Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit einzigartige Behandlung für Bauchwasser bei Leberzirrhose

20.07.2012
Das Frankfurter Uniklinikum weist die Wirksamkeit eines neuartigen Pumpensystems zur Behandlung von Bauchwasser nach. Die fortschrittliche Technologie verbessert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich.

Menschen mit Leberzirrhose, Herzerkrankungen und bestimmten Krebsarten leiden oftmals unter Aszites, auch als Bauchwasser bekannt. Eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle, die mitunter über zwanzig Liter umfassen kann, verursacht hierbei eine symptomatische und oft schmerzhafte Bauchschwellung.


Alfa-Pump-System


Implantation des Alfa-Pump-Systems

Die Erkrankung und ihre Behandlung beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen außerordentlich. Mehr als 100.000 Patienten sind jährlich allein in Europa und den USA neu von refraktärem Aszites betroffen, das heißt von medikamentös nicht oder nicht ausreichend behandelbarem Bauchwasser. Die Zahl der Leidenden steigt überdies jedes Jahr um zehn Prozent.

Pumpe ersetzt regelmäßigen Bauchdeckendurchstoß

Am Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt konnte nun im Rahmen einer Studie die Wirksamkeit einer gänzlich neuen Methode zur Therapie von Aszites nachgewiesen werden. Das vom Schweizer Unternehmen Sequana Medical entwickelte automatisierte Aszites-Pumpensystem mit niedriger Flussrate, kurz Alfa-Pump, ermöglicht die selbsttätige und kontinuierliche Abführung der Aszites-Flüssigkeit aus der Bauchhöhle über die Harnblase. Das Verfahren bietet erstmalig endlich eine Alternative zu der bisherigen Behandlungsmethode, der wiederholten Parazentese.

Diese ist oft schmerzhaft und mit Gefahren behaftet. Denn hierbei muss in regelmäßigen, manchmal wöchentlichen Intervallen die Bauchdecke durchstochen werden, um die Flüssigkeit ablassen zu können. Oft zögern Betroffene diesen Eingriff solange hinaus, bis die Symptome unerträglich sind. Bei jeder Parazentese besteht zudem für den Patienten das Risiko von Blutungen oder gar einer lebensbedrohlichen Bauchwasserinfektion.

Maßgebliche Studienbeteiligung des Leberzentrums Frankfurt

Das Leberzentrum des Universitätsklinikums Frankfurt ist mit der Nutzung der Alfa-Pumpe zur Aszites-Behandlung einen wichtigen Schritt gegangen. In einer europaweiten Klinikstudie in den Jahren 2010 und 2011, in die das Frankfurter Zentrum die größte Patientengruppe einbrachte, konnte die Effektivität des Verfahrens belegt werden. Insgesamt 40 Leberzirrhosepatienten mit refraktärem Aszites erhielten im Uniklinikum Frankfurt und weiteren acht europäischen Studienzentren ein Alfa-Pump-System. Die Pumpe reduzierte die durchschnittliche Anzahl der durchgeführten Parazentesen signifikant von 3,4 im Monat vor der Implantation auf nur eine innerhalb von fünf Monaten.

Prof. Stefan Zeuzem, Direktor der Medizinischen Klinik 1 und Leiter des Schwerpunktes Gastroenterologie/Hepatologie, erklärt: „Diese neue Technologie hat das evidente Potenzial, die Lebensqualität von Aszites-Betroffenen ganz außergewöhnlich zu verbessern. Wir freuen uns sehr, dass wir als eines der ersten Krankenhäuser weltweit unseren Patienten dieses schonende Verfahren anbieten können.“

Die Maßnahme, die eine sehr hohe chirurgische, hepatologische und technische Expertise erfordert, kann nur an Krankenhäusern mit Maximalversorgung wie dem Frankfurter Universitätsklinikum realisiert werden. Julius Schmidt, Patient im Frankfurter Leberzentrum, litt an einer Leberzirrhose mit refraktärem Aszites. Ihm wurde im Rahmen der Studie eine Alfa-Pumpe eingesetzt. „Ich bin sehr froh, an der Studie teilgenommen zu haben. Vor Einsetzen der Pumpe musste mir zum Teil mehrfach in der Woche über eine dicke Nadel Bauchwasser abgelassen werden. Die Alfa-Pumpe führte meine Bauchflüssigkeit ab, ohne dass ich etwas davon mitbekam. Hierdurch wurde auch mein Bauch viel kleiner. Mittlerweile bin ich erfolgreich lebertransplantiert. Durch die Alfa-Pumpe war die Wartezeit bis zur Transplantation viel erträglicher, weil die häufigen, schmerzhaften Punktionen wegfielen“, so der Patient.

Signifikante Kostenersparnis für das Gesundheitssystem

Abgesehen von den positiven Effekten für Patienten entlastet die Alfa-Pump-Therapie die Krankenkassen. Mit den zahlreichen Parazentesen fallen auch etliche Krankenhausaufenthalte und damit wiederum signifikante Kosten für das Gesundheitssystem weg. Bei fortgeschrittenem Aszites waren bislang bis zu vier Parazentesen monatlich nötig. Pro Patient bedeutete dies Kosten in Höhe von etwa 45.400 Euro jährlich. Das britische NHS National Innovation Centre rechnet damit, dass das Alfa-Pump-System alleine in Großbritannien jährlich Behandlungskosten von 60 Millionen Euro einsparen wird.

Minimal-invasive Implantation

Die nur 30- bis 60-minütige minimal-invasive Implantation der Alfa-Pumpe ist ein einfacher chirurgischer Eingriff und war in der durchgeführten Studie zu 100 Prozent erfolgreich. Im Gegensatz zu den wiederholten Parazentesen ist für das Alfa-Pump-System nur ein einmaliger Eingriff notwendig. Während der kurzen Operation werden zunächst ein Bauch- und ein Blasenkatheter platziert. Anschließend wird die Pumpe unter die Haut gesetzt und mit den Kathetern verbunden. Nach der Operation stellt der behandelnde Arzt mithilfe des drahtlosen Alfa-Pump-Programmiergerätes das System auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten ein. Der Patient kann dann den Akku der Pumpe ebenfalls dank der kontaktlosen Technik selbst wieder aufladen.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de/
http://www.youtube.com/user/SequanaMedical

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Studie mit bispezifischem Antikörper liefert beeindruckende Behandlungserfolge bei Multiplem Myelom
01.04.2020 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Pool-Testen von SARS-CoV-2 Proben erhöht die Testkapazität weltweit um ein Vielfaches
31.03.2020 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Im Focus: When ions rattle their cage

Electrolytes play a key role in many areas: They are crucial for the storage of energy in our body as well as in batteries. In order to release energy, ions - charged atoms - must move in a liquid such as water. Until now the precise mechanism by which they move through the atoms and molecules of the electrolyte has, however, remained largely unknown. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now shown that the electrical resistance of an electrolyte, which is determined by the motion of ions, can be traced back to microscopic vibrations of these dissolved ions.

In chemistry, common table salt is also known as sodium chloride. If this salt is dissolved in water, sodium and chloride atoms dissolve as positively or...

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Im Focus: Harnessing the rain for hydrovoltaics

Drops of water falling on or sliding over surfaces may leave behind traces of electrical charge, causing the drops to charge themselves. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz have now begun a detailed investigation into this phenomenon that accompanies us in every-day life. They developed a method to quantify the charge generation and additionally created a theoretical model to aid understanding. According to the scientists, the observed effect could be a source of generated power and an important building block for understanding frictional electricity.

Water drops sliding over non-conducting surfaces can be found everywhere in our lives: From the dripping of a coffee machine, to a rinse in the shower, to an...

Im Focus: Quantenimaging: Unsichtbares sichtbar machen

Verschränkte Lichtteilchen lassen sich nutzen, um Bildgebungs- und Messverfahren zu verbessern. Ein Forscherteam am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena hat eine Quantenimaging-Lösung entwickelt, die in extremen Spektralbereichen und mit weniger Licht genaueste Einblicke in Gewebeproben ermöglichen kann.

Optische Analyseverfahren wie Mikroskopie und Spektroskopie sind in sichtbaren Wellenlängenbereichen schon äußerst effizient. Doch im Infrarot- oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

06.04.2020 | Energie und Elektrotechnik

Virtueller Roboterschwarm auf dem Mars

06.04.2020 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics