Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlaftraining für Kinder und Jugendliche

15.03.2011
Wenn Kinder und Jugendliche unter Schlafstörungen leiden, leidet häufig die ganze Familie mit. In den meisten Fällen kann ein Training innerhalb kurzer Zeit für Abhilfe sorgen. Zwei Psychologinnen der Universität Würzburg bieten das Programm mit Erfolg an.

Wenn Anna mal wieder aus Angst vorm Alleinsein nicht einschlafen kann, ruft sie seit Neuestem nicht mehr nach ihrer Mutter. Stattdessen holt die Sechsjährige Kalimba zu sich ins Bett und fragt ihn um Rat.

Kalimba ist ein Zeopard – ein Leopard aus dem Zauberland (und eigentlich ein Stofftier. Aber das spielt hier keine Rolle.) Auf seinem Fell trägt er Mutpunkte, mit denen er Anna die Angst nehmen kann. Außerdem hat er jede Menge Freunde: die anderen Stofftiere aus Annas Zimmer. Mit denen zusammen baut er, wenn es sein muss, einen unüberwindbaren Schutzring um Annas Bett. Und Anna kann endlich beruhigt einschlafen.

Schlafstörungen: ein häufiges Problem

Viele Kinder und Jugendliche leiden zumindest zeitweise unter Schlafstörungen. Jüngsten Studien zufolge haben rund 30 Prozent aller 13- bis 25-Jährigen Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen; zwischen vier und zehn Prozent unter ihnen leiden an Schlaflosigkeit. Bei den 5- bis 10-Jährigen schwanken die Schätzungen zwischen 20 und 43 Prozent.

Je jünger die Kinder sind, desto stärker betrifft das Problem auch die Eltern. Wer ganze Abende im Kinderzimmer verbringt, nur darauf wartend, dass der Sohn oder die Tochter endlich tief schläft; wer mehrmals in der Nacht geweckt wird und aufstehen muss; wer regelmäßig „Übernachtungsbesuch“ im Ehebett hat, wird sich vermutlich bald nach kompetenter Hilfe sehnen.

Ein Schlaftraining hilft

Zwei Psychologinnen der Universität Würzburg, Karolin Roeser und Barbara Schwerdtle, bieten solche Hilfe an: ein Schlaftraining für Kinder und Jugendliche. Sechs Sitzungen, die jeweils 100 Minuten dauern, reichen nach den Erfahrungen der beiden aus, um die Schlafprobleme dauerhaft zu beseitigen. Den Erfolg dieses Trainings bestätigen auch neueste Untersuchungen, über die die Fachzeitschrift Nature and Science of Sleep Anfang des Jahres berichtet hat.

Ein ausführliches Erstgespräch steht am Anfang jeden Trainings. Dabei lassen sich die beiden Therapeutinnen die Probleme in allen Details schildern. Danach entscheiden sie, ob die Hilfesuchenden in das Trainingsprogramm aufgenommen werden. Besteht der Verdacht, dass ein organisches Problem Auslöser der Schlafstörungen ist, schicken sie den Betroffenen zum Arzt oder ins Schlaflabor. Für die anderen beginnt das Training, in das immer auch die Eltern mit einbezogen werden.

Kleine Veränderungen können viel bewirken

„Unsere Therapie ist eine Kombination aus Verhaltens- und Hypnotherapie“, sagt Karolin Roeser. Also werfen die Teilnehmer zunächst einmal einen genauen Blick auf ihr Bett, dessen Umgebung und ihre Gewohnheiten: Schauen sie vor dem Zu-Bett-Gehen möglicherweise Fernsehen oder fahren am Computer Autorennen? Gehen sie zu unregelmäßigen Zeiten schlafen und stehen mal früh am Morgen, mal erst gegen Mittag auf? Steht das Bett so nah am Schreibtisch, dass jeder Blick die Erinnerung an die kommende Schulaufgabe weckt? Alles Punkte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten und erholsamen Schlaf verhindern können.

„Die Jugendlichen bekommen dann von uns die Hausaufgabe, an ihrer Schlafumgebung das zu verändern, was sie stört“, sagt Barbara Schwerdtle. Auch Kinder sollen ihren Eltern sagen, was ihnen an ihrem Bett gefällt und was nicht. Die Folge sei häufig ein „Familienausflug ins Möbelhaus“, so Karolin Roeser. Und in vielen Fällen schon danach eine spürbare Verbesserung der Schlafprobleme.

Wer abschalten kann, schläft besser

Runterfahren, entspannen, abschalten: Wie das geht, lernen die Teilnehmer des Trainingsprogramms im hypnotherapeutischen Teil. Bewusste Atemtechniken gehören genauso dazu wie Fantasie- oder Trancereisen – Gedankenreisen, die mit einer bestimmten therapeutischen Botschaft kombiniert sind. An diesem Punkt kommt bei den Jüngeren Kalimba ins Spiel.

Der Leopard mit den Zauberkräften dient zum Einen als Vorbild – immerhin hatte er, als er jünger war, selbst Schlafprobleme. Zum Anderen stehen seine Flecken als Erinnerungszeichen für die bisher gelernten Techniken. Und – nicht zuletzt – gilt ein Leopard als mutig, stark und voller Selbstvertrauen. Er trägt also lauter Eigenschaften, die sich die Kinder auch aneignen sollen.

Die Ziele des Trainingsprogramms

„Kinder werden im Laufe des Trainings selbstständiger und unabhängiger. Sie lernen, ihr eigenes Ich zu stärken“, sagt Barbara Schwerdtle. Und wer auf seine eigenen Kräfte und Fähigkeiten vertraut, der braucht auch nicht mehr die Mama oder den Papa an seiner Seite, wenn es ans Einschlafen geht.

Jugendliche hingegen lernen im hypnotherapeutischen Teil beispielsweise, wie sie einen Ort finden, an dem sie ihre Sorgen und Nöte deponieren können, bevor endlose Grübeleien sie am Einschlafen hindern.

Erfolg schon nach kurzer Zeit

Mehr als 30 Kinder und Jugendliche haben Karolin Roeser und Barbara Schwerdtle inzwischen trainiert – mit durchschlagendem Erfolg: „Bei den Kindern zeigen sich spätestens drei Monate nach Trainingsende keine Schlafstörungen mehr“, sagt Schwerdtle. Bei den Jugendlichen gehe es nicht ganz so schnell, ergänzt Roeser. Doch auch bei ihnen sei in der Regel nach drei Monaten das Hauptproblem gelöst, die Lebensqualität habe sich spürbar verbessert.

Und Kalimba? Der hat dann seine Pflicht getan – und wird von seinen Besitzern häufig an jüngere Geschwister weitergegeben. Damit er auch denen zu einer ruhigen Nacht verhilft.

Kontakt

Wer an der Trainingsprogramm teilnehmen möchte oder sich dafür interessiert, kann sich mit Karolin Roeser oder Barbara Schwerdtle in Verbindung setzen: T (0931), 31-80185, barbara.schwerdtle@uni-wuerzburg.de und karolin.roeser@uni-wuerzburg.de

Ausführliche Informationen zu dem Programm stehen im Internet:
http://www.i1.psychologie.uni-wuerzburg.de/weitere_projekte/kinderschlaf/

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de
http://www.i1.psychologie.uni-wuerzburg.de/weitere_projekte/kinderschlaf/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Goldstandard für die Messung von Schmerzen
03.07.2018 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics