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Neuer HTA-Bericht zum Burnout: Diagnostik derzeit unklar

14.09.2010
Die Differenzialdiagnose eines Burnout-Syndroms fällt schwer. Häufig kommen ähnliche Erkrankungen in Betracht. Wie das Burnout-Syndrom von diesen unterschieden wird, haben jetzt Wissenschaftler anhand der vorliegenden Studienliteratur untersucht.

Sie zeigen, dass bislang keine einheitliche Definition des Burnout-Syndroms existiert. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen fassen sie in einem HTA-Bericht (Health Technology Assessment) zusammen, der kostenfrei beim DIMDI abrufbar ist.

Nach Schätzungen der Betriebskrankenkassen leiden rund neun Millionen Deutsche am sogenannten Burnout-Syndrom. Bislang fehlt jedoch eine einheitliche Definition, was derartige epidemiologische Schätzungen erschwert. Weder die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) noch das Diagnostische und Statistische Handbuch psychischer Störungen (DSM-IV) führen Burnout als eigenständiges Krankheitsbild. Trotzdem wird die Diagnose anhand bestimmter Symptome gestellt und behandelt, oft auch unter anderem Namen, z.B. Depression.

> Der HTA-Bericht
Gegenwärtig liegt es im ärztlichen Ermessen, ein Burnout-Syndrom zu diagnostizieren und entsprechend zu behandeln. So lautet das zentrale Ergebnis des HTA-Berichts, für den Literatur gezielt gesucht und bewertet wurde. Es fehlt ein allgemein anerkanntes Instrument, um Burnout von anderen Krankheiten abzugrenzen. Gleichzeitig scheint die Erkrankung immer häufiger aufzutreten. Das verursacht erheblichen Kosten für Wirtschaft und Krankenkassen.

Es bestehen mehrere wissenschaftliche Theorien über Ursachen und Krankheitsverlauf des Burnout-Syndroms. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und sind zudem schwer messbar. Darüber hinaus sind viele Zusammenhänge ungeklärt. So ist wenig über die psychischen Mechanismen bekannt, die den Symptomen zugrunde liegen. Gleiches gilt für Zusammenhänge mit anderen Krankheitsbildern wie der Depression. Die teils erheblichen sozialen Folgen für Burnout-Betroffene und die Auswirkungen auf ihr Umfeld (z.B. Kollegen, Familie) sind ebenfalls wenig untersucht.

Die Autoren fordern hochwertige Studien, um das Burnout-Syndrom näher zu erforschen. Notwendig sind darüber hinaus:

* eine einheitliche, international gültige Definition.
* einheitliche, international gültige Kriterien, um Burnout-Syndrome von anderen Krankheitsbildern abzugrenzen.
* ein Diagnose-Instrument zur Fremdbeurteilung (also durch andere als die Patienten selbst).

* Untersuchungen zu volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten und finanziellen Auswirkungen auf Patienten und Krankenkassen.

> Burnout - Krankheitsbild
In Medizin und Wissenschaft gilt Burnout bislang als eine Erkrankung, die mit sich verändernden Lebens- und Arbeitsbedingungen in Zusammenhang gebracht wird. Sie äußert sich unter anderem durch emotionale Erschöpfung, Selbstentfremdung oder Zynismus und eine verminderte Leistungsfähigkeit. Betroffene leiden im fortgeschrittenen Stadium dauerhaft an seelischen und körperlichen Beschwerden. Dieser Zustand ist hauptsächlich durch Erschöpfung gekennzeichnet. Begleitsymptome sind Unruhe, Anspannung, gesunkene Motivation und reduzierte Arbeitsleistung. Die psychische Störung entwickelt sich nach und nach, bleibt von den Betroffenen selbst oft lange unbemerkt.

Unter Burnout leiden die Erkrankten erheblich. Die Folgen sind über die gesundheitlichen Probleme hinaus beträchtlich - sowohl individuell als auch gesellschaftlich und volkswirtschaftlich. In den letzten Jahren haben die Verschreibung von Psychopharmaka und die Zahl von Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund psychischer Erkrankungen deutlich zugenommen. Ob psychische Störungen tatsächlich zugenommen haben oder ob sie nur häufiger erkannt werden, bedarf der weiteren epidemiologischen Forschung. In jedem Falle nehmen psychische Störungen, darunter auch das Burnout-Syndrom, einen stetig wachsenden Anteil am Diagnosespektrum und am Krankheitsgeschehen in der Bevölkerung ein, so die Autoren des Berichts.

> HTA-Bericht
Differentialdiagnostik des Burnout-Syndroms
Dr. Dieter Korczak, Christine Kister, Beate Huber
> HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte sind die genannten Autoren verantwortlich. Alle durch die DAHTA beauftragten Berichte werden in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.
Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind.

Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und über 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Weitere Informationen:
http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta278_bericht_de.pdf - HTA-Bericht: Volltext
http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta278_kurzfassung_de.pdf - HTA-Bericht: Kurzfassung
http://www.dimdi.de/dynamic/de/hta/db/index.htm - HTA-Berichte beim DIMDI
http://www.dimdi.de/static/de/hta/index.htm - HTA beim DIMDI
http://www.egms.de/dynamic/de/reports/dahta/index.htm - HTA-Berichte der DAHTA bei German Medical Science (GMS)

Susanne Breuer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de

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