockenimpfung korrekt erfasst werden. Bei Anzeichen von negativen Effekten gibt es die Möglichkeit zum Beispiel mit einer Impfung gegen Gürtelrose oder einem systematischen Nachholen von Windpocken-Impfungen gegebenenfalls gegenzusteuern.

Originalpublikation:
Current and future effects of varicella and herpes zoster vaccination in Germany – insights from a mathematical model in a country with universal varicella vaccination
Johannes Horn , André Karch , Oliver Damm , Mirjam E Kretzschmar , Anette Siedler , Bernhard Ultsch , Felix Weidemann , Ole Wichmann , Hartmut Hengel , Wolfgang Greiner , Rafael T Mikolajczyk ; Human Vaccines & Immunotherapeutics ; DOI: 10.1080/21645515.2015.1135279; Link: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/21645515.2015.1135279

Über das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. www.helmholtz-hzi.de

Weitere Informationen:

http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/21645515.2015.1135279 - Link zur Publikation
http://www.helmholtz-hzi.de

Susanne Thiele | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zu viel Salz hemmt die Immunabwehr
26.03.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Antikörper im Gehirn lösen Epilepsie aus
24.03.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

Physiker der Arbeitsgruppe von Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock ist es in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Würzburg gelungen, einen „Trichter für Licht“ zu entwickeln, der bisher nicht geahnte Möglichkeiten zur Entwicklung von hypersensiblen Sensoren und neuen Technologien in der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnet. Die Forschungsergebnisse wurden jüngst im renommierten Fachblatt Science veröffentlicht.

Der Rostocker Physikprofessor Alexander Szameit befasst sich seit seinem Studium mit den quantenoptischen Eigenschaften von Licht und seiner Wechselwirkung mit...

Im Focus: Junior scientists at the University of Rostock invent a funnel for light

Together with their colleagues from the University of Würzburg, physicists from the group of Professor Alexander Szameit at the University of Rostock have devised a “funnel” for photons. Their discovery was recently published in the renowned journal Science and holds great promise for novel ultra-sensitive detectors as well as innovative applications in telecommunications and information processing.

The quantum-optical properties of light and its interaction with matter has fascinated the Rostock professor Alexander Szameit since College.

Im Focus: Künstliche Intelligenz findet das optimale Werkstoffrezept

Die möglichen Eigenschaften nanostrukturierter Schichten sind zahllos – wie aber ohne langes Experimentieren die optimale finden? Ein Team der Materialforschung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat eine Abkürzung ausprobiert: Mit einem Machine-Learning-Algorithmus konnten die Forscher die strukturellen Eigenschaften einer solchen Schicht zuverlässig vorhersagen. Sie berichten in der neuen Fachzeitschrift „Communications Materials“ vom 26. März 2020.

Porös oder dicht, Säulen oder Fasern

Im Focus: Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert

Am 12. März 2020, 10.26 Uhr, ereignete sich in Südwestisland, ca. 5 km nordöstlich von Grindavík, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.7, während eines längeren Erdbebenschwarms. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt dort ein neues Verfahren zur Überwachung des Untergrunds mithilfe von Telefonglasfaserkabeln getestet.

Ein von GFZ-Forschenden aus den Sektionen „Oberflächennahe Geophysik“ und „Geoenergie“ durchgeführtes Online-Monitoring, das Glasfaserkabel des isländischen...

Im Focus: Quantenoptiker zwingen Lichtteilchen, sich wie Elektronen zu verhalten

Auf der Basis theoretischer Überlegungen von Physikern der Universität Greifswald ist es Mitarbeitern der AG Festkörperoptik um Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock gelungen, photonische topologische Isolatoren als Lichtwellenleiter zu realisieren, in denen sich Photonen wie Elektronen verhalten, und somit fermionische Eigenschaften zeigen. Ihre Entdeckung wurde jüngst im renommierten Fachblatt „Nature Materials“ veröffentlicht.

Dass es elektronische topologische Isolatoren gibt – Festkörper die im Innern den elektrischen Strom nicht leiten, dafür aber umso besser über die Oberfläche –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

UN World Water Day 22 March: Water and climate change - How cities and their inhabitants can counter the consequences

17.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltweit einzigartig: Neue Anlage zur Untersuchung von biogener Schwefelsäurekorrosion in Betrieb

27.03.2020 | Architektur Bauwesen

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

27.03.2020 | Materialwissenschaften

Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

27.03.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics