Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Strategien gegen den Schlaganfall

01.09.2011
Mehr als 150.000 Deutsche pro Jahr erleiden einen Schlaganfall. 20 Prozent von ihnen sterben daran. Auf dem größten deutschsprachigen Neurologenkongress Ende September in Wiesbaden diskutieren über 4000 Experten die Vorbeugung, Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung: So zählt die Hypothermie, also das Herabsetzen der Körpertemperatur, zu den vielversprechenden Therapieneuheiten.

Moderne Gehirnscan-Verfahren sollen den Zeitpunkt eines Schlaganfalls im Nachhinein besser eingrenzen, damit noch mehr Patienten von der individuell besten Behandlung profitieren können. Beide Methoden werden derzeit im Rahmen von umfangreichen europäischen Forschungsprojekten unter deutscher Leitung untersucht.

„Würden alle Möglichkeiten der Prävention ausgeschöpft, so könnten wir das Schlaganfallrisiko um insgesamt 80 Prozent verringern“, macht Prof. Hans‐Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen, den Nutzen der häufig unterschätzten präventiven Maßnahmen deutlich. Dabei stellt die Behandlung eines Bluthochdrucks den wichtigsten protektiven Faktor dar – und dies nicht nur beim Hirn-, sondern auch beim Herzinfarkt.

Obwohl beide ischämische Ereignisse häufig auf einer Arteriosklerose beruhen, gibt es auch Unterschiede in der Prävention: So scheinen die sehr häufig eingesetzten cholesterinsenkende Statine in der Primarprävention des Schlaganfalls im Gegensatz zum Herzinfarkt keinen schützenden Effekt zu haben. Ein weiterer Unterschied: Moderates Übergewicht ist, anders als beim Herzinfarkt, kein ernstzunehmender Risikofaktor für einen Schlaganfall. Ärzte müssen deshalb ihre Patienten ganz individuell über Risiken dieser beiden Volkskrankheiten aufklären.

Unterkühlung ist eine heiße Spur

Die Hypothermie spielt in der Therapie von Hirnschäden nach Reanimation und der Versorgung von Neugeborenen mit Sauerstoffmangel bereits heute eine wichtige Rolle. Die internationale randomisierte Phase-3-Multizenterstudie EuroHYP-1 unter der Leitung von Prof. Stefan Schwab, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, will nun zu zeigen, dass das Abkühlen der Körpertemperatur auch bei ischämischen Schlaganfällen wertvolles Hirngewebe bewahren kann.

„Beginnt man die Patienten bis spätestens sechs Stunden nach den ersten Symptomen auf Temperaturen um die 34°C herunterzukühlen, kann man doppelt so viel Hirngewebe retten wie beispielsweise mit einer alleinigen Thrombolyse“, berichtet Schwab. Rund 500.000 Patienten könnte die neue Methode im Jahr helfen.

Der Faktor Zeit entscheidet über die Behandlung – was tun, wenn man ihn nicht kennt?

Liegt der Schlaganfall länger als 4,5 Stunden zurück, empfehlen Richtlinien, eine thrombolytische Therapie – also das Auflösen von Blutgerinnseln – nicht mehr zu beginnen. Das betrifft überwiegend Patienten, die den Schlaganfall bereits im Schlaf erleiden, die aber die Symptome erst nach dem Aufwachen bemerken (Wake-Up-Stroke). Alleine in Europa sind hiervon jährlich 120.000 Menschen betroffen. Die WAKE-UP-Studie untersucht nun ein neues Verfahren, das mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) eindeutig zu klären versucht, ob ein Schlaganfall bereits zu lange zurückliegt.

„Mit einer Genauigkeit von 80 bis 90 Prozent kann das Verfahren diese zentrale Frage beantworten“, verspricht Prof. Christian Gerloff, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „So könnte bald jeder, der mit Symptomen erwacht, im Krankenhaus ein MRT bekommen und die Chance auf eine Thrombolyse erhalten“, verdeutlicht der Neurologe die Relevanz der neuen Methode.

Hinweis für die Medien

Alle Themen werden auf der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im Rahmen von Pressekonferenzen näher erläutert. Prof. Diener erläutert am Donnerstag, 29.09., 9:45 bis 10:45 Uhr, wie man sich vor dem Schlaganfall schützen kann. Am Freitag, 30.09., 10:00 bis 11:00 Uhr berichtet Prof. Schwab von der Forschung zur Hypothermie und Prof. Gerloff zu den Wake-Up-Strokes.

Weitere Informationen unter http://www.dgn.org/presse.

Für alle Rückfragen
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Tel.: +49 (0)89-46148622
E-Mail: presse@dgn.org
Im Internet
http://www.dgn.org
http://www.dgn2011.de
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.
1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Pressesprecher : Prof. Dr. Hans-Christoph Diener
Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Reinhardtstr. 14
10117 Berlin
Tel: +49 (0)30-531437-930
Fax: +49 (0)30-531437-939
E-Mail: info@dgn.org

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org/
http://www.dgn2011.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Blutgerinnung und Enzym: Entscheidender Zusammenhang bei der MS entdeckt
18.12.2018 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New megalibrary approach proves useful for the rapid discovery of new materials

Northwestern discovery tool is thousands of times faster than conventional screening methods

Different eras of civilization are defined by the discovery of new materials, as new materials drive new capabilities. And yet, identifying the best material...

Im Focus: Wie Bakterien ein Antibiotikum ausschalten

Forscher des HZI und HIPS haben entdeckt, dass resistente Bakterien den Wirkstoff Albicidin mithilfe eines massenhaft gebildeten Proteins einfangen und inaktivieren

Gegen die immer häufiger auftauchenden multiresistenten Keime verlieren gängige Antibiotika zunehmend ihre Wirkung. Viele Bakterien haben natürlicherweise...

Im Focus: How bacteria turn off an antibiotic

Researchers from the HZI and the HIPS discovered that resistant bacteria scavenge and inactivate the agent albicidin using a protein, which they produce in large amounts

Many common antibiotics are increasingly losing their effectiveness against multi-resistant pathogens, which are becoming ever more prevalent. Bacteria use...

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Natürliche Nanofasern aus Zellulose

19.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Studie zu Mikroben-DNA: Künstliche Intelligenz hilft, die Umwelt zu überwachen

19.12.2018 | Studien Analysen

Stoffwechsel-Innovation in der Evolution von E. coli entstand durch eine einzige Genübertragung

19.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics