Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Einblicke in die genetische Architektur der Parkinson-Krankheit

16.07.2012
Wissenschaftler am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Universitätsklinikum Tübingen haben als Leiter einer internationalen Studie die Bedeutung neuer genetischer Risiko-Faktoren für die Parkinson-Krankheit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen nachgewiesen.

Die Studie basiert auf der genetischen Untersuchung von mehr als 17.000 Patienten und gesunden Kontrollpersonen. Erstmals belegt die Studie als eine der bisher größten genetischen Untersuchungen zur Parkinson-Krankheit die Bedeutung von Risiko-Genen für die Krankheitsentstehung nicht nur für die Bewohner der westlichen Hemisphäre, sondern auch für die Bevölkerung im asiatisch-pazifischen Bereich (Neurology 11.07.2012).

Durch den rasanten technischen Fortschritt bei genetischen Untersuchungen können große Patientengruppen mit relativ geringem Zeitaufwand auf Risiko-Gene für die Parkinson-Krankheit untersucht werden. Dabei werden typischerweise Parkinson-Patienten aus bestimmten Regionen, wie zum Beispiel aus Westeuropa oder den USA, untersucht. Bisher war es aber unklar, ob und inwieweit die gefundenen Risikofaktoren sich auch auf andere Bevölkerungsgruppen weltweit übertragen lassen.

Um diesem Problem zu begegnen, hatten Tübinger Ärzte und Forscher bereits im Jahre 2004 gemeinsam mit Kollegen aus den USA ein Konsortium zur Erforschung der genetisch-epidemiologischen Ursachen der Parkinson-Krankheit (GEO-PD) gegründet. Die aktuelle Studie entstand im Rahmen dieses Konsortiums in Zusammenarbeit von Parkinson-Spezialisten aus 19 Ländern und vier Kontinenten und wurde durch Fördermittel der Michael J. Fox Stiftung (MJFF) unterstützt.

Die auf diese Weise zusammengetragenen DNA-Proben von mehr als 17.000 Patienten und Kontrollpersonen haben es nun erstmals ermöglicht, die Ergebnisse großer Genom-weiter Assoziationsstudien in verschiedenen Patienten-Populationen weltweit zu überprüfen und hinsichtlich ihrer Bedeutung in der jeweiligen Bevölkerung einzuordnen. Dabei zeigt die Studie die besondere Bedeutung des bevölkerungsspezifischen Kontextes bei der Interpretation und Gewichtung der genetischen Risikofaktoren.

Anhand der Studie können Risiko-Gene für die Parkinson-Krankheit benannt werden, die über Verlaufsuntersuchungen der betroffenen Merkmalsträger eine Aussage zum natürlichen Voranschreiten der Erkrankung ermöglichen. Dies ist ein erster Schritt in Richtung einer zukünftigen personalisierten Risiko-Modellierung für Träger der verschiedenen Genveränderungen.

Originaltitel der Publikation: Large scale replication and heterogeneity in Parkinson desease genetic loci

Veröffentlicht in: Neurology „ahead of print“, 11.07.2012. Neurology ist das offizielle Organ der Amerikanischen Akademie für Neurologie.

doi: 10.1212/WNL.0b013e318264e353

Autoren:
Manu Sharma, John P.A. Ioannidis, Jan O. Aasly, Grazia Annesi, Alexis Brice, Christine Van Broeckhoven, Lars Bertram, Maria Bozi, David Crosiers, Carl Clarke, Maurizio Facheris, Matthew Farrer, Suzana Gispert, Georg Auburger, Carles Vilariño-Güell, Georgios M. Hadjigeorgiou , Andrew A. Hicks, Nobutaka Hattori, Beom Jeon, Suzanne Lesage, Christina M Lill, Juei-Jueng Lin, Timothy Lynch, Peter Lichtner , Anthony E Lang , Vincent Mok, Barbara Jasinska-Myga , George D. Mellick, Karen Morrison, Grzegorz Opala, Peter P. Pramstaller, Irene Pichler, Sung Sup Park, Aldo Quattrone, Ekaterina Rogaeva , Owen A. Ross, Leonidas Stefanis, Joanne D Stockton, Wataru Satake, Peter A. Silburn , Jessie Theuns, Eng King Tan, Tatsushi Toda, Hiroyuki Tomiyama, Ryan J. Uitti, Karin Wirdefeldt, Zbigniew Wszolek, Georgia Xiromerisiou, Kuo-Chu Yueh, Yi Zhao, Thomas Gasser, Demetrius Maraganore, Rejko Krüger on behalf of the GEOPD consortium. Worldwide replication and heterogeneity in Parkinson disease genetic loci (2012)

Kontakte

Prof. Dr. Rejko Krüger
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH),
Universitätsklinikum Tübingen,
Zentrum für Neurologie
Telefon: 07071-29-82342
E-Mail: rejko.krueger@uni-tuebingen.de
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
Externe Pressestelle
Kirstin Ahrens
Telefon: 07073-500 724, Mobil: 0173-300 53 96
E-Mail: mail@kirstin-ahrens.de
Universitätsklinikum Tübingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Ellen Katz
Telefon: 07071-29 80 112
E-Mail: Ellen.Katz@med.uni-tuebingen.de

Kirstin Ahrens | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics