Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wachstum der Zystennieren gebremst

05.11.2012
Weltweit leiden mehrere Millionen Menschen an der Erbkrankheit Zystennieren. Forschern der Universität Zürich ist es zusammen mit Kollegen gelungen, bei Menschen das Wachstum dieser Zysten zu bremsen. Bisher konnten nur die Symptome von Zystennieren behandelt werden.

Zystennieren (autosomal-dominante polyzystische Nierenkrankheit ADPKD) ist eine der häufigsten Erbkrankheiten, die 1 Person von 1000 betrifft und weltweit für ein Nierenversagen von bis zu zehn Prozent der Patientinnen und Patienten verantwortlich ist.

Charakteristisch für die Krankheit ist die Entwicklung von Zysten, die zu fortschreitendem Nierenversagen führen und bei den meisten Patienten im Alter von ca. 50 Jahren eine Dialyse oder Nierentransplantation bedingt. Ausserdem verursacht das unaufhaltsame Zystenwachstum Bluthochdruck und schmerzhafte Komplikationen. Obwohl die Krankheit seit mehr als einem Jahrhundert und ihre genetische Grundlage seit fast 20 Jahren bekannt sind, war bisher keine wirksame Behandlung vorhanden.

Nieren wuchsen nicht weiter

«Unsere Studie zeigt eine mögliche Behandlung auf, die das Nierenwachstum und die damit verbundenen Symptome vermindert und die Abnahme der Nierenfunktion verlangsamt», erklärt Prof. Olivier Devuyst vom Physiologischen Institut der Universität Zürich. Er ist einer der Hauptforscher der klinischen Studie Phase III, die jetzt im Wissenschaftsjournal «New England Journal of Medicine» erschienen ist.

An mehr als 1400 Patientinnen und Patienten wurde in weltweit 129 Zentren über die Dauer von drei Jahren Tolvaptan verabreicht. Das Medikament ist ein selektiver V2-Vasopressin-Rezeptorantagonist, der die Wirkung des antidiuretischen (die Harnausscheidung hemmenden) Hormons Vasopressin verringert und eine vermehrte Harnausscheidung bewirkt.

Untersucht wurde, ob Tolvaptan das Fortschreiten der Zystennierenerkrankung verlangsamt, indem es die Zysten reduziert und ihr Wachstum verlangsamt. «Das gesetzte Studienziel wurde erreicht», erklärt Prof. Devuyst. Bei Patienten, die Tolvaptan im Gegensatz zu Placebo während drei Jahren erhielten, verringerte sich das gesamte Nierenvolumen und damit traten weniger Krankheitskomplikationen auf, die Schmerzen verringerten sich und die Abnahme der Nierenfunktion wurde verlangsamt. Festgestellt wurden jedoch Nebenwirkungen wie vermehrte Harnausscheidung und Durst und mögliche Auswirkungen auf die Leberenzyme sowie den Blut-Natriumspiegel.

15 Jahre Forschungsarbeit

Die Studie ist der Abschluss einer 15-jährigen Forschungstätigkeit von Olivier Devuyst und andern Forschenden. Sie begannen damit, Transportmechanismen in Zellen zu untersuchen, die die Zysten auskleiden und identifizierten den V2-Vasopressin-Rezeptor als Auslöser der Zystennierenerkrankung. Im Mausmodell konnten sie zeigen, dass die Blockade dieses Rezeptors die Erkrankung verlangsamt und die Nierenfunktion verbessert.

Literatur:
Vicente E. Torres, Arlene B. Chapman, Olivier Devuyst, Ron T. Gansevoort, Jared J. Grantham, Eiji Higashihara, Ronald D. Perrone, Holly B. Krasa, John Ouyang, and Frank S. Czerwiec. Tolvaptan in patients with autosomal dominant polycystic kidney disease. New England Journal of Medicine. November 3, 2012. Online-Publikation: NEJM.org.

Diese Studie entstand in Zusammenarbeit mit der klinischen Erforschung der ADPKD am Physiologischen Institut der Universität Zürich und der Klinik für Nephrologie am UniversitätsSpital Zürich (PD Dr. Andreas Serra, Prof. Rudolf Wüthrich). Das Forschungsteam der Nephrologischen Klinik betreut eine der grössten Gruppen von ADPKD-Patienten in Europa in enger Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft polyzystischer Nierenerkrankung (www.SwissPKD.ch).

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit körpereigenem Protein Herpes bekämpfen
13.11.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten
06.11.2018 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Im Focus: A Chip with Blood Vessels

Biochips have been developed at TU Wien (Vienna), on which tissue can be produced and examined. This allows supplying the tissue with different substances in a very controlled way.

Cultivating human cells in the Petri dish is not a big challenge today. Producing artificial tissue, however, permeated by fine blood vessels, is a much more...

Im Focus: Optimierung von Legierungswerkstoffen: Diffusionsvorgänge in Nanoteilchen entschlüsselt

Ein Forschungsteam der TU Graz entdeckt atomar ablaufende Prozesse, die neue Ansätze zur Verbesserung von Materialeigenschaften liefern.

Aluminiumlegierungen verfügen über einzigartige Materialeigenschaften und sind unverzichtbare Werkstoffe im Flugzeugbau sowie in der Weltraumtechnik.

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

MagicMoney: Offline bezahlen – mit deinem Smartphone

13.11.2018 | Wirtschaft Finanzen

5G sichert Zukunft von Industrie 4.0 – DFKI mit der SmartFactoryKL auf der SPS IPC Drives

13.11.2018 | Messenachrichten

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics