Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reproduktionsmedizin: Männliche Hormone fördern Eizellreifung

21.03.2011
Die Natur kennt keine Gleichberechtigung der Geschlechter. Für Frauen, die ein Baby wollen, tickt die biologische Uhr bekanntlich schneller als für Männer.

Für die meisten Frauen endet die Fruchtbarkeit schon zu Beginn des vierten Lebensjahrzehnts - manchmal auch schon viele Jahre früher. Eine neue Diagnostik und Therapie kann diesen Frauen helfen. Hoffnungsvolle Ergebnisse stellte Professor Dr. Jürgen Kleinstein, Leiter der Magdeburger Universitätsklinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie, am 19. März 2011 auf der Arbeitstagung MARIE in Magdeburg vor.

Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass jede Frau mit einem begrenzten Vorrat an Eizellen geboren wird. Mit Beginn der Menstruation reduziert sich die Eizellreserve zunehmend. Damit sinkt auch die Chance, schwanger zu werden. „Statistisch halbiert sich die Fruchtbarkeit zwischen dem 25. und dem 37. Lebensjahr“, so Professor Kleinstein. Allerdings ist die individuelle Schwangungsbreite auch sehr groß. Mediziner schätzen, das zwischen 100.000 und 200.000 Frauen in Deutschland bereits vor dem 37. Lebensjahr Probleme haben, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Viele suchen dann Hilfe bei Gynäkologen und Reproduktionsmedizinern.

„Den kinderlosen Frauen können wir heute viel besser helfen, als noch vor wenigen Jahren“, sagt Professor Kleinstein. Wie groß die Chance auf eine erfolgreiche Kinderwunschbehandlung für eine Frau ist, lässt sich durch die Bestimmung des so genannten „Anti-Müller-Hormons" (AMH) im Blut herausfinden. Das AMH wird im Eierstock gebildet und ist ein untrüglicher Hinweis auf die Eizellreserve.

„Zwar kann die Zahl der noch vorhandenen Eizellen nicht künstlich erhöht werden, wohl aber die Chancen, dass ein Teil der natürlich gebildeten Eizellen besser heranreift und letztlich auch befruchtet wird“, sagt Professor Kleinstein. Dazu werden männlichen Geschlechtshormonen (Androgene) eingesetzt.

Androgene greifen auf natürliche Weise in die ersten Stadien der Eizellreifung, etwa vier Monate vor dem eigentlichen Eisprung, ein. Diese Forschungsergebnisse werden neuerdings in der Kinderwunschbehandlung berücksichtigt.

Gute Ergebnisse haben die Ärzte am Magdeburger Universitätsklinikum in jüngster Zeit mit dem milden Hormon DHEA gesammelt, das eine Vorstufe für die Sexualhormone ist. „Unter dieser Therapie wurden etwa dreimal mehr Frauen Mitte der 30er Jahre schwanger als ohne“, fasst Professor Kleinstein die bisherigen Erfahrungen zusammen. Außerdem registrierten die Mediziner weniger ungewollte Schwangerschaftsverluste (Aborte) und auch keine Vermännlichung, wie etwa Bartwuchs oder eine tiefere Stimme.

„Wir sehen darin eine Erweiterung der Therapiemöglichkeiten für ungewollt kinderlose Paare“, erläuterte Professor Kleinstein.

Die Magdeburger Arbeitstagung Reproduktionsmedizin, interdisziplinäre Andrologie und Endokrinologie (MARIE) fand am 19. März 2011 statt. Die Fortbildungsveranstaltung wurde bereits zum 14. Mal alljährlich im Frühjahr durchgeführt und richtet sich an niedergelassene Frauenärzte aus Sachsen-Anhalt, Medizinisch-Technische Assistenten und Medizinstudenten.

Weitere inhaltliche Auskünfte für Redaktionen erteilt Prof. Dr. Jürgen Kleinstein, Universitätsklinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie Magdeburg, Telefon: (0391) 67-17390.

Text: Uwe Seidenfaden

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore
19.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics