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Neue Therapien für retinale Gefäßerkrankungen

02.06.2010
Makulaödem durch Diabetes und Venenthrombose: Neue Therapien verbessern erstmals Sehschärfe

Für Patienten, die an einer Schwellung der Netzhautmitte (Makulaödem) bei diabetischer Retinopathie und Venenverschluss im Auge leiden, gibt es neue Therapieansätze.

Augenärzte injizieren einen Antikörper oder ein kleines Kortison-Implantat in den Augapfel der Patienten. Dadurch verbessert sich deren Sehleistung deutlich. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft im Vorfeld des World Ophthalmology Congress (WOC 2010) hin. Der weltgrößte Kongress zur Augenheilkunde findet Anfang Juni in Berlin statt.

Für das Blut aus der Netzhaut des Auges, der sogenannten Retina, gibt es nur einen einzigen „Abfluss”. Ist diese Zentralvene oder einer ihrer Äste durch eine Thrombose verstopft, kommt es zu schweren Sehstörungen bis hin zur Erblindung. „Der retinale Venenverschluss ist nach der diabetischen Retinopathie die häufigste Erkrankung der Blutgefäße im Auge”, erklärt Professor Dr. med. Gabriele Lang von der Universitäts-Augenklinik Ulm, die Programmdirektorin des WOC 2010. Die Erkrankung trete vor allem im höheren Alter auf. „Jenseits des 80. Lebensjahres sind 4,6 Prozent der Bevölkerung betroffen”, so Lang. Die Standardtherapie bestehe derzeit in einer Lasertherapie. Diese erziele jedoch nur eine begrenzte Wirkung.

Wesentlich günstiger sind die Behandlungsergebnisse mit dem Antikörper Ranibizumab. „Er wurde entwickelt, um den Wachstumsfaktor vascular endothelial growth factor (VEGF) bei altersbezogener Makuladegeneration zu hemmen”, erläutert die Expertin im Vorfeld des WOC 2010. Beim Venenverschluss treten Blutbestandteile aus den Gefäßen aus und lagern sich in die Netzhaut ein. Die Makula, der Ort des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, schwillt dadurch an. Infolge dessen verschlechtert sich die Sehschärfe.

In zwei kürzlich publizierten Studien wurde Ranibizumab beim retinalen Venenverschluss erprobt. In beiden Studien erhielten die Patienten ein halbes Jahr lang jeden Monat eine Injektion mit dem Antikörper oder eine Scheininjektion. An der BRAVO-Studie beteiligten sich 397 Patienten mit einem Venenastverschluss. Die Antikörper-Injektionen verbesserten hier die Sehstärke deutlich. „Nach sechs Monaten konnten die Patienten bei einer Dosis von 0,5 mg Ranibizumab im Durchschnitt 18,3 Buchstaben oder 3,7 Zeilen mehr auf der Sehtafel lesen. Die Patienten, die eine Scheininjektion erhielten, gewannen im Durchschnitt sieben Buchstaben oder 1,4 Zeilen”, berichtet Lang. Auch in der CRUISE-Studie, an der 392 Patienten mit Zentralvenenverschluss teilnahmen, kam es zu deutlichen Verbesserungen.

Als Lucentis® ist Ranibizumab in Deutschland zur Behandlung der alters¬bezogenen Makuladegeneration (AMD) zugelassen. „Augenärzte können also Lucentis® bereits off-label bei ihren Patienten mit retinalen Venenverschlüssen einsetzen”, berichtet Lang. Auf die zweite Therapie müssen die Patienten noch warten. In den USA wurde das Medikament Dexamethason mit dem Handelsnamen Ozurdex® bereits 2009 zugelassen. Die Expertin rechnet aber fest damit, dass die europäische Arzneibehörde EMEA in Kürze nachzieht. „Es handelt sich um ein kleines Implantat, das ebenfalls ins Auge injiziert wird”, erklärt Lang. Dort setzt es kontinuierlich ein stark wirksames kortisonähnliches Medikament frei, das die Schwellung in der Makula bessert. „Bei 20 bis 30 Prozent der 1 300 Patienten stieg sich die Sehschärfe nach zwei Monaten um drei Zeilen auf der Sehtafel“ an, so Lang.

Im Mai 2010 gab der Hersteller von Lucentis® bekannt, dass nach den Ein-Jahres-Daten der sogenannten RESTORE-Studie die Therapie des diabetischen Makulaödems mit Ranibizumab signifikant effektiver ist als die Standardtherapie mit dem Laser. Experten aus aller Welt werden diese vielversprechenden neuen Entwicklungen in der Behandlung von Netzhauterkrankungen auf dem WOC 2010 in Berlin diskutieren.

Literatur:
BRAVO-Studie: Campochiaro PA et al: Ranibizumab for macular edema following branch retinal vein occlusion, Ophthalmology 2010 Apr 14. [Epub ahead of print]
CRUISE-Studie: Brown DA et al: Ranibizumab for macular edema following central retinal vein occlusion, Ophthalmology 2010 Apr 8. [Epub ahead of print]

Haller JA et al: Randomized, sham-controlled trial of dexamethasone intravitreal implant in patients with macular edema due to retinal vein occlusion. Ophthalmology 2010 [Epub ahead of print]

Mit dem World Ophthalmology Congress (WOC 2010) richtet Deutschland 2010 den größten internationalen Fachkongress zum Thema Augenheilkunde aus. Neben dem 32. International Congress of Ophthalmology (ICO) finden auch der 108. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) unter dem Dach des WOC 2010 statt. Die AAD-Kurse werden vom 3. bis zum 6. Juni 2010 in deutscher Sprache abgehalten. Vom 5. bis zum 9. Juni schließt sich das internationale Programm in englischer Sprache an. Die Veranstalter erwarten mehr als 10 000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern.

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark
Pressestelle WOC 2010
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-572
Fax: +49 (0)711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.woc2010.de

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