Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Ostasien in die ganze Welt: Neue Studie zur Ausbreitung multiresistenter Tuberkulose-Erreger

19.01.2015

Wissenschaftler unter der Leitung des Forschungszentrums Borstel und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), des Instituts Pasteur de Lille und des Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris konnten erstmals die weltweite Verbreitung eines multiresistenten (MDR)-Tuberkulose-Stammes des sogenannten Beijing-Genotyps nachweisen. Die Studie zeigt, dass die effiziente Tuberkulose-Überwachung mit molekularbiologischen Methoden wichtig ist, um Ausbrüche von MDR-Stämmen rechtzeitig zu erkennen und die Ausbreitung der multiresistenten Tuberkulose in Zukunft einzudämmen.

Wie verbreiten sich Krankheitserreger? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Und warum sind manche Erreger erfolgreicher als andere?


Tuberkulose-Bakterien vom Beijing-Typ sind weltweit verbreitet und mit hohen Übertragungsraten und Antibiotikaresistenz assoziiert.

modifiziert nach http://commons.wikimedia.org

Ein internationales Konsortium aus 55 Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Stefan Niemann (Forschungszentrum Borstel, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung, DZIF) und den französischen Kollegen Prof. Philip Supply (Institut Pasteur de Lille) und Prof. Thierry Wirth (Muséum National d'Histoire Naturelle, Pairs), gingen diesen Fragen auf den Grund und rekonstruierten die Evolution und die geographische Verbreitung eines Tuberkulose-Erregers des sogenannten Beijing-Genotyps.

Diese spezielle Untergruppe der Tuberkulose-Bakterien wurde in der Vergangenheit mit dem vermehrten Auftreten von Antibiotikaresistenzen, besonders Multiresistenzen (MDR), in Verbindung gebracht. Beijing-Stämme treten vor allem in den Regionen der ehemaligen Sowjet Union auf, wo derzeit sehr hohe MDR-Tuberkuloseraten beobachtet werden.

Im Rahmen der Studie wurde der genetische Fingerabdruck von knapp 5.000 Beijing-Stämmen aus 99 Ländern erstellt, um die globale Populationsstruktur und weltweite Ausbreitung des Beijing-Typs zu untersuchen. Zusätzlich wurde von 110 Stämmen das gesamte Erbgut (Genom) entschlüsselt, um Erfolgsmechanismen von multiresistenten Stämmen zu ermitteln. Die Ergebnisse dieser Studie werden in dieser Woche in der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht.

„Wir konnten zeigen, dass der Ursprung des Beijing-Genotyps in Ostasien liegt und er sich von dort aus in mehreren Wellen fast auf der ganzen Welt ausgebreitet hat“, so Prof. Stefan Niemann, Leiter der Studie am Forschungszentrum Borstel und Koordinator des Schwerpunkts „Tuberkulose“ im DZIF. Bemerkenswert war der Befund, dass die hohen MDR-Tuberkuloseraten in Osteuropa hauptsächlich auf zwei „Outbreak“-Stämme zurückzuführen sind. Besonders vorteilhafte Mutationen im Erbgut der Bakterien sind wahrscheinlich eine Hauptursache für deren effizientere Übertragung und die massive Ausbreitung in den letzten 20 Jahren.

„Interessanterweise lässt sich der Beginn der MDR-Tuberkulose-Epidemie in Osteuropa auf die Zeit des Zusammenbruchs der Gesundheitssysteme der ehemaligen Sowjetunion datieren“, erläutert Dr. Matthias Merker, Erstautor der Studie, und verweist damit auf einen weiteren, für die weltweite Eindämmung der MDR-Tuberkulose, wichtigen Faktor.

Die unkontrollierte Verbreitung der MDR-Tuberkulose in Osteuropa, aber auch in anderen Regionen der Welt, wie Südafrika, stellt eine enorme Herausforderung für das Gesundheitswesen im 21. Jahrhundert dar. Die Studie zeigt, dass die effiziente Überwachung der Ausbreitung resistenter TB-Stämme mit molekularbiologischen Verfahren essentiell ist, um „Outbreaks“ hochvirulenter MDR-Varianten schnell zu erkennen und eindämmen zu können.

Darüber hinaus sind der schnelle Nachweis von Resistenzen zur Einleitung einer wirksamen Therapie, sowie die Entwicklung neuer Medikamente von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Bekämpfung der Tuberkulose.

„Genau um diese Schwerpunkte geht es bei unserer Arbeit im Forschungsbereich „Tuberkulose" des DZIF und dem EU FP7 Patho-Ngen-Trace Projekt. Besonders wichtig ist hierbei die schnelle Translation der Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Anwendung“, erklärt Prof. Niemann.

Publikation:
Merker et al: Evolutionary history and global spread of the Mycobacterium tuberculosis Beijing lineage. Nature Genetics, Online-Vorabveröffentlichung am 19. Januar 2015, doi: 10.1038/ng.3195

Link: http://nature.com/articles/doi:10.1038/ng.3195

Kontakt:
Prof. Stefan Niemann
Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
Telefon: 04537/188 7620
Mail: sniemann@fz-borstel.de

Weitere Informationen:

http://nature.com/articles/doi:10.1038/ng.3195 Veröffentlichung

Karola Neubert | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.dzif.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics