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Plattform für Ferndiagnose

05.09.2012
„Telemonitoring bei Patienten mit chronischer Atemwegserkrankung“ lautet der Titel eines Forschungsprojekts der Technischen Hochschule Mittelhessen, der Philipps-Universität Marburg und des Wettenberger Ingenieurbüros für Medizintechnik (IfM). Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 500.000 Euro.
Projektleiter ist Prof. Dr. Volker Groß vom Kompetenzzentrum für Biotechnologie und Biomedizinische Physik der TH. Partner sind Prof. Dr. Ulrich Koehler von der Klinik für Innere Medizin in Marburg und der Medizininformatiker Prof. Dr. Henning Schneider von der TH Mittelhessen.

Ziel des Projekts ist die Verbesserung der medizinischen Versorgung von Patienten, die unter der Chronisch Obstruktiven Lungenkrankheit (Chronic Obstructive Pulmonary Disease, COPD) leiden. Die COPD ist die vierthäufigste Todesursache. Ursache ist eine abnorme Entzündungsreaktion, die meist durch Partikel oder Gase ausgelöst wird. Hauptsymptome sind Atemnot, Husten und Auswurf. Bei vielen Patienten ist eine Atmungsunterstützung oder eine zusätzliche Sauerstoffversorgung nötig. Diese Therapie kann sehr häufig im häuslichen Umfeld des Patienten geschehen. Sie muss allerdings konsequent überwacht werden, damit Verschlechterungen des Gesundheitszustands und Funktionsdefizite der Geräte sofort erkannt werden. Eine kostengünstige Möglichkeit hierzu liegt in der Ferndiagnose und -überwachung von Risikopatienten mittels Telemonitoring. Dabei werden Vitalparameter und Gerätedaten über Mobilfunk an Arzt oder Krankenhaus übertragen.

„Die derzeit gemessenen Werte wie etwa Herzfrequenz oder Sauerstoffsättigung des Blutes reichen für eine Langzeitüberwachung von COPD-Patienten nicht aus“, sagt Projektleiter Groß. „Sie müssen durch die Langzeitanalyse der Lungengeräusche, die transkutane Bestimmung der nächtlichen Sauerstoffsättigung und die Bestimmung der Pulstransitzeit zur Bewertung des Blutdruckverhaltens ergänzt werden.“ Außerdem wollen die Forscher ein System entwickeln, mit dem Trainings- und Therapiemaßnahmen der Patienten angeleitet und überwacht werden können.

„Wir möchten eine Plattform schaffen, die medizinische Expertise und medizintechnisches Know-how bündelt, und so die Patientenbetreuung nachhaltig verbessern“, erläutert Koehler. Eine Hauptaufgabe bestehe darin, so Schneider, Technologien zur Datenerfassung, Kommunikationssysteme und deren Schnittstellen aufeinander abzustimmen. Dies sei Voraussetzung für einen sicheren Datentransfer.

IfM-Geschäftsführer Lothar Leiche sieht die Telemedizin angesichts von Ärztemangel und demografischer Entwicklung als Wachstumsmarkt. Die Kooperation mit den Hochschulen sei eine große Chance für sein Unternehmen.

Das Forschungsvorhaben hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Es wird im Rahmen der Förderlinie 3 der hessischen „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ (LOEWE) unterstützt. Damit bezuschusst die Landesregierung Projekte, bei denen Hochschulen mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen zusammenarbeiten.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.th-mittelhessen.de/site/

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