Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nicht wecken, Lebensgefahr! Marburger Lebenswissenschaftler erforschen Schläfer im Genom

08.11.2012
Der Feind steckt in den eigenen Genen: Marburger Immunologen und ihre Kollegen haben herausgefunden, wie der Organismus ererbte Viren in Schach hält, die seit Generationen im Erbgut schlummern.

Wenn die Krankheitserreger aktiviert werden, können sie Tumore und andere Krankheiten auslösen. Das Forscherteam unter Leitung von Dr. Philipp Yu berichtet in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachmagazins „Immunity“, wie das Immunsystem die endogenen Viren kontrolliert.


In Zellen ohne das Kontrollgen TLR können spontan endogene Retroviren entstehen, wie die elektronenmikroskopische Aufnahme von Dr. Larissa Kolesnikova vom virologischen Institut der Philipps-Universität zeigt.

Abbildung: Larissa Kolesnikova , Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg

Bestimmte Viren können sich im Erbgut ihrer Wirte einnisten. Zu diesen so genannten „Retroviren“ zählt zum Beispiel der AIDS-Erreger HIV. Wenn die Retroviren im Genom von Keimzellen siedeln – also in Ei oder Spermium statt in normalen Körperzellen –, so werden sie von Generation zu Generation weitergegeben.

„Zumeist sind diese endogenen Retroviren funktionslose Überbleibsel einer Infektion, die evolutionär sehr weit zurückliegt“, erklären die Autoren. Bei manchen Versuchstierstämmen führen solche Viren jedoch zu Erkrankungen. Wie kommt es zu ihrer Reaktivierung, und wie wird diese üblicherweise unterdrückt? Um dies in Erfahrung zu bringen, untersuchten die Forscher wichtige Bestandteile des angeborenen Immunsystems, nämlich Proteine aus der Familie der „Toll-like receptors“ (TLR).

Wie die Autoren nachweisen, sorgen mehrere TLR-Proteine dafür, dass die seit Generationen weitergegebenen, endogenen Krankheitserreger inaktiv bleiben. Fehlen diese Proteine, so bilden sich keine Antikörper gegen die endogenen Viren und die betroffenen Versuchstiere erkranken an Krebs.

„Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass TLR-Proteine nicht nur in die Abwehr gegen Krankheitserreger involviert sind, die von außen eindringen, sondern auch zur Kontrolle endogener Retroviren beitragen“, resümieren die Wissenschaftler. In künftigen Arbeiten wollen sie ermitteln, wie die spontane Reaktivierung der viralen Schläfer im Genom im Detail vonstatten geht.

Die beteiligten Wissenschaftler wurden unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Krebshilfe sowie im Rahmen des Schwerpunkts „Tumor und Entzündung“ der hessischen Landesexzellenzinitiative „LOEWE“ finanziell gefördert.

Originalpublikation: Philipp Yu, Wolger Lübben, Heike Slomka, Janine Gebler, Madlen Konert & al.: Nucleic acid recognizing Toll-like receptors are essential for the control of endogenous retrovirus (ERV) viremia and ERV-induced tumors, Immunity 2012

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Philipp Yu,
Institut für Immunologie
Tel.: 06421 28-66502
E-Mail: philipp.yu@staff.uni-marburg.de
Professor Dr. Stefan Bauer,
Institut für Immunologie
Tel.: 06421 28-66492
E-Mail: bauerst@Staff.Uni-Marburg.de

Johannes Scholten | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics