Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatz bei der Diagnose und Therapie von Demenzerkrankungen

18.06.2012
Manche Demenzkranke zeigen Symptome eines gestörten Immunsystems und sind entsprechend therapierbar
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen, einen neuartigen Therapieansatz bei Demenzerkrankungen vorzuschlagen. Die in der Fachzeitschrift Neurology* veröffentlichte Studie zeigt, dass Immunreaktionen gegen körpereigene Nervenzellen Ursache für fortschreitende Demenzerkrankungen sein können und dass eine entsprechende immunsuppressive Therapie große Wirksamkeit entfalten kann.

Demenzerkrankungen, die der Gesellschaft hohe Kosten und den Betroffenen und Angehörigen große psychosoziale Lasten aufbürden, werden bei oft unklarer Entstehung, schwieriger Vorbeugung und noch immer unbefriedigenden Therapien immer mehr als das Damoklesschwert über einer alternden Gesellschaft wahrgenommen.

Dr. Harald Prüß, Mediziner an der Klinik für Neurologie an der Charité, konnte nun zusammen mit seiner Arbeitsgruppe und Kooperationspartnern in Deutschland und den USA nachweisen, dass Demenzerkrankungen auch durch das Immunsystem hervorgerufen und so als Begleiterscheinung einer Autoimmun-Erkrankung therapierbar sein können. Dieser Ansatz wurde durch die bisherigen Diagnosekriterien übersehen. Bei den Patientinnen und Patienten dieser Studie, die an voranschreitenden Gedächtnisstörungen litten, konnte nachgewiesen werden, dass einige von ihnen eine Immunabwehr mit Antikörpern gegen einen Ionenkanal im Gehirn, einem sogenannten Glutamat-Kanal vom NMDA-Typ, entwickelt hatten.
Dadurch wurden bestimmte Eiweiße in der Nervenzell-Membran reduziert, was zu charakteristischen Funktionsstörungen der Nerven und zum Verlust von Synapsen führte. Die Betroffenen zeigten Gedächtnisstörungen und Auffälligkeiten von Stimmung und Affekt. Die Eliminierung dieser Antikörper mittels einer Blutwäsche sorgte für eine Besserung der Symptome bei verbessertem Hirnstoffwechsel im Bereich des Hippokampus, einem Teil des Gehirns, der für Gedächtnisleistungen besonders relevant und bei Demenzerkrankungen vorrangig betroffen ist.

„Durch die Ergebnisse dieser Studie kann sich möglicherweise eine ganz neue diagnostische Herangehensweise an Demenzerkrankungen ergeben. Derzeit arbeiten wir an Folgestudien mit größeren Untersuchungsgruppen, um unseren Ansatz weiter verifizieren zu können“, erläutert Harald Prüß. Er ergänzt: „Das verheißungsvolle Potential dieses neuen Ansatzes besteht darin, dass sich für eine ganze Gruppe von Demenzkranken, für die bislang keine spezifische therapeutische Option bestand, völlig neue Perspektiven ergeben könnten.“

* Prüss H, Höltje M, Maier N, Gomez A, Buchert R, Harms L, Ahnert-Hilger G, Schmitz D, Terborg C, Kopp U, Klingbeil C, Probst C, Kohler S, Schwab JM, Stoecker W, Dalmau J, Wandinger KP: IgA NMDA receptor antibodies are markers of synaptic immunity in slow cognitive impairment. Neurology. 2012 May 29;78(22):1743-53.

Kontakt:
Privatdozent Dr. Harald Prüß
Klinik für Neurologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 2311 2073
harald.pruess[at]charite.de

Dr. Julia Biederlack | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemie aus der Luft: atmosphärischem Stickstoff als Alternative

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Gebirge bereiten Boden für Artenreichtum

22.10.2018 | Geowissenschaften

Neuer Wirkstoff gegen Anthrax

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics