Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weizen: Gesunde Schale, weißer Kern

30.03.2010
Ernährungswissenschaftler der Universität Jena finden Darmkrebs-präventive Effekte von Weizen

Kuchen, Brötchen, Kekse & Co. haben unter Ernährungswissenschaftlern ein schlechtes Image. Denn das weiße Weizenmehl, aus denen sie gebacken werden, enthält nur wenig Mineral- und Ballaststoffe. Dabei steckt im Weizenkorn viel mehr: Neben dem hellen Mehlkörper birgt es sogar Stoffe, die vor Darmkrebs schützen könnten. Ernährungswissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben jetzt herausgefunden, dass das sogenannte Aleuron aus dem Weizenkorn eine besonders chemoprotektive Wirkung haben könnte.

In Experimenten an Zellkulturen von menschlichen Darmzellen konnten die Forscher zeigen, dass Weizen-Aleuron sowohl die Entstehung von Darmkrebs unterdrücken (durch Induktion von Schutzenzymen) als auch das Fortschreiten der Erkrankung (durch Hemmung des Zellwachstums) verzögern könnte. "Wichtig ist, dass die Schale des Weizenkorns, die sogenannte Kleie, mit aufgenommen wird, da diese die hochwertige Aleuron-Schicht enthält", macht Studienleiter PD Dr. Michael Glei deutlich. "Zur Herstellung des hellen Auszugsmehls wird dagegen nur das Innere des Weizenkorns verwendet", so der Ernährungswissenschaftler weiter.

Weizen-Aleuron besteht hauptsächlich aus Ballaststoffen und hat einen relativ hohen Anteil an Protein, Vitaminen, Mineralstoffen und Polyphenolen. Für ihre Untersuchungen haben die Ernährungswissenschaftler das Aleuron im Labor zunächst "verdaut": Sie haben das Aleuron mit Enzymen und Mikroorganismen versetzt, wie sie im Verdauungstrakt des Menschen vorkommen. Das entstehende Gemisch aus verschiedenen Stoffwechselprodukten wurde anschließend für die Experimente mit den Zellkulturen genutzt.

"Wir konnten zeigen, dass die zelleigenen Abwehrmechanismen der Darmzellen durch das Aleuron aktiviert werden", sagt Doktorandin Katrin Stein. Dadurch seien die Darmzellen gegenüber toxischen Stoffen, die zu Zellschäden und in der Folge zur Entstehung entarteter Tumorzellen führen können, besser geschützt. In einem weiteren Schritt haben die Ernährungswissenschaftler der Jenaer Universität untersucht, wie das verdaute Aleuron auf Darmkrebszellen wirkt. "Dabei haben wir festgestellt, dass besonders die Krebszellen in einem frühen Krebsstadium in ihrem Wachstum gehemmt werden können", so Anke Borowicki, ebenfalls Doktorandin in Gleis Team. Diese Wirkung sei hauptsächlich auf kurzkettige Fettsäuren (vor allem Butyrat) zurückzuführen, die durch den bakteriellen Abbau der Aleuron-Bestandteile gebildet werden.

"Unsere in vitro Ergebnisse zeigen, welches Potenzial Weizen-Aleuron als Zutat für funktionelle Lebensmittel hat", betont Studienleiter Dr. Glei. Der Bedarf danach sei denkbar hoch: Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in den Industriestaaten. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 70.000 Menschen. "Wir wissen, dass die Ernährungsweise eine zentrale Rolle bei der Darmkrebsentstehung spielt", so der Jenaer Ernährungswissenschaftler. Zwar seien präventive Faktoren wie ausreichend Obst und Gemüse, viel Bewegung, Milch und Ballaststoffe hinlänglich bekannt. Doch viele Empfehlungen würden in der Bevölkerung nur schlecht angenommen, weil beispielsweise Vollkornprodukte vielen Menschen einfach nicht schmecken.

"Hier besteht ein großer Bedarf an neuen Lebensmitteln, die von den Menschen akzeptiert werden", so das Fazit der Jenaer Ernährungswissenschaftler. Mit dem Aleuron aus Weizen, das aus der Kleie isoliert, ein sehr feines weißes Mehl ergibt, haben sie nun einen vielversprechenden Kandidaten für die Entwicklung funktioneller Lebensmittel zur Verbesserung der Darmgesundheit gefunden.

Kontakt:
PD Dr. Michael Glei
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24
07743 Jena
Tel.: 03641 / 949671
E-Mail: michael.glei[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Blutgerinnung und Enzym: Entscheidender Zusammenhang bei der MS entdeckt
18.12.2018 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Bakterien ein Antibiotikum ausschalten

Forscher des HZI und HIPS haben entdeckt, dass resistente Bakterien den Wirkstoff Albicidin mithilfe eines massenhaft gebildeten Proteins einfangen und inaktivieren

Gegen die immer häufiger auftauchenden multiresistenten Keime verlieren gängige Antibiotika zunehmend ihre Wirkung. Viele Bakterien haben natürlicherweise...

Im Focus: How bacteria turn off an antibiotic

Researchers from the HZI and the HIPS discovered that resistant bacteria scavenge and inactivate the agent albicidin using a protein, which they produce in large amounts

Many common antibiotics are increasingly losing their effectiveness against multi-resistant pathogens, which are becoming ever more prevalent. Bacteria use...

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Im Focus: Data storage using individual molecules

Researchers from the University of Basel have reported a new method that allows the physical state of just a few atoms or molecules within a network to be controlled. It is based on the spontaneous self-organization of molecules into extensive networks with pores about one nanometer in size. In the journal ‘small’, the physicists reported on their investigations, which could be of particular importance for the development of new storage devices.

Around the world, researchers are attempting to shrink data storage devices to achieve as large a storage capacity in as small a space as possible. In almost...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ulmer Forscher beobachten Genomaktivierung "live" im Fischembryo

18.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Notsignal im Zellkern – neuartiger Mechanismus der Zellzykluskontrolle

18.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Methode für sichere Brücken

18.12.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics