Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tonminerale helfen chronisch Nierenkranken

02.01.2014
Tonerde wirkt heilend. Künftig sollen auch chronisch Nierenkranke von dem Naturprodukt profitieren: Ein gut verträglicher, auf Tonmineralen basierender Wirkstoff senkt den zu hohen Phosphatspiegel der Patienten.

Frau M. verbringt etwa 15 Stunden pro Woche im Krankenhaus – sie ist Dialysepatientin. Ihre Nieren funktionieren nur noch eingeschränkt, sie filtern Giftstoffe nicht mehr aus dem Blut. Die Dialyse muss die Blutwäsche künstlich übernehmen. Durch die Therapie ist Frau M. in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Dreimal pro Woche fährt sie in die Klinik. Ein mehrtägiger Urlaub ist nur mit großem Aufwand möglich.


Der neue Wirkstoff für chronisch Nierenkranke basiert auf dem natürlich vorkommenden Friedländer Ton, der hier als Rohmaterial zu sehen ist. © FIM Biotech GmbH

So wie ihr geht es vielen: Über sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen Nierenerkrankung. Davon sind etwa 70 000 dialysepflichtig. Jährlich kommen etwa 15 000 neue Dialysepatienten hinzu. Weltweit steigt die Zahl chronisch Nierenkranker wegen falscher Ernährung und Überalterung der Gesellschaft stark. Größte Risikofaktoren für Nierenversagen sind Bluthochdruck und Diabetes.

Die Betroffenen können Phosphate nicht mehr in ausreichenden Mengen ausscheiden, der Phosphatspiegel im Blut erhöht sich. In der Folge lagert sich Kalziumphosphat in den Gefäßen ab, was langfristig zu Herzerkrankungen und zum vorzeitigen Tod führen kann. Menschen mit geschädigter Nierenfunktion haben gegenüber Gesunden ein mindestens zehnfach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Chronisch niereninsuffiziente Patienten sollten daher zu den Mahlzeiten Phosphatbinder einnehmen, die das Phosphat aus der Nahrung im Darm und im Magen binden, sodass es nicht ins Blut aufgenommen, sondern unverdaut ausgeschieden werden kann. Das Problem: Die erhältlichen Medikamente wie Kalzium- und Aluminiumsalze verursachen beträchtliche Nebenwirkungen wie Verstopfung, einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut und neurologische Störungen.

Schonende Alternative zu Pharmapräparaten

Doch chronisch kranke Nierenpatienten dürfen hoffen: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Rostock haben gemeinsam mit der FIM Biotech GmbH einen effektiven, gut verträglichen Wirkstoff entwickelt. Er basiert auf Friedländer Ton aus Mecklenburg-Vorpommern – Tonmineralen, die vor 60 Millionen Jahren durch Meeresablagerungen von Vulkanasche entstanden sind. Um den Arzneistoff herstellen zu können, wurde die Tonerde zunächst gereinigt und anschließend mit einem speziellen Verfahren technisch bearbeitet und veredelt.

In Labortests und Versuchen mit Zellkulturen konnten die Kooperationspartner die hohe Bindekapazität für Phosphat und die gute Verträglichkeit des Tonminerals nachweisen. »Der aus rein mineralogischen Rohstoffen gewonnene Phosphatbinder ist ebenso wirksam wie herkömmliche Pharmapräparate. Er kann den bei Nierenkranken hohen Phosphatspiegel senken. Unsere Tests zeigen, dass er anders als die üblichen Medikamente in Versuchen im Tiermodell nur geringe Nebenwirkungen hervorruft«, sagt Prof. Dr. Steffen Mitzner, Leiter der Rostocker Arbeitsgruppe Extrakorporale Immunmodulation und Professor für Nephrologie an der Universitätsklinik Rostock. Zudem vermuten die Forscher, dass sich auch entzündliche Darmerkrankungen mit dem veredelten Naturrohstoff behandeln lassen. Derzeit untersuchen sie im Tiermodell, in welchem Umfang die Tonminerale den Verlauf von künstlich ausgelösten Entzündungen positiv beeinflussen können.

Die Forscher und die FIM Biotech GmbH haben den Wirkstoff und das Veredelungsverfahren zum Patent angemeldet. Die tierexperimentellen Untersuchungen sollen Ende 2013 abgeschlossen sein. Die Wissenschaftler gehen davon aus, mit den klinischen Studien im Frühjahr 2014 beginnen zu können. Erste Patienten könnten bereits dann von dem neuen Wirkstoff profitieren.

Prof. Dr. Steffen Mitzner | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2014/Januar/tonminerale_helfen_chronisch_nierenkranken.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics