Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatz in der Dekubitusprophylaxe

01.10.2012
Department für Pflegewissenschaft der Uni Witten/Herdecke entwickelt mit drei Kooperationspartnern ein intelligentes Anti-Dekubitussystem

Das Wundliegen von immobilen oder teilimmobilen Patienten ist in der pflegerisch-medizinischen Versorgung ein weit verbreitetes Problem, das zu Druckgeschwüren führen kann.

Zusammen mit drei Kooperationspartnern hat es sich das Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke (UW/H) zum Ziel gesetzt, innovative Lösungen für diese Problemlage zu entwickeln. So wurde nun ein Anti-Dekubitussystem entwickelt, dass sich von den bisher am Markt verfügbaren Systemen vor allem durch eine intelligente Software unterscheidet, die die Lage des Patienten „erkennt“, dadurch eine optimale Einstellung ermöglicht und den Pflegenden Hinweise gibt, zu welchem Zeitpunkt ergänzende Maßnahmen zur Umlagerung erfolgen müssen.

Derzeit liegt der Anteil der Dekubitusfälle bei bettlägerigen Menschen nach verschiedenen veröffentlichten Studien bei ca. 30 Prozent. Die betroffenen Patienten leiden unter starken Schmerzen, einhergehend mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Eine Therapie von Druckgeschwüren ist nur mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand möglich.
Das Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung schätzt die Kosten für eine Dekubitustherapie auf bis zu 50.000 Euro pro Fall. Der daraus resultierende volkswirtschaftliche Schaden liegt jährlich im Bereich von einer bis zwei Milliarden Euro. Aus der prognostizierten demografischen Entwicklung in Europa kann für die kommenden Jahre eine stetige Zunahme des Anteils betroffener Menschen abgeleitet werden.

Dem soll das neue, intelligente Anti-Dekubitussystem entgegenwirken. Dabei wird in 20 unabhängigen Luftkammern mittels eines kontinuierlichen Luftstroms ein bestimmter Druck aufrechterhalten. Dieser führt je nach Programm zu einer größtmöglichen Druckentlastung. Gleichzeitig zeichnet das System die jeweilige örtliche Druckbelastung auf und kann so eine ggf. vorhandene Restmobilität des Patienten erkennen, dokumentieren und ein Signal geben, dass die Erforderlichkeit zusätzlicher Maßnahmen anzeigt.

Das Gesamtsystem zeichnet sich durch fünf wesentliche Innovationen aus:

- Lokalisierung druckbelasteter Stellen
- Erkennung der Größe der druckbelasteten Stelle
- automatische optimale Weichlagerung
- Erkennung der Nicht-Bewegung des Patienten nach einstellbaren Parametern wie der Zeit oder der Druckschwellwerte
- Fachpflegekräfte werden bei der Erkennung von Nicht-Bewegung unterstützt und erfahren im Bezug zum Patienten einen Lernprozess zur Verbesserung der Liegeeigenschaften

Die Entwicklung des intelligenten Anti-Dekubitussystems wurde im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert und nun sogar als ZIM-Erfolgsprojekt ausgezeichnet.

Der Markt und die Kunden

Potenzielle Einsatzbereiche des neuen Anti-Dekubitussystems sind Kliniken, Altenheime sowie speziell der häusliche Bereich. Hier erleichtert das neue System die Pflege von besonders hochgradig gefährdeten Menschen, weil durch die intelligente Steuerung die Möglichkeit besteht, die Dauer nächtlicher Lagerungsintervalle zu verlängern, so dass pflegende Angehörige nachts länger durchgehend schlafen können.

„Zwar reichen die bislang durchgeführten Messungen nicht aus, um die Erfolge auch wissenschaftlich fundiert zu belegen. Aber die ersten Ergebnisse stimmen mich sehr zuversichtlich“, erklärte Otto Inhester, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department für Pflegewissenschaft. „In dem System steckt ein enormes Potential, dass wir nun schrittweise weiter entwickeln werden. Schon heute kann man aber klar sagen, dass Pflegende ein Hilfsmittel bekommen, das sie bei der Durchführung der Prophylaxe gut und sicher unterstützen wird.“

Da das System eine spürbare Verbesserung für die Patienten darstellt und die Pflege deutlich erleichtert, rechnen die Entwickler mit einer guten Marktakzeptanz. Die Roadshow für das Anti-Dekubitussystem hat bereits begonnen, eine Vielzahl von stationären Einrichtungen hat bereits Interesse an dem neuen Produkt bekundet.

Die Kooperationspartner

Kooperationspartner der UW/H sind die Firma Hydrotechnik electronics, die Geräte und Anlagen für die Verfahrenstechnik plant, entwickelt, produziert und vertreibt, die Firma AirMed Plus, die im Bereich der Herstellung, Forschung und Entwicklung von Medizinprodukten tätig ist sowie das Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen, das Forschung und Lehre in den Fachbereichen Faserverbundwerkstoffe, Textile Herstellungsverfahren, Technische Textilien, Medizintextilien, Textile Fertigungs- und Prüftechnik, Textile Anwendungen, Qualitätssicherung und Simulation betreibt.

Die Fakultät für Gesundheit der UW/H forscht schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Integrativen und Personalisierten Gesundheitsversorgung und bildet im Department für Pflegewissenschaft Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler aus.

Weitere Informationen: www.zim-bmwi.de/erfolgsbeispiele
Kontakt: Otto Inhester, Otto.Inhester@uni-wh.de, 02302 / 926-243

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.450 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Jan Vestweber | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bekannte Arzneimittel – neue Wirkung im Kampf gegen Infektionen?
06.06.2019 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Erste zugelassene Gentherapie in der Augenheilkunde am Klinikum der LMU München durchgeführt
05.06.2019 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics