Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Operieren mit einem Kopfnicken: weltweit erste Operation mit 3D-RoboticScope

19.05.2020

Weltweit erstmals haben HNO-Ärzte am Universitätsspital Zürich ein neu entwickeltes Mikroskop bei einer Operation eingesetzt. Das Gerät lässt sich mit Kopfbewegungen steuern und zeigt wechselnde Blickwinkel. Operationen werden dadurch nicht nur bequemer, sondern auch schneller und damit sicherer.

Operationen können ganz schön anstrengend sein. Oft muss stundenlang in gebeugter, starrer Haltung über einem kleinen Operationsfeld gearbeitet werden. Die modernen Operationsmikroskope für die Mikrochirurgie bieten zwar gute optische Systeme, müssen aber noch immer von Hand verstellt werden.


Das 3D-Operationsmikriskop RoboticScope wird mit Kopfbewegungen gesteuert und zeigt wechselnde Blickwinkel

Bild: bhs-technologies

Und Änderungen des Sichtwinkels erfordern, dass die Position des Mikroskops, des Patienten oder des Chirurgen verändert wird. Will der Chirurg also die Eingriffsstelle aus einem anderen Winkel sehen, muss er meistens die Seite am OP-Tisch wechseln und die Instrumente dafür niederlegen. Das führt jeweils zu kurzen Unterbrüchen, die sich bei lang dauernden Eingriffen jedoch summieren.

Kleinste Gesten steuern das Mikroskop

Weltweit zum ersten Mal wurde nun das grundlegend neu entwickelte RoboticScope bei einer Operation in der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie (ORL) des Universitätsspitals Zürich eingesetzt. Dabei wurde das Trommelfell eines 69-jährigen Patienten rekonstruiert.

Das System basiert auf einer hochauflösenden 3D-Kamera an einem Roboterarm und wird über ein Headset gesteuert. Mikroskop und Headset sind voneinander entkoppelt, was freie Bewegungen erlaubt.

Kleine Kopfbewegungen oder eine Körperneigung reichen aus, das Mikroskop zu bewegen; das Headset erkennt die Richtungsänderung und überträgt diese auf die Position der 3D-Kamera am Mikroskop.

Auch der Abstand des Mikroskops lässt sich so anpassen. Aktiviert wird die Steuerung über ein Fusspedal. Die Hände bleiben so im Operationsfeld, die Instrumente müssen nicht niedergelegt werden.

Die Bilder können von RoboticScope auf einen Bildschirm übertragen werden. Künftig sollen auch über mehrere Headsets Assistenten oder Ärztinnen und Ärzte für die Ausbildung direkt mit dem Mikroskop verbunden und Augmented reality integriert werden.

Gebaut wird das RoboticScope vom Medizingerätehersteller bhs-technologies. Die Spezialisten der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie (ORL) des Universitätsspitals Zürich waren an der Entwicklung im Rahmen eines Forschungsvertrags beteiligt und brachten dafür ihre Expertise aus der Praxis ein. So wurden die Vorteile für die OP-Technik und Ergonomie von RoboticScope im Rahmen einer Studie getestet.

Komfort und besserer Einblick

«Die Bewegungsfreiheit und die Steuerung ohne Hände bringen einige Vorteile gegenüber den bisherigen Mikroskopen», sagt Prof. Alexander Huber, Direktor der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie am USZ.

«Uns begeistern aber nicht nur die bessere Ergonomie und die intuitive Bedienung des Geräts. Wir können das Operationsgebiet nun aus Blickwinkeln betrachten, die wir auch mit einem Positionswechsel am OP-Tisch nicht erreichen.»

Was aufs Erste nur nach mehr Komfort tönt, ist deshalb nicht zu unterschätzen. «Die Operation dauert in vielen Fällen weniger lang. Das ist ein wichtiger Faktor für die Qualität und Patientensicherheit. Das RoboticScope kommt bei uns nach dem erfolgreichen Start deshalb dauerhaft zum Einsatz.»

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Unternehmenskommunikation
Universitätsspital Zürich
Tel.: +41 (0)44 255 8620
E-Mail: medien@usz.ch

Weitere Informationen:

https://youtu.be/yG4kOVXwKFQ

Nathalie Plüss | Universitätsspital Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neu entdeckte Erkrankung liefert Ideen, Mukoviszidose besser zu behandeln
04.06.2020 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Coronavirus: Reproduktionszahl genauer geschätzt
02.06.2020 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleines Protein, große Wirkung

In Meningokokken spielt das unscheinbare Protein ProQ eine tragende Rolle. Zusammen mit RNA-Molekülen reguliert es Prozesse, die für die krankmachenden Eigenschaften der Bakterien von Bedeutung sind.

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Hirnhautentzündungen und Sepsis auslösen können. Diese Krankheitserreger besitzen ein sehr kleines Protein,...

Im Focus: Small Protein, Big Impact

In meningococci, the RNA-binding protein ProQ plays a major role. Together with RNA molecules, it regulates processes that are important for pathogenic properties of the bacteria.

Meningococci are bacteria that can cause life-threatening meningitis and sepsis. These pathogens use a small protein with a large impact: The RNA-binding...

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Was Salz und Mensch verbindet

04.06.2020 | Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Alternativer Zement - Rezeptur für Öko-Beton

04.06.2020 | Architektur Bauwesen

Was Salz und Mensch verbindet

04.06.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Unschuldig und stark oxidierend

04.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics