Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuer Katheterbehandlung das Herz "in Takt" bringen

09.02.2010
Bergmannsheil setzt neuen Spezialkatheter zur Behandlung des Vorhofflimmerns ein

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung: Nahezu eine Million Menschen in Deutschland leiden an dieser Erkrankung.

Das Vorhofflimmern kann zu vielfältigen Beschwerden - vom Herzklopfen bis zur Leistungseinschränkung - führen. Darüber hinaus geht es mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einher.

Ursache sind "chaotische" elektrische Impulse, die vor allem im Einmündungsbereich der Lungenvenen in der linken Herz-Vorkammer entstehen. Behandlungsversuche mit Tabletten führen oftmals nicht zum langfristigen Heilungserfolg und können in der Langzeitanwendung mit schwerwiegenden Nebenwirkungen einhergehen, sagen Experten.

Ein anderes etabliertes Verfahren zur Beseitigung des Vorhofflimmerns ist die sogenannte Katheterablation. Dabei wird der Einmündungsbereich der Lungenvenen elektrisch isoliert (sogenannte Pulmonalvenenisolation): Über einen Spezialkatheter wird ein Hochfrequenzstrom gezielt abgegeben, die dabei entstehende Wärme erzeugt feine Narben.

Diese Narben bilden dann eine "Barriere", die die Ausbreitung von störenden elektrischen Impulsen einschränkt und damit das Vorhofflimmern unterbindet. Das bisherige Verfahren war allerdings technisch und zeitlich sehr aufwändig: mit einer nur wenige Millimeter dicken Katheterspitze mussten die Narben Punkt für Punkt erzeugt werden. Die gesamte Prozedur konnte bis zu acht Stunden dauern.

Kürzere und schonendere Behandlung

Ein neuartiger Spezialkatheter ist seit kurzem am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil im Einsatz. Er vereinfacht die Behandlung, verkürzt erheblich die Behandlungsdauer und reduziert damit die Risiken für den Patienten. "Am Kopf dieses neuen Katheters befindet sich ein ringförmiger Abschluss mit mehreren Platin-Elektroden, durch die der Strom fließt", erklärt Dr. Thomas Lawo, leitender Oberarzt an der Klinik für Kardiologie und Angiologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge): "Damit können wir - vergleichbar mit einem Stempel - ein kreisförmiges Gewebsstück mit einer einzigen Prozedur isolieren. Die Behandlungsdauer verringert sich mit dem neuen Katheter auf unter zwei Stunden."

Da außerdem weniger Energie bei der Behandlung aufgebracht wird, ist das Verfahren für den Patienten schonender und weniger belastend. Die bisherigen Behandlungsergebnisse sind für die Bochumer Kardiologen sehr überzeugend: "Knapp 80 Prozent der Patienten können mit diesem Verfahren vollständig oder weitgehend geheilt werden", sagt Assistenzarzt Dr. Leif Bösche. Die Klinik für Kardiologie und Angiologie am Bergmannsheil ist die erste, die in Bochum und Umgebung dieses neue Verfahren einsetzt.

Lungenvenen sind der Auslöser

Die Ursachen für die Entstehung des Vorhofflimmerns sind vielfältig und bisweilen unbestimmt. In vielen Fällen sind andere Grunderkrankungen der Auslöser, wie zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, ein Herzklappenfehler, eine Herzmuskelerkrankung oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Noch häufiger tritt das Krankheitsbild allerdings ohne erkennbare Ursache auf.

Ausschlaggebend sind häufig die Lungenvenen: In ihnen entstehen die störenden elektrischen Impulse, die einen unregelmäßigen Herzschlag auslösen. Lebensgefährlich ist die Krankheit im allgemeinen nicht, allerdings sehen Experten einen belegbaren Zusammenhang zwischen dem Vorhofflimmern und schwerwiegenden Erkrankungen wie einer Herzschwäche oder einem Schlaganfall. Dabei sind die Beschwerden zum Teil sehr unspezifisch: Genannt werden Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen und ein erhöhter Puls.

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung. In 22 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 622 Betten werden jährlich rund 19.000 Patienten stationär und ca. 60.000 ambulant behandelt. Mehr als die Hälfte der Patienten kommen aus dem überregionalen Einzugsbereich. Weitere Informationen im Internet unter: http://www.bergmannsheil.de.

Über die Klinik für Kardiologie und Angiologie

Das Spektrum der Klinik umfasst die Behandlungen von Herzerkrankungen, Krankheiten des Kreislaufes und der Blutgefäße. In den Herzkatheterlaboratorien werden alle modernen Verfahren der Herzuntersuchung durchgeführt. Besondere Schwerpunkte bilden die Behandlung der Herzmuskelschwäche durch Implantation spezieller Schrittmachersysteme, Implantationen von Defibrillatoren bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und der perkutane Aortenklappenersatz. Für die Akutbehandlung des Herzinfarktes ist das Herzkatheterlabor 24 Stunden in Bereitschaft.

Weitere Informationen:

Dr. Leif Ilja Bösche
Medizinische Klinik II - Kardiologie und Angiologie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-6077
E-Mail: leif.boesche@bergmannsheil.de
Pressekontakt:
Robin Jopp
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Wi-Med Bergmannsheil GmbH
c/o Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-6125
E-Mail: robin.jopp@bergmannsheil.de

Robin Jopp | idw
Weitere Informationen:
http://www.bergmannsheil.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics