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Weltweit einzigartiges Arthroskopieregister „DART“ startet seine Arbeit

16.10.2017

In Deutschland werden jährlich über 400.000 arthroskopische Operationen durchgeführt. Mit der minimalinvasiven Technik lässt sich im Inneren der Gelenke, wie Knie, Schulter, Hüfte oder Sprunggelenk, sicher und schonend operieren. Doch obwohl die Arthroskopie die am häufigsten angewandte chirurgische Technik ist, fehlen bisher klinische Studien an großen Patientenpopulationen, die das Ergebnis dieser OP unter Alltagsbedingungen messen. Deshalb wurde jetzt das Deutschsprachige Arthroskopieregister – DART – ins Leben gerufen.

Schmerzende Hüften, lädierte Knie, erkrankte Schultern oder Sprunggelenke - rund 400.000 Mal pro Jahr unterziehen sich Patienten in Deutschland einer arthroskopischen Operation. Mit der minimalinvasiven Technik lässt sich im Inneren der Gelenke sicher und schonend operieren.


Minimalinvasiv und schonend: die Arthroskopie

Foto: C. Yunck / BVASK

Doch trotz hoher Eingriffszahlen und etablierter Standardverfahren fehlen bisher langfristige klinische Studien an großen Patientenpopulationen, die das OP-Ergebnis im Versorgungsalltag messen. Deshalb geht jetzt das Deutschsprachige Arthroskopieregister „DART“ an den Start.

Erstmals werden hierbei Ärzte und Patienten gemeinsam die Qualität der Operation bewerten. Erfasst werden OPs in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Auf der online-Plattform von DART machen die Ärzte Angaben zur Erkrankung oder Verletzung, dem Gelenkbefund und der durchgeführten Operation. Der Patient erhält ebenfalls einen online-Zugang und wird gebeten, zu regelmäßigen Zeitpunkten – von vor der OP bis zu 10 Jahre nach der Operation - Angaben zum subjektiven Gelenkbefund, zu Komplikationen, Arbeitsausfall und der subjektiven Zufriedenheit zu machen.

Die Arzt- und pseudonymisierten Patientendaten werden anschließend statistisch ausgewertet. Über eine Reportfunktion erhält der Arzt eine Rückmeldung für die Ergebnisse der von ihm durchgeführten Operationen im Vergleich zum Gesamtpool teilnehmender Ärzte. Für die Patienten wird die Qualität damit umfassend, genau und praxisnah dokumentiert.

Fragen an den Patienten sind Zum Beispiel: Ist die Verletzung Folge eines Unfalls? Wie lange betrug der Abstand zwischen Symptombeginn/Unfallzeitpunkt und operativer Versorgung? Wie bewerten Sie Ihre Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10? Verspüren Sie an dem betroffenen Gelenk Blockaden?

Der Arzt trägt bei einer arthroskopischen Knie-OP unter anderem folgende Daten ein (Beispiele): Liegen zum OP Zeitpunkt an dem betroffenen Gelenk offene Wachstumsfugen vor? Wie ist die präoperative Beweglichkeit? Lag ein Gelenkerguss vor? Lag eine Synovitis vor? Lagen freie Gelenkkörper vor? Hat der Patient die gleiche Verletzung bzw. operative Versorgung auf der kontralateralen Seite? Ist am betroffenen Gelenk eine vorausgegangene Gelenkinfektion bekannt? Welche Knorpel-Klassifikation, Lokalisation, Rissform liegen vor?

Die Arthroskopie ist derzeit die am häufigsten angewandte chirurgische Technik. Bislang gibt es lediglich einzelne randomisierte Studien, deren Übertragbarkeit der Ergebnisse in die allgemeine Versorgungsrealität nur eingeschränkt möglich ist. Ihr Problem besteht vielfach darin, dass nur hochselektive Patientengruppen eingeschlossen werden. Es bedarf deshalb unbedingt einer intensiven klinischen Forschung, die den Patienten in den Mittelpunkt rückt und auf Ausschlusskriterien weitgehend verzichtet. Nur so lassen sich Daten gewinnen, die den tatsächlichen Nutzen arthroskopischer Techniken belegen.

Um diese Aufgabe zu lösen, haben die Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA), der Berufsverband für Arthroskopie (BVASK) und die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) das Projekt „Deutschsprachiges Arthroskopieregister (DART)“ ins Leben gerufen. Hierzu wurde die gemeinnützige Gesellschaft DART gGmbH gegründet, die mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie kooperiert. Als Partner für die technische Realisation wurde das Studienzentrum der Universität Freiburg gewonnen.

Im DART werden ab sofort alle validen Daten der Patienten vor und nach einer arthroskopischen Operation erfasst und zentral wissenschaftlich ausgewertet. Das zentrale Datenregister soll Ärzten, Praxen und Kliniken kostenfrei zur langfristigen Sicherstellung ihrer Qualität und Versorgungsforschung zur Verfügung stehen.
Über die Studien-Ergebnisse sollen später in einem allgemeinen Reporting auch Bürger, Krankenkassen, Gesundheitspolitik und Medizinproduktehersteller informiert werden. Das macht das Register transparent für die gesamte Gesellschaft. Die Auskünfte beruhen dann ausschließlich auf echten klinischen Zahlen aus dem Versorgungsalltag.

Die moderne Gelenkmedizin soll so auch in Zukunft als wertvolle minimalinvasive OP-Technik Patienten schneller zurück zu Aktivität und Sport bringen, sowie ältere Menschen nach Eingriffen früher fit machen.

Am 24. Oktober 2017 wird DART auf dem Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Weitere Informationen:

http://www.arthroskopieregister.de

Kathrin Reisinger | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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