Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorhofflimmern frühzeitig erkennen – viele Schlaganfälle wären vermeidbar

07.06.2010
Ein älterer Mann wird mit schwerem Schlaganfall in die Klinik eingeliefert. Als Ursache stellen die Ärzte fest: Vorhofflimmern.

Hätte der Patient gewusst, dass er an dieser Herzrhythmusstörung leidet, wären sein Schlaganfall und die irreparablen Hirnschäden höchstwahrscheinlich vermeidbar gewesen.

Dies ist kein Einzelfall, sondern passiert fast täglich irgendwo in Deutschland. Ärzte und Wissenschaftler des Kompetenznetzes Vorhofflimmern (AFNET) nehmen deshalb die heute beginnende Welt-Herzrhythmus-Woche zum Anlass, auf die Gefahren des oft unerkannten Vorhofflimmerns aufmerksam zu machen.

Hohes Schlaganfallrisiko
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. In Deutschland sind rund eine Million überwiegend ältere Menschen betroffen, Tendenz steigend. Die Rhythmusstörung ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann aber zu schweren Komplikationen führen, insbesondere zum Schlaganfall. Während des Flimmerns ist die Pumpfunktion in den Herzvorhöfen eingeschränkt, so dass sich dort Blutgerinnsel bilden können. Wird ein solches Gerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült, kann es dort ein Gefäß verstopfen und so zum Schlaganfall führen.

Rund ein Fünftel aller Schlaganfälle wird durch Vorhofflimmern verursacht, wobei diese Schlaganfälle meist besonders schwer sind. Oft enden sie tödlich oder führen zu einer lebenslangen körperlichen und geistigen Behinderung, die nicht nur den Patienten selbst beeinträchtigt, sondern auch dessen Familie und das Gesundheitssystem. Außerdem deuten neurologische Untersuchungen darauf hin, dass der Schlaganfall nur die Spitze des Eisbergs ist: Auch wenn es nicht zum großen Schlaganfall kommt, kann Vorhofflimmern trotzdem durch kleine „Mikroschlaganfälle“, die der Betroffene selbst gar nicht wahrnimmt, schleichend das Gehirn schädigen.

Aufgrund dieser Risiken darf Vorhofflimmern in der Regel nicht unbehandelt bleiben. Um das Schlaganfallrisiko zu senken, sind in vielen Fällen gerinnungshemmende Medikamente, im Allgemeinen bekannt als Marcumar, nötig.

Vorhofflimmern bleibt oft unbemerkt
Herzrasen, Herzstolpern, innere Unruhe – so macht sich in vielen Fällen Vorhofflimmern bemerkbar. Aber längst nicht immer. Zahlreiche Patienten spüren nichts dergleichen, obwohl sie Vorhofflimmern haben. Eine Studie, an der Wissenschaftler des Kompetenznetzes Vorhofflimmern maßgeblich beteiligt waren, hat gezeigt, dass 70 Prozent aller Vorhofflimmer-Episoden völlig symptomlos und daher unbemerkt verlaufen. Experten gehen deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus: zusätzlich zu den Patienten, die nachweislich an Vorhofflimmern leiden, gibt es vermutlich eine weitere Million Menschen in Deutschland, die Vorhofflimmern haben, ohne etwas davon zu ahnen. „Untersuchungsprogramme zur Früherkennung gefährdeter Bevölkerungsgruppen, also von Menschen über 50 Jahren, insbesondere mit Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit oder Herzmuskelschwäche, sind daher eine wichtige Aufgabe für die Zukunft“ erklärt Prof. Günter Breithardt, Sprecher des Kompetenznetzes Vorhofflimmern und Ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) am Universitätsklinikum Münster.
„Kenne deinen Puls“
Der Arzt diagnostiziert Vorhofflimmern zweifelsfrei anhand eines EKGs. Typisch für diese Rhythmusstörung ist aber auch ein völlig unregelmäßiger Pulsschlag – das Herz gerät komplett aus dem Takt. „Know your pulse – kenne deinen Puls“ lautet das Motto der diesjährigen Welt-Herzrhythmus-Woche. „Jeder sollte regelmäßig seinen Puls kontrollieren. Wenn der Herzschlag unregelmäßig oder zu schnell ist, sollte man zum Arzt gehen, um abzuklären, ob Vorhofflimmern oder eine andere Rhythmusstörung vorliegt.“, empfiehlt Prof. Breithardt. Wird die Rhythmusstörung frühzeitig erkannt und mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt, kann ein großer Teil der Folgeschäden verhindert werden.

Allerdings tritt Vorhofflimmern bei vielen Patienten anfallsartig auf. Genau so plötzlich wie die Rhythmusstörung kommt, verschwindet sie auch wieder. Im EKG lässt sich Vorhofflimmern in der Regel nur feststellen, wenn es gerade besteht. Neuartige EKG-Auswerteverfahren zielen darauf ab, Vorhofflimmern auch zwischen den Anfällen, während der Herzrhythmus eigentlich normal ist, zu erkennen. Ein solches Verfahren wird zurzeit im Rahmen eines integrierten Versorgungsprogramms einer Krankenkasse erprobt. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern evaluiert den Nutzen dieses Früherkennungsverfahrens in einer Studie.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres bundesweites Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten. Ziel der Forschungsprojekte, klinischen Studien und Register, die im Kompetenznetz Vorhofflimmern durchgeführt werden, ist es, die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Die Welt-Herzrhythmus-Woche
Ausgehend von einer britischen Initiative wird seit 2004 alljährlich im Juni die Welt-Herzrhythmus-Woche ausgerufen, um Rhythmusstörungen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern unterstützt diese internationale Informationskampagne.
Kompetenznetz Vorhofflimmern
Netzwerkzentrale am Universitätsklinikum Münster
Domagkstraße 11
48149 Münster
Tel: 0251-83-45341
Fax: 0251-83-45343
info@kompetenznetz-vorhofflimmern.de
Pressekontakt:
Dr. Angelika Leute
Tel: 0251-83-57113
angelika.leute@ukmuenster.de

Dr. Angelika Leute | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
http://www.heartrhythmcharity.org.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

nachricht Frischfleisch schnell und mobil kontrollieren
06.12.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode verpasst Mikroskop einen Auflösungsschub

Verspiegelte Objektträger ermöglichen jetzt deutlich schärfere Bilder / 20fach bessere Auflösung als ein gewöhnliches Lichtmikroskop - Zwei Forschungsteams der Universität Würzburg haben dem Hochleistungs-Lichtmikroskop einen Auflösungsschub verpasst. Dazu bedampften sie den Glasträger, auf dem das beobachtete Objekt liegt, mit maßgeschneiderten biokompatiblen Nanoschichten, die einen „Spiegeleffekt“ bewirken. Mit dieser einfachen Methode konnten sie die Bildauflösung signifikant erhöhen und einzelne Molekülkomplexe auflösen, die sich mit einem normalen Lichtmikroskop nicht abbilden lassen. Die Studie wurde in der NATURE Zeitschrift „Light: Science and Applications“ veröffentlicht.

Die Schärfe von Lichtmikroskopen ist aus physikalischen Gründen begrenzt: Strukturen, die näher beieinander liegen als 0,2 tausendstel Millimeter, verschwimmen...

Im Focus: Supercomputer ohne Abwärme

Konstanzer Physiker eröffnen die Möglichkeit, Supraleiter zur Informationsübertragung einzusetzen

Konventionell betrachtet sind Magnetismus und der widerstandsfreie Fluss elektrischen Stroms („Supraleitung“) konkurrierende Phänomene, die nicht zusammen in...

Im Focus: Drei Nervenzellen reichen, um eine Fliege zu steuern

Uns wirft so schnell nichts um. Eine Fruchtfliege kann dagegen schon ein kleiner Windstoß vom Kurs abbringen. Drei große Nervenzellen in jeder Hälfte des Fliegenhirns reichen jedoch aus, um die Fliege mit Hilfe visueller Signale wieder auf Kurs zu bringen.

Bewegen wir uns vorwärts, zieht die Umwelt in die entgegengesetzte Richtung an unseren Augen vorbei. Drehen wir uns, verschiebt sich das Bild der Umwelt im...

Im Focus: Researchers develop method to transfer entire 2D circuits to any smooth surface

What if a sensor sensing a thing could be part of the thing itself? Rice University engineers believe they have a two-dimensional solution to do just that.

Rice engineers led by materials scientists Pulickel Ajayan and Jun Lou have developed a method to make atom-flat sensors that seamlessly integrate with devices...

Im Focus: Drei Komponenten auf einem Chip

Wissenschaftlern der Universität Stuttgart und des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT gelingt wichtige Weiterentwicklung auf dem Weg zum Quantencomputer

Quantencomputer sollen bestimmte Rechenprobleme einmal sehr viel schneller lösen können als ein klassischer Computer. Einer der vielversprechendsten Ansätze...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

Fachforum über intelligente Datenanalyse

10.12.2018 | Veranstaltungen

Plastics Economy Investor Forum: Treffpunkt für Innovationen

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff

10.12.2018 | Studien Analysen

Ungesundes Sitzen vermeiden: Stuhl erkennt Sitzposition und motiviert zur Änderung der Körperhaltung

10.12.2018 | Energie und Elektrotechnik

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics