Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nervenschmerzen verlässlich messen

27.01.2011
Einschießende Schmerzen, Brennen und Kribbeln mit verminderter Wahrnehmung von Kälte und Wärme bis hin zur Taubheit sind typisch für neuropathische Schmerzen.

Mit Hilfe der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) lässt sich die Symptomatik mit einfachen Mitteln genau analysieren. Dass das Verfahren auch verlässlich ist, zeigt der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS) jetzt in der Fachzeitschrift „Pain“. Voraussetzung sind eine Standardisierung der QST-Messreihe und einheitliche Schulungen der Untersucher.

Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung oder Erkrankung von Nervenfasern. Die Diagnose stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar, da das Beschwerdebild sehr vielfältig ist. Zwar gibt es typische Symptome, doch können diese im Prinzip in jeder beliebigen Kombination miteinander auftreten und das ganz unabhängig von der Grunderkrankung.

QST nach standardisierter Art ist verlässlich

Die Quantitativ Sensorische Testung (QST) ermöglicht mit einfachen Tests eine umfassende Analyse der neuropathischen Schmerzsymptomatik. Das Verfahren konnte sich in den letzten Jahren weltweit etablieren. „Entgegen früherer Studien konnten wir nun erstmals in einer Multicenter-Studie zeigen, dass die QST ein verlässliches diagnostisches Verfahren ist, das bei wiederholter Anwendung beim gleichen Patienten, auch durch unterschiedliche Untersucher, zu den gleichen Ergebnissen kommt. Entscheidend ist ein einheitliches Training der QST-Methodik durch die Untersucher sowie eine Standardisierung der Testreihe“, erklärt Dr. Christian Geber, Universität Mainz.

Insgesamt wurden 60 Patienten mit Nervenschädigungen verschiedener Ursache in die multizentrische Studie eingeschlossen. Um den Einfluss des einzelnen Untersuchers auf die QST-Ergebnisse zu prüfen, wurden gleiche Patienten durch zwei verschiedene Ärzte aus unterschiedlichen Studienzentren untersucht. Eine weitere Fragestellung war inwieweit der Patient und die wiederholte Testung die QST-Ergebnisse beeinflussen. Entsprechend wurden dieselben Patienten an zwei aufeinander folgenden Tagen mittels QST untersucht. Im Unterschied zu vergleichbaren Studien haben alle beteiligten Ärzte die QST-Testreihe nach DFNS-Standard angewandt sowie eine einheitliche QST-Schulung im Verbund durchlaufen. Die QST-Ergebnisse waren damit erstmals gut reproduzierbar, was bei standardisiertem Testprotokoll und Anwendung für eine gute Verlässlichkeit des Verfahrens spricht.

DFNS sichert hohen Qualitätsstandard

Die standardisierte QST-Batterie des DFNS umfasst sieben Tests und ein einfaches Instrumentarium wie Stimmgabel, Pinsel und Wattebausch. Erfasst werden die Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen für Kälte, Wärme und diverse mechanische Reize. Damit erlaubt die QST nach dem Protokoll des DFNS Aussagen darüber, ob möglicherweise ein neuropathischer Schmerz vorliegt und welche Schmerzfasern genau, z.B. dünne oder dicke Nervenfasern, betroffen sind.

Schulungen des Forscherteams um Prof. Rolf-Detlef Treede, Mannheim, sicherten die standardisierte Anwendung der QST im DFNS. Mit Hilfe der QST-Batterie konnte der Verbund bis heute mehr als 4000 Patienten sowie 180 gesunde Probanden untersuchen. Deren Daten werden in einer zentralen Datenbank von der Arbeitsgruppe um Prof. Christoph Maier, Bochum, verwaltet. Durch den direkten Vergleich der Patientendaten mit den gesunden Probanden konnte der DFNS geschlechts- und altersspezifische Normwerte für jeden QST-Wert ermitteln. Die zunehmende Verbreitung der QST erforderte weitere Standardisierungen, um den hohen Qualitätsstandard zentrumsübergreifend zu etablieren und zu gewährleisten. Entsprechend hat der DFNS zusammen mit der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) Zertifizierungsrichtlinien entwickelt. Auf Grundlage dieser Richtlinien können QST-Labore das Zertifikat „Quantitative Sensorische Testung nach Profilen des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz“ erwerben.

Literatur:
Geber C, Klein T, Azad S, Birklein F, Gierthmühlen J, Huge V, Lauchart M, Nitzsche D, Stengel M, Valet M, Baron R, Maier C, Tölle T, Treede RD (2011) Test-retest and interobserver reliability of quantitative sensory testing according to the protocol of the German Research Network on Neuropathic Pain (DFNS): A multi-centre study. Pain [Epub ahead of print](doi:10.1016/j.pain.2010.11.013)

Bildmaterial: Zum Download unter http://www.neuro.med.tu-muenchen.de/dfns/presse/bilder_PI_QST_Reliabilitaet_27012011.html

Über den Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS)

Ziel des DFNS ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit neuropathischen Schmerzen grundlegend zu verbessern. Der Verbund wird seit 2002 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und hat bis zum Jahre 2012 eine außerordentliche weitere Förderung erhalten, um sich zu einer dauerhaften Forschungsinstitution in Deutschland zu verstetigen. Im Netzwerk mit den beiden europäischen Forschungsverbünden Neuropain und Europain widmet sich der DFNS seit 2010 auch international der Erforschung chronischer Schmerzen und der Optimierung der Therapie. Sprecher des DFNS sind Prof. Dr. Ralf Baron (Kiel) und Prof. Dr. Dr. Thomas R. Tölle (München). Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.

http://www.neuropathischer-schmerz.de

Ansprechpartner:
Dr. med. Christian Geber
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsmedizin der
Johannes Gutenberg-Universität
Langenbeckstrasse 1
55131 Mainz
Tel.: 06131-17-5486
E-Mail: geber@uni-mainz.de
Pressekontakt DFNS:
Vedrana Romanovic
Geschäftsstelle Deutscher Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz
Neurologische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Ismaninger Str. 22
81675 München
Tel.: 089 - 4140 – 4628
E-Mail: romanovic@lrz.tum.de

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.neuropathischer-schmerz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Essigsäure steuert Immunzellen für eine präzise orchestrierte Abwehr
05.08.2020 | Universität Basel

nachricht Den Ursachen von schwarzem Hautkrebs auf der Spur
04.08.2020 | Deutsche Krebshilfe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics