Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was schadet der Leber wirklich?

22.03.2013
Die gängigen Algorithmen, mit denen leberschädigende pflanzliche Substanzen identifiziert werden, sind nicht zuverlässig. Das belegt eine Studie unter Beteiligung des Frankfurter Universitätsklinikums, die im März im Fachmagazin „Expert Opinion on Drug Safety“ publiziert ist.

Die Leber wird häufig durch Nahrungsbestandteile, Arzneimittel, Gifte oder Infektionen beschädigt. Allerdings ist die Identifizierung dieser Stoffe nicht immer zuverlässig.

Eine Studie hat jetzt überprüft, wie gut die bisherige Beurteilung von Lebergiften in Pflanzenextrakten ist. Um die Qualität der Einschätzungen zu testen, haben sich die Forscher veröffentlichte Fälle angeschaut, in denen ein bestimmter Pflanzenextrakt als Ursache für Leberschäden angegeben wurde.

Die Forscher sind zu dem Ergebnis gekommen, dass zahlreiche Beurteilungen fehlerhaft sind. Es wurden teilweise falsche Substanzen als problematisch eingestuft, wirklich schädliche können unentdeckt geblieben sein. Die Studie wurde diesen März im Fachmagazin „Expert Opinion on Drug Safety“ veröffentlicht.

Herausforderung Kausalitätsbewertung

Die ersten typischen Anzeichen einer Leberschädigung – Anstieg der Serumkonzentrationen von Leberenzymen – sind sehr unspezifisch. Sie treten so häufig auf, dass sie nur als Indikatoren nützlich sind. Die Bandbreite der Ursachen für einen solchen Anstieg reicht von Infektionen über Entzündungen, Stoffwechselstörungen, Ernährungsbesonderheiten, Gallensteinen und Giften bis zur Medikamenteneinnahme. Um zu belegen, dass ein Medikament oder einen Pflanzeninhaltsstoff für einen Leberschaden verantwortlich ist, reicht ein einfacher zeitlicher Zusammenhang nicht aus. Eine gute Bewertung erfordert zusätzlich den Ausschluss von anderen Ursachen. Diese Prüfungen werden als Kausalitätsbewertungen bezeichnet.

„Eine gute Basis für ergänzende Gebrauchseinschränkungen oder gar eine Marktrücknahme besteht dann, wenn gut belegte Fälle eines gesicherten oder sehr wahrscheinlichen Zusammenhangs zwischen einem spezifischen Produkt und einer Leberschädigung bekannt sind. Wenige, aber gut belegte Fälle sind aussagekräftiger als eine große Anzahl von unzuverlässig bewerteten Fällen“, erläutert Prof. Johannes Schulze vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt und einer der Autoren der Studie. Fehleinschätzungen wiederum können gravierende Folgen haben. „Im schlimmsten Fall wird dabei eine lebertoxische Substanz übersehen, in der falschen Annahme, die ursächliche Substanz gefunden zu haben. Die nicht erkannte Gefährdung besteht dann weiter“, warnt Prof. Schulze.

Studie stellt Prüfverfahren schlechtes Zeugnis aus

Die jetzt veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bei den untersuchten Fällen viele Fehleinstufungen vorlagen, oft aufgrund ungenauer Beschreibungen oder einer unvollständigen Präsentation der Datenlage. Alternative Ursachen wie Hepatitis oder Alkoholmissbrauch wurden lediglich unvollständig oder gar nicht ausgeschlossen. Die veröffentlichten Schlussfolgerungen zur Kausalität waren in vielen Fällen nicht nachvollziehbar. In Einzelfällen konnte der angeblich erkannte Zusammenhang sogar ausgeschlossen werden.

Empfehlung für bessere Tests

Die Autoren zeigen in der Studie auch, wie es besser geht. Sie empfehlen ein nachvollziehbares Verfahren für die Beurteilung von leberschädigenden Substanzen. Dieser als CIOMS-Skala bezeichnete Algorithmus kann von jedem Arzt selbstständig angewendet werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, eine Kausalitätsbewertung durch das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt vornehmen zu lassen. Für weitere Informationen kann das Institut unter der E-Mailadresse arbmedsoz@uni-frankfurt.de direkt kontaktiert werden.

Publikation:
Rolf Teschke, Alexander Schwarzenboeck, Axel Eickhoff, Christian Frenzel, Albrecht Wolff, Johannes Schulze: Clinical and causality assessment in herbal hepatotoxicity. Expert Opinion on Drug Safety, posted online on March 5th 2013, doi:10.1517/14740338.2013.774371

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics