Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Hemmstoffe gegen Krebs

27.06.2013
Das Neuroblastom ist eine bösartige Krebserkrankung, die vor allem Kleinkinder trifft. Würzburger Wissenschaftler stellen im Fachblatt „Cancer Cell“ jetzt neue Hemmstoffe vor, die das Wachstum dieser Tumore aufhalten können.
Neuroblastome sind eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern, die noch nicht älter als ein Jahr sind. Sie entstehen, wenn bestimme Nervenzellen entarten und – meist im Bauch der Kinder – größere Geschwulste bilden. Pro Jahr werden in Deutschland rund 130 Fälle diagnostiziert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Tumorarten kann es bei Neuroblastomen zu spontanen Selbstheilungen kommen. Bei den meisten Patienten lässt sich diese Krebsart auch gut mit herkömmlichen Therapeutika behandeln. Bei 20 Prozent der Fälle allerdings sind die Heilungs- und Überlebenschancen schlecht. Der Grund: Die Tumoren bilden Metastasen, die kaum auf die üblichen Arzneimittel ansprechen.

Warum der Tumor aggressiv wird

„Der wichtigste Faktor für eine schlechte Prognose ist eine Vervielfachung des MYCN-Gens“, sagt Professor Martin Eilers vom Biozentrum der Universität Würzburg. Dadurch komme es zu einer erhöhten Produktion des MYCN-Proteins, und dieses werde für das aggressive Wachstum und die Therapieresistenz der Tumore verantwortlich gemacht.

Das MYCN-Protein regt das Zellwachstum an. In normalen Zellen kann es nur für einen kurzen Augenblick wirken, weil es sehr schnell wieder abgebaut wird. Anders liegen die Dinge in Neuroblastomen: Dort ist das Protein vor dem schnellen Abbau geschützt, denn es ist an ein Partnerprotein (Aurora-A) gebunden. Das hat die Arbeitsgruppe von Martin Eilers 2009 gezeigt.

Wie die neuen Hemmstoffe wirken

Nun ist der Würzburger Forschungsgruppe mit einem internationalen Team ein weiterer Fortschritt gelungen: Sie haben neue Hemmstoffe identifiziert, die den Komplex zwischen Aurora-A und MYCN aufbrechen können. Werden aggressive Neuroblastome damit behandelt, stellen sie ihr Wachstum ein. Das haben zumindest Versuche am Mausmodell ergeben.

„Das zeigt uns möglicherweise einen Weg, um neue und bessere Wirkstoffe gegen diesen aggressiven Tumor zu entwickeln“, so Eilers. Andere, bereits seit längerem bekannte Hemmstoffe gegen das Protein Aurora-A werden dem Professor zufolge in den USA bereits in ersten klinischen Studien erprobt.

Die Hemmstoffe gegen Aurora-A sind zudem für die Therapie anderer Krebsarten interessant: Auch in besonders aggressiven Prostata-Karzinomen liegt die unheilvolle Verbindung aus Aurora-A und dem MYCN-Protein vor.

„Small Molecule Inhibitors of Aurora-A Induce Proteasomal Degradation of N-Myc in Childhood Neuroblastoma”, Markus Brockmann, Evon Poon, Teeara Berry, Anne Carstensen, Hedwig E. Deubzer, Lukas Rycak, Yann Jamin, Khin Thway, Simon P. Robinson, Frederik Roels, Olaf Witt, Matthias Fischer, Louis Chesler, Martin Eilers, Cancer Cell, 20. Juni 2013, DOI 10.1016/j.ccr.2013.05.005

Kontakt

Prof. Dr. Martin Eilers, Biozentrum der Universität Würzburg, T (0931) 888-4442, martin.eilers@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Uni Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Modernste Diagnostik eröffnet neue Perspektiven für eine "personalisierte“ Medizin
14.08.2018 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ist Salz besser als sein Ruf?
10.08.2018 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics