Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sterberisiko „Gebrochene Hüfte“: Experten warnen vor Schenkelhalsfraktur im Alter

17.10.2012
Etwa 160 000 Menschen erleiden jährlich eine Schenkelhalsfraktur. Experten gehen davon aus, dass sich diese Zahl mit der zunehmenden Lebenserwartung in den kommenden Jahren verdoppeln wird.
Denn ab dem 65. Lebensjahr stürzen Menschen immer häufiger, die Muskeln werden abgebaut und Fälle von Osteoporose nehmen zu. Auf den Pressekonferenzen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 23. bis 26. Oktober informieren Experten darüber, wie Unfälle im Alter in die soziale Isolation oder sogar zum Tod führen und welche persönlichen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen Knochenbrüche im Alter haben.

Auf Stürze gehen die meisten Todesfälle bei älteren Menschen zurück. „Rund ein Drittel aller über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal im Jahr schwer“, sagt Professor Dr. med. Christoph Josten, Kongresspräsident des DKOU und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). „Glücklicherweise benötigen davon nur ein Fünftel medizinische Betreuung aufgrund von Verletzungsfolgen.“
Das Risiko, an den Folgen einer Oberschenkelhalsfraktur zu versterben, sei jedoch für ältere Menschen besonders hoch: „Jeder dritte bis vierte Patient über 85 Jahre mit hüftgelenksnaher Fraktur stirbt innerhalb des ersten Jahres“, erläutert Josten. Dies entspreche dem Sterberisiko von Frauen bei Brustkrebs. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) in ihrer Leitlinie zu Schenkelhalsfrakturen, Patienten innerhalb von 24 bis 48 Stunden zu versorgen. So lassen sich Komplikationen an Fraktur sowie Fälle von Lungenentzündungen, Thrombosen und Druckgeschwüren reduzieren.

Doch Betroffene haben nicht nur ein erhöhtes Sterberisiko. Selbst bei einem optimalen Behandlungsverlauf leiden sie den Rest ihres Lebens unter psychischen Folgen und sind pflegebedürftig. „Die Angst, erneut zu stürzen – das sogenannte `Post Fall Syndrome´ – schränkt Betroffene in ihrem Aktionsradius radikal ein“, erklärt Josten. Sie trauen sich nicht, ihre alten Gewohnheiten aufzunehmen, die sie unter Umständen in diese Situation gebracht haben. Sie bewegen sich seltener und treiben weniger Sport. Die Folge: Ein Teufelskreis aus Folgeerkrankungen wie Osteoporose, Muskelabbau sowie Schwächung des Kreislaufes und der geistigen Verfassung. Ein Drittel aller Patienten findet daher nicht mehr in sein Wohnumfeld zurück und benötigt pflegerische Hilfe – der erste Schritt in die soziale Isolation.

Neben dieser Gefahr sind solche Vorfälle auch volkswirtschaftlich bedeutend. „Allein die direkten Kosten einer Schenkelhalsfraktur betragen rund 20 000 Euro pro Fall“, führt Josten aus. „Darin sind noch nicht die indirekten Kosten der Pflegebedürftigkeit eingeschlossen. Die Behandlungsfolgen werden auf jährlich etwa 2,5 Milliarden Euro geschätzt.“ Wie Mobilität bei alten Menschen gefördert werden kann, um sozialer Isolation und Folgeerkrankungen vorzubeugen, diskutieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sowie des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) auf den Pressekonferenzen des DKOU am 23. und 25. Oktober in Berlin.

Literatur:

DGU-Leitlinie Schenkelhalsfraktur: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-001l_S2e_Schenkelhalsfraktur_des...

Terminhinweise:

DKOU-Pressekonferenz „Gesund und mobil alt werden“
Termin: Dienstag, 23. Oktober 2012, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Messe Berlin (Eingang Halle 17), Funkturmlounge

Eines der Themen:
Killer „Gebrochene Hüfte“:
Ist die Angst der älteren Menschen vor Schenkelhalsfrakturen heute noch berechtigt?
Professor Dr. med. Christoph Josten

DKOU-Pressekonferenz „Ethisches Handeln versus Kostendruck: Bestimmt die Ökonomie ärztliche Entscheidungen?“
Termin: Donnerstag, 25. Oktober 2012, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Messe Berlin (Eingang Halle 17), Funkturmlounge

Themen u. a. :
Unfall im Alter: Abstieg in die soziale Isolation?
Professor Dr. med. Christoph Josten
Wie viel Chirurgie verträgt der ältere Patient? Über Sinn und Unsinn der chirurgischen Versorgung von Senioren
Professor Dr. med. Reinhard Hoffmann

Programm aller DKOU-Pressekonferenzen: http://www.dkou.org/dkou2012/presse/pressekonferenzen.html

Ihr Kontakt für Rückfragen:
Christina Seddig
Pressestelle DKOU 2012
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-442, Fax: 0711 8931-167
seddig@medizinkommunikation.org

Christina Seddig | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkou.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Differenzierte Bildgebung für bessere Diagnosen bei Brustkrebs
21.01.2020 | Universität Zürich

nachricht Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen
20.01.2020 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnellster hochpräziser 3D-Drucker

3D-Drucker, die im Millimeterbereich und größer drucken, finden derzeit Eingang in die unterschiedlichsten industriellen Produktionsprozesse. Viele Anwendungen benötigen jedoch einen präzisen Druck im Mikrometermaßstab und eine deutlich höhere Druckgeschwindigkeit. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein System entwickelt, mit dem sich in bisher noch nicht erreichter Geschwindigkeit hochpräzise, zentimetergroße Objekte mit submikrometergroßen Details drucken lassen. Dieses System präsentieren sie in einem Sonderband der Zeitschrift Advanced Functional Materials. (DOI: 10.1002/adfm.201907795).

Um nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Zuverlässigkeit ihres Aufbaus zu demonstrieren, haben die Forscherinnen und Forscher eine 60 Kubikmillimeter...

Im Focus: Wie man ein Bild von einem Lichtpuls macht

Um die Form von Lichtpulsen zu messen, brauchte man bisher komplizierte Messanlagen. Ein Team von MPI Garching, LMU München und TU Wien schafft das nun viel einfacher.

Mit modernen Lasern lassen sich heute extrem kurze Lichtpulse erzeugen, mit denen man dann Materialien untersuchen oder sogar medizinische Diagnosen erstellen...

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

FISBA zeigt an der Photonics West die neueste Entwicklung im Bereich Lasermodule, das FISBA READYBeam<sup>TM</sup>

29.01.2020 | Messenachrichten

Potentielle Stellschraube für wirksamere Krebs-Immuntherapien

29.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

UVphotonics zeigt kundenspezifische UV-LEDs und Module auf der Photonics West

29.01.2020 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics