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Universitätsmedizin Mainz koordiniert neues EU-Projekt zu Spätfolgen nach Krebs im Kindesalter

06.11.2013
Förderung durch die Europäische Union mit rund 6 Millionen Euro

Lassen sich mögliche Spätfolgen nach einer Krebsbehandlung anhand genetischer Untersuchungen vorhersagen? Dies ist die zentrale Frage eines EU-weiten Forschungsprojekts, das am Deutschen Kinderkrebsregister vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz koordiniert wird.

Im Fokus der Untersuchungen steht das Auftreten von Fruchtbarkeitsproblemen und Schwerhörigkeit infolge einer Krebsbehandlung im Kindes- und Jugendalter. Darüber hinaus gilt es herauszufinden, welchen generellen Einfluss diese Spätfolgen auf die Lebensqualität der ehemaligen Patienten haben. Die Europäische Union fördert das Forschungsprojekt "PanCareLIFE" mit rund 6 Millionen Euro.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich die Überlebensprognose nach einer Krebserkrankung im Kindesalter deutlich verbessert: Rund 80 Prozent der Erkrankten werden – je nach Diagnose – geheilt. Mit der Zahl der Langzeitüberlebenden steigt allerdings auch die Zahl derer, die an potenziellen Spätfolgen leiden. Diese können vielfältig sein: Organschädigungen beispielweise von Herz, Nieren oder Gehör, Einschränkung der Lebensqualität durch Wachstumsprobleme, körperliche Behinderungen, intellektuelle Einschränkungen oder Probleme der sozialen Integration sowie das Auftreten von weiteren Tumoren.

Am EU-Forschungsprojekt "PanCareLIFE" sind Wissenschaftler aus acht europäischen Nationen beteiligt: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Schweiz, Tschechische Republik. In das Projekt fließen die Daten von insgesamt rund 12.000 Betroffenen aus allen beteiligten Ländern ein.

Anhand dieser Daten wollen die beteiligten Forscher genetische und nicht-genetische Risikofaktoren identifizieren, die möglicherweise im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsproblemen und Schwerhörigkeit stehen. Die Wissenschaftler wollen dazu Erbsubstanz untersuchen, um festzustellen, welche genetischen Varianten potenziell mit besagten Spätfolgen verbunden sind. Die im Rahmen von PanCareLIFE gewonnenen Daten werden zentral am Deutschen Kinderkrebsregister am IMBEI der Universitätsmedizin Mainz zusammengeführt.

"Dass wir dieses Projekt mit seiner Koordination nach Mainz holen konnten und dass die Zusammenführung dieser wertvollen europäischen Daten hier an unserem Register sowie die zentrale statistische Betreuung am IMBEI erfolgt, ehrt uns sehr", betont der Projektkoordinator und Leiter des Deutschen Kinderkrebsregisters, PD Dr. Peter Kaatsch.

Die Direktorin des IMBEI, Univ.-Prof. Dr. Maria Blettner, ergänzt: "Es ist als Errungenschaft zu bewerten, dass die Zahl der Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung fortwährend steigt. Das rückt automatisch die Spätfolgen in den Fokus. Hier kann PanCareLIFE einen wichtigen Beitrag leisten, um die Lebensbedingungen der Überlebenden nachhaltig zu verbessern."

Der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann, betont, dass dieses Projekt erneut den hohen Stellenwert der epidemiologischen Forschung an der Universitätsmedizin Mainz belegt. "Das Auftreten von Krankheiten mit ihren zeitlichen und regionalen Veränderungen im Bevölkerungsbezug zu analysieren, deren Entstehungsmechanismen zu erforschen, Ursachen zu finden, Spätfolgen zu vermeiden und darauf basierend Prävention zu betreiben, ist ein Ziel, an dessen Realisierung die Universitätsmedizin Mainz mit ihren Einrichtungen einen nennenswerten Anteil hat."

Das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz erfasst seit 1980 alle in Deutschland auftretenden Krebsneuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Von den etwa 50.000 bereits erfassten Erkrankungsfällen sind mehr als 30.000 der früheren Patienten in der Langzeitnachbeobachtung. Aufgrund der langen Erfahrungen mit der Krebsregistrierung bei Kindern und der Ursachen- und Spätfolgenforschung sowie der internationalen Vernetzung wurde das Deutsche Kinderkrebsregister gebeten, als Koordinator für das von der europäischen Kommission ausgeschriebene multinationale Forschungsvorhaben "PanCareLIFE" zu fungieren.

Kontakt:
PD Dr. Peter Kaatsch, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI), Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131 17–3111, Fax 06131 17-4462,E-Mail: peter.kaatsch@unimedizin-mainz.de
Pressekontakt:
Oliver Kreft, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de
Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet.

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.unimedizin-mainz.de

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