Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parodontitis - Gefahr für Herz und Hirn

11.08.2008
Erkrankungen des Zahnhalteapparats wie die so genannte Parodontitis können auf Dauer lebensgefährliche Folgen haben: Die oft chronischen Entzündungen von Zahnfleisch und Kiefer erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall beträchtlich. Die Ursachen dafür sind noch weitgehend ungeklärt.

Eine neue klinische Forschergruppe unter Federführung der Universität Bonn will diese Wissenslücke schließen. Die Wissenschaftler bearbeiten darin auch die Frage, wodurch parodontale Erkrankungen entstehen und wie sie bekämpft werden können.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Universität Bonn fördern das Projekt zunächst für drei Jahre mit rund 3 Millionen Euro. Es ist deutschlandweit die erste und einzige Klinische Forschergruppe in der Zahnmedizin.

Dass die DFG erstmals eine Klinische Forschergruppe in der Zahnmedizin fördert, hat einen guten Grund: 70 Prozent aller Deutschen zwischen 35 und 44 Jahren leiden unter einer Parodontalerkrankung - mitunter mit fatalen Konsequenzen. "Es ist bekannt, dass chronische Entzündungen des Zahnhalteapparats Gefäßerkrankungen im Körper fördern können", betont der Bonner Zahnmediziner Dr. James Deschner.

Ursache können Bakterien sein, die aus dem Mundraum in die Gefäße einwandern. Außerdem werden bei Entzündungen von Zahnfleisch oder Kiefer Botenstoffe frei, die die körpereigene Immunabwehr stimulieren. Die Abwehrtruppen beschränken ihre Scharmützel aber nicht auf den Mund: Auch leicht geschädigte Gefäße werden zum Opfer ihrer Attacken. "Wir vermuten, dass die Gefäßschäden dadurch sogar noch zunehmen", sagt Deschner. "So kann sich das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall beträchtlich erhöhen."

Die Forscher möchten unter anderem herausfinden, welche Faktoren chronische Entzündungen von Zahnfleisch oder Kiefer fördern. Sie hoffen dabei unter anderem auf effektivere Therapien und neue Möglichkeiten der Diagnostik. Im Focus steht dabei auch die Frage, inwiefern Erkrankungen des Zahnhalteapparats erblich sind. "Wir wissen heute, dass die Gene rund 50 Prozent zum Risiko beitragen", erklärt Deschner. "Welche Erbanlagen das genau sind, ist aber noch nicht bekannt."

Der Privatdozent leitet die neu eingerichtete Forschergruppe. Sprecher sind mit dem Parodontologen Professor Dr. Dr. Søren Jepsen und dem Kieferorthopäden Professor Dr. Andreas Jäger zwei der renommiertesten deutschen Zahnheilkundler. In Bonn beteiligen sich neben Experten vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Internisten und Dermatologen an dem Projekt. Die genetischen Untersuchungen laufen in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Kiel. Auch die Bonner Mathematiker sind in die Forschergruppe eingebunden: Sie werden am Rechner simulieren, wie sich bestimmte Risikofaktoren - beispielsweise eine hohe mechanische Kaubelastung - auf den Verlauf der Erkrankung auswirken.

Mehr als 1,5 Millionen Euro fließen in den nächsten drei Jahren aus dem DFG-Säckel an die Projektpartner. Die Bonner Universität schießt nochmals denselben Betrag zu. Bei entsprechenden Ergebnissen wird die Förderung um weitere drei Jahre verlängert. Die DFG ist optimistisch: Der Standort für die Bearbeitung dieses Themas sei mit Bonn sehr gut gewählt, urteilten die Gutachter. Derzeit sei eine solche klinische Fortschergruppe aus der Zahnheilkunde an kaum einer anderen Universität in Deutschland denkbar.

Wie sehr sich die medizinische Vorstellung von parodontalen Erkrankungen bereits in den letzten Jahrzehnten verändert hat, zeigt sich schon an der heute gültigen Krankheitsbezeichnung "Parodontitis": Das Suffix "-itis" bezeichnet in der Medizin allgemein Entzündungen. Verschleißerscheinungen enden dagegen auf "-ose" - Beispiel Arthrose. Parodontose galt bis Mitte des letzten Jahrhunderts als ganz normale Alterserscheinung. Erst später erkannte man, dass der Zahnverlust durch chronische Entzündungen hervorgerufen wird, die sich durchaus bekämpfen lassen.

Kontakt:
Privatdozent Dr. James Deschner
Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde
Telefon: 0228/287-22651
E-Mail: James.Deschner@uni-bonn.de
Professor Dr. Dr. Søren Jepsen, MS
Direktor der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde
Telefon: 0228/287-22480
E-Mail: jepsen@uni-bonn.de
Professor Dr. Andreas Jäger
Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie
Telefon: 0228/287-22449
E-Mail: a.jaeger@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Blutgerinnung und Enzym: Entscheidender Zusammenhang bei der MS entdeckt
18.12.2018 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Bakterien ein Antibiotikum ausschalten

Forscher des HZI und HIPS haben entdeckt, dass resistente Bakterien den Wirkstoff Albicidin mithilfe eines massenhaft gebildeten Proteins einfangen und inaktivieren

Gegen die immer häufiger auftauchenden multiresistenten Keime verlieren gängige Antibiotika zunehmend ihre Wirkung. Viele Bakterien haben natürlicherweise...

Im Focus: How bacteria turn off an antibiotic

Researchers from the HZI and the HIPS discovered that resistant bacteria scavenge and inactivate the agent albicidin using a protein, which they produce in large amounts

Many common antibiotics are increasingly losing their effectiveness against multi-resistant pathogens, which are becoming ever more prevalent. Bacteria use...

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Im Focus: Data storage using individual molecules

Researchers from the University of Basel have reported a new method that allows the physical state of just a few atoms or molecules within a network to be controlled. It is based on the spontaneous self-organization of molecules into extensive networks with pores about one nanometer in size. In the journal ‘small’, the physicists reported on their investigations, which could be of particular importance for the development of new storage devices.

Around the world, researchers are attempting to shrink data storage devices to achieve as large a storage capacity in as small a space as possible. In almost...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ulmer Forscher beobachten Genomaktivierung "live" im Fischembryo

18.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Notsignal im Zellkern – neuartiger Mechanismus der Zellzykluskontrolle

18.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Methode für sichere Brücken

18.12.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics