Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKE-Wissenschaftler identifizieren Kontrollelement für Tumorentwicklung im Darm

18.10.2012
Faktor für die Balance zwischen Krebsentstehung und Wundheilung im Darm identifiziert
Patienten mit einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut haben ein erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Yale University School of Medicine haben jetzt einen Faktor identifiziert, der verhindern kann, dass sich aus einer chronischen Darmentzündung ein Tumor entwickeln kann.

Wenn eine Wunde heilt, müssen Zellen im Körper nachwachsen, um diese zu schließen. Das Zellwachstum wird deshalb angeregt, ebenso wie die Bildung neuer Blutgefäße. Diese Prozesse laufen auch ab, wenn ein Tumor entsteht. Schon länger vermuten Wissenschaftler deshalb, dass dieselben Faktoren und Signalwege an beiden Prozessen beteiligt sind. Dr. Samuel Huber, Nachwuchswissenschaftler im Sonderforschungsbereich 841 (SFB 841) „Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“ am UKE und seine US-amerikanischen Kollegen konnten diese Hypothese jetzt untermauern: Sie zeigten, dass bei chronisch entzündlichen Darmerkrankung das Verhältnis des Botenstoffs Interleukin-22 (IL-22) und seines körpereigenen Hemmstoffes Interleukin-22 binding-protein (IL-22 BP) kritisch für den Erfolg der Wundheilung ist. Dieses Verhältnis entscheidet auch darüber, ob sich aus den Reparaturvorgängen ein Tumor entwickeln kann oder nicht.

Reparatur rechtzeitig stoppen
IL-22 ist ein Botenstoff von Immunzellen. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr von Krankheitserregern und regt die Reparatur der Darmschleimhaut an. In hoher Konzentration begünstigt IL-22 jedoch die Entstehung von Erkrankungen wie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und sogar Krebs. Der Hemmstoff IL-22BP kontrolliert diese Effekte. Wenn sich IL-22 an diesen löslichen Rezeptor bindet, verliert es seine Wirkung. „Wir wollten die Rolle des löslichen Rezeptors IL-22BP an einem lebenden Subjekt klären und herausfinden, welche Rolle IL-22 bei der Tumorentstehung spielt“, erläutert Huber. Für ihre Untersuchungen generierten die Wissenschaftler Mäuse, die entweder keinen löslichen Rezeptor oder kein IL-22 bildeten, sowie Mäuse, denen beide Faktoren fehlten. Mit diesen Mausmodellen konnten sie zeigen, dass IL-22 je nach Phase der Wundheilung unterschiedliche Rollen spielt: Anfänglich hat es einen günstigen Effekt, es regt Zellen der Darmschleimhaut an, sich zu vermehren und unterstützt die Wundheilung. Später fördert IL-22 jedoch die Tumorbildung, wenn es nicht von seinem löslichen Rezeptor, dem IL-22BP, neutralisiert wird. „Unsere Arbeiten zeigen, dass IL-22BP ein wichtiges Kontrollelement für IL-22 ist“, fasst Huber zusammen. „Es verhindert, dass bei Mäusen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung Reparaturvorgänge im Darm zur Tumorentstehung führen.“
Neuer Ansatz für Therapie
Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung und bei der Neuerkrankungsrate liegt Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze. Bei 95 % aller bösartigen Darmtumoren handelt es sich um Dickdarmkrebs. Die in Nature veröffentlichte Arbeit von Huber und seinen Kollegen von der Yale University School of Medicine trägt zum Verständnis der Mechanismen bei, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. Eine wichtige Voraussetzung, um Strategien zur Prophylaxe und Therapie von Krebserkrankungen zu entwickeln.

Literatur
IL-22BP is regulated by the inflammasome and modulates tumorigenesis in the intestine. Huber S, Gagliani N, Zenewicz LA, Huber FJ, Bosurgi L, Hu B, Hedl M, Zhang W, O’Connor Jr W, Murphy AJ, Valenzuela DM, Yancopoulos GD, Booth CJ, Cho JH, Ouyang W, Abraham C, Flavell RA. Nature 2012, Epub 2012 Oct 17; doi 10.10038/nature 11535

Kontakt:
Dr. Samuel Huber
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel.: +49 (0)152-22827133
E-Mail: s.huber@uke.de

Christine Jähn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uke.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Differenzierte Bildgebung für bessere Diagnosen bei Brustkrebs
21.01.2020 | Universität Zürich

nachricht Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen
20.01.2020 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: A new look at 'strange metals'

For years, a new synthesis method has been developed at TU Wien (Vienna) to unlock the secrets of "strange metals". Now a breakthrough has been achieved. The results have been published in "Science".

Superconductors allow electrical current to flow without any resistance - but only below a certain critical temperature. Many materials have to be cooled down...

Im Focus: DKMS-Studie zum Erfolg von Stammzelltransplantationen

Den möglichen Einfluss von Killerzell-Immunoglobulin-ähnlichen Rezeptoren (KIR) auf den Erfolg von Stammzelltransplantationen hat jetzt ein interdisziplinäres Forscherteam der DKMS untersucht. Das Ergebnis: Bei 2222 Patient-Spender-Paaren mit bestimmten KIR-HLA-Kombinationen konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Auswirkungen feststellen. Jetzt wollen die Forscher weitere KIR-HLA-Kombinationen in den Blick nehmen – denn dieser Forschungsansatz könnte künftig Leben retten.

Die DKMS ist bekannt als Stammzellspenderdatei, die zum Ziel hat, Blutkrebspatienten eine zweite Chance auf Leben zu ermöglichen. Auch auf der...

Im Focus: Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen

Europäische Union fördert Forschungsprojekt „PredActin“ mit 1,2 Millionen Euro

Aktin ist ein wichtiges Strukturprotein in unserem Körper. Als Hauptbestandteil des Zellgerüstes sorgt es etwa dafür, dass unsere Zellen eine stabile Form...

Im Focus: Programmable nests for cells

KIT researchers develop novel composites of DNA, silica particles, and carbon nanotubes -- Properties can be tailored to various applications

Using DNA, smallest silica particles, and carbon nanotubes, researchers of Karlsruhe Institute of Technology (KIT) developed novel programmable materials....

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

KIT im Rathaus: Städte und Wetterextreme

21.01.2020 | Veranstaltungen

11. Tagung Kraftwerk Batterie - Advanced Battery Power Conference am 24-25. März 2020 in Münster/Germany

16.01.2020 | Veranstaltungen

Leben auf dem Mars: Woher kommt das Methan?

16.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Human-Antikörper statt Pferdeseren für die Behandlung von Diphtherie

21.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Mit Mixed Reality Maschinen überwachen

21.01.2020 | Informationstechnologie

Hydraulische Hubtisch – Plattformwaage PCE-HLTS 500 mit individueller Arbeitshöhe

21.01.2020 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics