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Neue Therapieansätze von Infektionen nach Transplantation

16.12.2009
Eine Transplantation mit Stammzellen des Blutes ist für viele Patienten mit malignen Erkrankungen die einzige lebensrettende Maßnahme.

Als Folge dieser Therapie sind die Patienten jedoch für Monate bis Jahre immunsupprimiert. Während dieser Zeit sind sie einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Erkrankungen, die durch das humane Cytomegalovirus (HCMV), einem Herpesvirus, ausgelöst werden, sind eine gefürchtete Komplikation, da es hier zu lebensbedrohlichen Infektionsverläufen kommen kann.

Die Chemotherapie des Erregers ist problematisch, da die verfügbaren Substanzen erhebliche Nebenwirkungen haben. Deshalb wird in den letzten Jahren verstärkt an Strategien gearbeitet, die Immunantwort gegen das Virus im Patienten zu verbessern. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt suchen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Mediziner der Universitätsklinik Würzburg gemeinsam nach einem neuen Konzept der Immuntherapie der HCMV-Infektion bei Transplantationspatienten.

Herpesviren sind weltweit verbreitete Erreger mit hohen Durchseuchungsraten von 40% bis zu nahezu 100% bei den einzelnen Vertretern. Die primäre Infektion verläuft in der Regel ohne klinische Symptome, so daß in der Mehrzahl der Infizierten die Infektion nicht bemerkt oder diagnostiziert wird. Kommt es zu einer symptomatischen Infektion, treten so unterschiedliche Erkrankungen auf wie z.B. Windpocken (hervorgerufen durch das Varizella-Zoster-Virus), Herpes labialis (Herpes simplex Virus) oder Pfeiffersches Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus). Die primäre Infektion mit HCMV in einem gesunden Menschen kann sich in seltenen Fällen in Grippe-ähnlichen Symptomen bemerkbar machen.

Allen Herpesviren gemeinsam ist die spezifische Eigenschaft, nach der Primärinfektion lebenslang im Körper zu verbleiben. Während dieser sog. Persistenz werden keine nennenswerten Mengen an infektiösen Viren gebildet und es treten keine Krankheitssymptome auf. Ursache dafür ist die Kontrolle des Virus durch das Immunsystem. Vor allem zwei unterschiedliche Mechanismen tragen zu dieser Kontrolle bei: Zytotoxische T-Zellen ("Killer Zellen"), die Virus-infizierten Körperzellen eliminieren und Antikörper, die in der Lage sind, die Infektiosität von freien Viren zu neutralisieren.

Treten Defekte in einzelnen Komponenten der Immunantwort oder im gesamten Immunsystem auf, kann es zu einer Reaktivierung der Virusvermehrung, die zu einer symptomatischen Erkrankung führen kann, kommen. Paradebeispiel ist hier der immer wiederkehrende Lippenherpes (Herpes labialis). Patienten nach der Transplantation von Stammzellen des blutbildenden Systems haben in der frühen Phase nach der Transplantation kein voll funktionsfähiges Immunsystem. Endogen persistierende Herpesviren können sich in dieser Phase ungehemmt vermehren. Eine exogene Infektionsquelle ist hierfür nicht notwendig.

Vorarbeiten der beteiligten Wissenschaftler hatten ergeben, dass Gedächtnis B-Zellen (GBZ) vor dem tödlichen Verlauf einer Cytomegalovirus-Infektion in immunsupprimierten Tieren schützen können. GBZ sind eine zentrale Komponente des Immunsystems. Sie werden nach jedem Kontakt mit Infektionserregern gebildet und überleben für Jahrzehnte im Körper. Sie sind wichtige Zellen für die Produktion von Antikörpern, die wiederum Virusinfektionen neutralisieren können. Über die Regeneration und Bedeutung von GBZ für den Verlauf einer Virusinfektion nach Stammzell-Transplantation ist sehr wenig bekannt. In dem Forschungsprojekt wird daher die Rekonstitution der GBZ in Transplantationspatienten untersucht. Die Ergebnisse sollen die Basis für eine neuartige Therapie mit Hilfe von GBZ zur Immunprophylaxe von Infektionen darstellen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Michael Mach, Institut für Klinische und Molekulare Virologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, Schloßgarten 4, 91054 Erlangen, Tel.: +49 9131 8522487, e-mail: Michael.Mach@viro.med.uni-erlangen.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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