Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweißdrüsenkarzinom (ADPA): Erste Einblicke in Genexpressionsmuster

11.01.2019

Eine gemeinschaftliche Studie des Instituts für Humangenetik und des Instituts für Stammzellforschung und regenerative Medizin der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die in der Zeitschrift British Journal of Dermatology publiziert wurde, zeigt zum ersten Mal systematische Transkriptom-Analysen an den sehr kleinen, technisch herausfordernden FFPE-gebetteten Tumoren.

Schweißdrüsenkarzinome (SK) sind seltene Tumoren der Hautanhangsgebilde (< 0,005% - 0,01% aller kutanen Karzinome), die ein heterogenes Spektrum histologischer Subtypen umfassen. Sie treten klinisch variabel auf und haben eine starke Tendenz zu Lokalrezidiven und/oder metastasierenden mit einer hohen Sterblichkeit einhergehenden Verläufen.


Histologische Merkmale: (a) Solider, in Teilen zystischer Tumor ohne Verbindung zur Epidermis. Basaloider Zelltyp. (b) Solide hyper-zelluläre Tumorareale mit dicht gepackten Tumorzellen, atypischen Nuklei und Mitosen. Dicht gepackte spindelförmige Zellen sind ein Schlüssel zur Diagnosestellung. (c) Areal mit zystischer Konfiguration zeigen charakteristische papilläre Projektionen, namensgebend für das ADPA. Surowy et al. Br J Dermatol. 2018 Nov 25. doi: 10.1111/bjd.17446.

Eine Studie des Instituts für Humangenetik und des Instituts für Stammzellforschung und regenerative Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die in der Zeitschrift British Journal of Dermatology publiziert wurde, zeigt zum ersten Mal systematische Transkriptom-Analysen an den sehr kleinen, technisch herausfordernden FFPE-gebetteten Tumoren.

Aggressive digitale papilläre Adenokarzinome (ADPA) stellen eine homogene Subgruppe ekkriner Schweißdrüsenkarzinome dar. Dieser Tumor tritt bevorzugt bei älteren Patienten und nahezu ausschließlich an Extremitäten wie Fingern, Handflächen, Zehen und Fußsohlen auf.

Diese Tumoren zeigen sich als kleine (mittlerer ø 13 mm), derbe, schmerzlose, teils zystische, teils solide Tumoren. Eine sichere Diagnosestellung ist nur histologisch, d.h. auf der Basis feingeweblicher Untersuchungen, möglich.

Therapie der Wahl ist eine radikale chirurgische Entfernung, die sich häufig nur über eine Amputation des entsprechenden Fingers oder Zehs erreichen lässt. Trotz radikaler Chirurgie treten aber Rezidive sowie Lokal- und Fernmetastasen auf.

Bei ADPA handelt es sich um sporadische Tumoren, deren Entstehung auf dem kumulativen Erwerb somatischer Mutationen beruht. Die Genetik und Pathogenese ist unbekannt, die therapeutische Situation häufig unzureichend.

Bei der Entstehung verschiedener Malignome ist FGFR2 (Fibroblast growth factor receptor 2) Teil des FGF/FGFR Signalweges, der für essentiell biologische Prozesse wie z.B. Zellproliferation, Zelldifferenzierung oder Angiogenese von Bedeutung ist. Die Hauptautoren der Publikation, Harald Surowy, Anna Giesen und Jörg Otte berichten:

„Wir konnten überraschenderweise zeigen, dass FGFR2 in dieser seltenen Tumorentität über-exprimiert wird. Dieser Befund ist von großem Interesse im Sinne eines therapeutischen Ansatzes, da sich momentan eine Reihe von FGFR-Inhibitoren in der aktiven Entwicklung oder in der Erprobungsphase zur Behandlung maligner Tumorerkrankungen befinden.“

Die Seniorautoren James Adjaye und Silke Redler resümieren: „Es ist uns ein großes Anliegen, Forschung an der seltenen Tumorentitäten der Schweißdrüsenkarzinoms gemeinsam voranzutreiben.

Nur eine systematische molekulare Analyse und die Entschlüsselung von molekularen Signalwegen werden zur Aufklärung der biologischen Grundlagen und zu einem tiefgreifenden Verständnis der beteiligten Krankheitsmechanismen dieser Tumoren führen.

Dies ist der Schlüssel für die betroffenen Menschen - trotz der Seltenheit und der Komplexität dieser Tumor-Entität - perspektivisch von einer adäquaten Therapie zu profitieren. Wir werden systematische Transkriptom-Analysen an weiteren Subtypen von Schweißdrüsenkarzinomen durchführen, um ein noch umfassenderes Bild der Genexpressionsmuster zu erlangen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

PD Dr. Silke Redler, Institut für Humangenetik, Universitätskllinikum Düsseldorf, Silke.Redler@med.uni-duesseldorf.de, 0211 / 81-10423
Prof. Dr. James Adjaye, Institut für Stammzellforschung und Regenerative Medizin, James.adjaye@med.uni-duesseldorf.de

Originalpublikation:

Surowy HM, Giesen AK, Otte J, Büttner R, Falkenstein D, Friedl H, Meier F, Petzsch P, Wachtmeister T, Westphal D, Wieczorek D, Wruck W, Adjaye J, Rütten A, Redler S.: Gene expression profiling in aggressive digital papillary adenocarcinoma sheds light on the architecture of a rare sweat gland carcinoma. Br J Dermatol. 2018 Nov 25. doi: 10.1111/bjd.17446. [Epub ahead of print]. PMID: 30472730

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-duesseldorf.de/humangenetik

Silke Redler, Redaktion | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.hhu.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Heilende Wirkung von Radon
14.01.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Braunalgenextrakt als neuer therapeutischer Ansatz bei Lungenhochdruck
14.01.2019 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ten-year anniversary of the Neumayer Station III

The scientific and political community alike stress the importance of German Antarctic research

Joint Press Release from the BMBF and AWI

The Antarctic is a frigid continent south of the Antarctic Circle, where researchers are the only inhabitants. Despite the hostile conditions, here the Alfred...

Im Focus: Ultra ultrasound to transform new tech

World first experiments on sensor that may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles

The new sensor - capable of detecting vibrations of living cells - may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles.

Im Focus: Fliegende optische Katzen für die Quantenkommunikation

Gleichzeitig tot und lebendig? Max-Planck-Forscher realisieren im Labor Erwin Schrödingers paradoxes Gedankenexperiment mithilfe eines verschränkten Atom-Licht-Zustands.

Bereits 1935 formulierte Erwin Schrödinger die paradoxen Eigenschaften der Quantenphysik in einem Gedankenexperiment über eine Katze, die gleichzeitig tot und...

Im Focus: Flying Optical Cats for Quantum Communication

Dead and alive at the same time? Researchers at the Max Planck Institute of Quantum Optics have implemented Erwin Schrödinger’s paradoxical gedanken experiment employing an entangled atom-light state.

In 1935 Erwin Schrödinger formulated a thought experiment designed to capture the paradoxical nature of quantum physics. The crucial element of this gedanken...

Im Focus: Implantate aus Nanozellulose: Das Ohr aus dem 3-D-Drucker

Aus Holz gewonnene Nanocellulose verfügt über erstaunliche Materialeigenschaften. Empa-Forscher bestücken den biologisch abbaubaren Rohstoff nun mit zusätzlichen Fähigkeiten, um Implantate für Knorpelerkrankungen mittels 3-D-Druck fertigen zu können.

Alles beginnt mit einem Ohr. Empa-Forscher Michael Hausmann entfernt das Objekt in Form eines menschlichen Ohrs aus dem 3-D-Drucker und erklärt: «Nanocellulose...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

Erstmalig in Nürnberg: Tagung „HR-Trends 2019“

17.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zeitwirtschafts- und Einsatzplanungsprozesse effizient und transparent gestalten mit dem Workforce Management System der GFOS

18.01.2019 | Unternehmensmeldung

Der Schlaue Klaus erlaubt keine Fehler

18.01.2019 | Informationstechnologie

Neues Verfahren zur Grundwassersanierung: Mit Eisenoxid gegen hochgiftige Stoffe

18.01.2019 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics