Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Subkortikale Veränderungen bei Patienten mit ALS sind mit kognitiven Defiziten assoziiert

27.10.2015

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine neurodegenerative Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems. Es kommt zu einer fortschreitenden Schädigung der motorischen Nervenzellen, in dessen Folge es zu Muskelschwund und Muskelschwäche an Armen und Beinen sowie der Atemmuskulatur kommt. Die Ursachen sind mit Ausnahme der familiären Formen unbekannt und Therapien zeigten bislang wenig Erfolg mit Blick auf eine Heilung der schnell verlaufenden Erkrankung.

Einem Team von Ärzten und Wissenschaftlern der Neurologischen Universitätsklinik Magdeburg, dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie der Neurologischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover ist es in internationaler Kooperation mit dem Trinity College Dublin, Irland gelungen, ein wichtiges Puzzlestück zum Verständnis der Erkrankung beizutragen.


Die Abbildung stellt die untersuchten subkortikalen Strukturen dar (links) sowie die Verteilung der Volumina in Abhängigkeit kognitiver und verhaltensrelevanter Defizite (rechts).

Grafik: Judith Machts

Die Wissenschaftler um Judith Machts untersuchten kognitive Veränderungen bei Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose sowohl neuropsychologisch als auch mittels struktureller Magnetresonanztomographie. Über die Beteiligung subkortikaler Strukturen bei der ALS berichten die Forscher nun in der Fachzeitschrift „Neurology“.

Subkortikale Kerngebiete spielen sowohl bei motorischen Abläufen als auch bei Kognition und Emotion eine wichtige Rolle. In der Studie wurden 67 ALS Patienten untersucht, bei denen die Erkrankung sporadisch auftrat.

Basierend auf der neuropsychologischen Untersuchung wurden die Patienten in eine Gruppe ohne kognitive Veränderungen und eine Gruppe mit leichten kognitiven und verhaltensrelevanten Defiziten eingeteilt. Zusätzlich wurden auch Patienten eingeschlossen, die unter der selten auftretenden ALS mit frontotemporaler Demenz (FTD) leiden.

Die Forscher konnten nun zum ersten Mal zeigen, dass neben den bekannten strukturellen Veränderungen in der Großhirnrinde auch die darunter liegenden Kerngebiete von der Erkrankung betroffen sind.

Der Grad der Veränderungen korrelierte mit beobachtbaren kognitiven und verhaltensrelevanten Defiziten der Patienten und ging einher mit Veränderungen des Volumens, Form und Dichte der subkortikaler Hirnstrukturen.

Die Ergebnisse zeigen, dass es im Rahmen der Erkrankung zu wichtigen Veränderungen außerhalb der Großhirnrinde kommt und weisen darauf hin, dass die Erkrankung als Systemerkrankung mit vielen unterschiedlichen Phänotypen verstanden werden muss.

Publikation:
Machts J, Loewe K, Kaufmann J, Jakubiczka S, Abdulla S, Petri S, Dengler R, Heinze HJ, Vielhaber S, Schoenfeld MA, Bede P. 2015. Basal ganglia pathology in ALS is associated with neuropsychological deficits. Neurology 85 (15), 1301-9.
http://www.neurology.org/content/early/2015/09/18/WNL.0000000000002017.short

Kontakt:
Judith Machts
Universitätsklinik für Neurologie
Abteilung Experimentelle Neurologie
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
judith.machts@med.ovgu.de

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) erforscht die Ursachen von Erkrankungen des Nervensystems und entwickelt Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege. Es ist eine Einrichtung in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren mit Standorten in Berlin, Bonn, Dresden, Göttingen, Magdeburg, München, Rostock/Greifswald, Tübingen und Witten. Das DZNE kooperiert eng mit Universitäten, deren Kliniken und außeruniversitären Einrichtungen.

www.dzne.de  | Twitter @dzne_de  | Facebook www.dzne.de/facebook

Weitere Informationen:

http://www.neurology.org/content/early/2015/09/18/WNL.0000000000002017.short

Kornelia Suske | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Nährstoffe aus Mikroalgen: eine umweltfreundliche Alternative zu Fisch
07.07.2020 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Nervenbahnen unter Strom
03.07.2020 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis

Forschende der Universität Bielefeld stellen beschleunigtes Verfahren vor

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten dauert aktuell mehr als zwei Stunden – und so kann ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von...

Im Focus: Robuste Materialien in Schwingung versetzt

Kieler Physikteam beobachtet in Echtzeit extrem schnelle elektronische Änderungen in besonderer Materialklasse

In der Physik werden sie zurzeit intensiv erforscht, in der Elektronik könnten sie ganz neue Funktionen ermöglichen: Sogenannte topologische Materialien...

Im Focus: Excitation of robust materials

Kiel physics team observed extremely fast electronic changes in real time in a special material class

In physics, they are currently the subject of intensive research; in electronics, they could enable completely new functions. So-called topological materials...

Im Focus: Neues Verständnis der Defektbildung an Silizium-Elektroden

Theoretisch lässt sich das Speichervermögen von handelsüblichen Lithiumionen-Batterien noch vervielfachen – mit einer Elektrode, die auf Silizium anstatt auf Graphit basiert. Doch in der Praxis machen solche Akkus mit Silizium-Anoden nach wenigen Lade-Entlade-Zyklen schlapp. Ein internationales Team um Forscher des Jülicher Instituts für Energie- und Klimaforschung hat jetzt in einzigartiger Detailgenauigkeit beobachtet, wie sich die Defekte in der Anode ausbilden. Dabei entdeckten sie bislang unbekannte strukturelle Inhomogenitäten in der Grenzschicht zwischen Anode und Elektrolyt. Die Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen.

Silizium-basierte Anoden können in Lithium-Ionen-Akkus prinzipiell neunmal so viel Ladung speichern wie der üblicherweise verwendete Graphit, bei gleichem...

Im Focus: Ein neuer Weg zur superschnellen Bewegung von Flussschläuchen in Supraleitern entdeckt

Ein internationales Team von Wissenschaftern aus Österreich, Deutschland und der Ukraine hat ein neues supraleitendes System gefunden, in dem sich magnetische Flussquanten mit Geschwindigkeiten von 10-15 km/s bewegen können. Dies erschließt Untersuchungen der reichen Physik nichtlinearer kollektiver Systeme und macht einen Nb-C-Supraleiter zu einem idealen Materialkandidaten für Einzelphotonen-Detektoren. Die Ergebnisse sind in Nature Communications veröffentlicht.

Supraleitung ist ein physikalisches Phänomen, das bei niedrigen Temperaturen in vielen Materialien auftritt und das sich durch einen verschwindenden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung für Nuklearmedizin

07.07.2020 | Veranstaltungen

Corona-Apps gegen COVID-19: Nationalakademie Leopoldina veranstaltet internationales virtuelles Podiumsgespräch

07.07.2020 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz QuApps zeigt Status Quo der Quantentechnologie

02.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Social Learning in der Firma und virtuelle Seminarräume für Mitarbeiter

07.07.2020 | Seminare Workshops

„Maschinen-EKG“ soll Umwelt schonen

07.07.2020 | Maschinenbau

Erneuter Weltrekord für speedCIGS

07.07.2020 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics