Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uniklinik Würzburg hilft beim Kampf gegen Chorea Huntington

02.09.2014

Die Huntington-Krankheit ist eine bislang unheilbare, vererbliche Erkrankung des Gehirns. Ziel der internationalen Beobachtungsstudie Enroll-HD ist es, qualitätsgesichert möglichst viele Informationen über Menschen aus Huntington-Familien zu sammeln. So entsteht eine wertvolle Datenbasis für zukünftige Medikamente und Therapien. Die Neurologische Klinik und Poliklinik des Uniklinikums Würzburg ist seit kurzem Partnereinrichtung der Studie.

Die Huntington-Krankheit ist selten, vererbbar und fortschreitend. Nach Angaben der Deutschen Huntington-Hilfe sind in Deutschland etwa 8.000 Menschen davon betroffen. Sie tragen den zugrundeliegenden Gendefekt von Geburt an in sich, die Erkrankung bricht jedoch meist erst zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr aus. Zu den Symptomen zählen unter anderem unwillkürliche „Bewegungsstürme“, die den gesamten Körper durchziehen, sowie Persönlichkeitsveränderungen und ein Rückgang der intellektuellen Fähigkeiten.


Privat-Dozent Dr. Stephan Klebe (rechts) und die Huntington-Arbeitsgruppe der Neurologie des Uniklinikums Würzburg unterstützen die weltweit tätige Beobachtungsstudie Enroll-HD.

Bild: Universitätsklinikum Würzburg

Eines von 100 Studienzentren weltweit

„Über unsere Spezialsprechstunde für Chorea Huntington beraten und betreuen wir zur Zeit etwa 40 Patienten und deren Familien zum Teil aus einem Einzugsradius von bis zu 100 km um Würzburg“, berichtet Privat-Dozent Dr. Stephan Klebe von der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Diese vergleichsweise große Gruppe sowie die wissenschaftliche Expertise von Dr. Klebe und seinen Kollegen waren Voraussetzungen dafür, dass das UKW vor kurzem zu einem Zentrum der internationalen Beobachtungsstudie Enroll-HD ernannt wurde.

„Wir sind jetzt eine von weltweit 100 Einrichtungen, die mithelfen, in einem standardisierten, exakt kontrollierten Rahmen eine Datenbank über Huntington-Patienten aufzubauen“, schildert Dr. Klebe. Diese klinische Faktensammlung soll im Wesentlichen dazu dienen, mehr über den Verlauf der Erkrankung zu lernen. Außerdem wird sie dabei helfen, für die zukünftige Erprobung von Medikamenten und Therapien die erforderliche hohe Anzahl an passenden Patienten zusammenzubekommen trotz der Seltenheit der Krankheit.

Aufwändige klinische Untersuchungen

Gefragt sind Huntington-Patienten mit Symptomen, Genträger ohne Beschwerden und ungetestete Risikopersonen. Auch Angehörige oder Freunde können unter bestimmten Umständen als Kontrollprobanden an der Studie mitwirken. Für ein möglichst umfassendes Bild werden die freiwilligen Studienteilnehmer zunächst neurologisch untersucht. Hinzu kommt die Beantwortung eines umfangreichen Fragenkatalogs. „Für die Enroll-HD-Studie nehmen wir uns richtig Zeit: Für die Ermittlung von Hunderten Einzelfakten pro Patient brauchen wir etwa zwei Stunden.“ Die Angaben werden anschließend unter Berücksichtigung aller Datenschutzaspekte anonymisiert und online an die Studienzentrale übertragen.

Dort können Forscherinnen und Forscher bei einem wissenschaftlichen Komitee einen Antrag auf Datenzugriff stellen. „Es gibt beispielsweise einen vielversprechenden gentechnischen Therapieansatz, der darauf abzielt, die schadhafte Gensequenz bei Huntington-Trägern quasi ‚abzuschalten‘. Am besten bevor die Krankheit bei ihnen ausbricht“, beschreibt Dr. Klebe. „Mit der hochpräzisen Enroll-HD-Datenbank wird es möglich sein, hier die jeweils exakt passende Probandengruppe zu identifizieren und das weltweit.“

Regelmäßiger Kontakt zur Spezialsprechstunde

Doch schon bevor diese Hoffnungen auf ein Heilmittel eventuell Wirklichkeit werden, profitieren die Studienteilnehmer von Enroll-HD. Dr. Klebe: „Die Untersuchung und Datenerfassung wird jährlich wiederholt. Dadurch kommen die Patienten und ihre Angehörigen immer wieder in Kontakt mit unserer Spezialsprechstunde. Dort erhalten sie weitere Informationen zu Verbesserungsmöglichkeiten bei Symptomen oder auch psychosoziale Beratung.“

Um die Patienten ferner über die Risiken einer Vererbung zu informieren, kooperiert die Neurologische Klinik des UKW eng mit dem Institut für Humangenetik der Universität Würzburg.

Die Spezialsprechstunde für Chorea Huntington findet immer mittwochs ab 8:30 Uhr statt. Eine Terminvereinbarung ist unter den folgenden Telefonnummern möglich: 0931-201-23768 oder 0931-201-23530.

Susanne Just | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ukw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics