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Mit Letermovir lebensbedrohlichen Cytomegalievirus-Infektionen vorbeugen

21.03.2018

Die Ergebnisse einer großen Phase III-Studie unterstreichen: Mit dem Wirkstoff Letermovir kann man einer der schwersten Infektionen bei immungeschwächten Patienten sicher vorbeugen. An der Entwicklung der antiviralen Substanz und der aktuellen Studie waren zwei Experten des Uniklinikums Würzburg maßgeblich beteiligt.

„Dies ist vor allem eine gute Nachricht für künftige Knochenmark-, Stammzell- oder Organtransplantierte. Mit dem Wirkstoff Letermovir steht uns bald eine neue Standard-Therapie zur Verfügung, mit der wir bei diesen häufig immunsupprimierten Patienten einer Infektion mit dem Cytomegalievirus wirksam und nebenwirkungsarm vorbeugen können“, betont Prof. Dr. Hermann Einsele.


Das mikroskopische Bild zeigt eine Cytomegalievirus-Infektion in der Lunge. Im Zentrum sind die typischen Riesenzellen zu erkennen.

Bild: CDC/Dr. Edwin P. Ewing, Jr. (PHIL #958), 1982

Der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg (UKW) stützt sich bei dieser Aussage auf die Ergebnisse einer knapp zweijährigen Studie, die Ende vergangenen Jahres in der international hoch angesehenen Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden.

Prof. Einsele und Prof. Ullmann als Co-Autoren

Von Seiten des UKW war neben Prof. Einsele auch Prof. Dr. Andrew Ullmann Co-Autor der Publikation. Wie Prof. Einsele arbeitet auch Prof. Ullmann – derzeit beurlaubt für seine Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag – schon seit über einem Jahrzehnt an der Entwicklung und Erprobung von Letermovir mit. Der Experte für Viren- und Pilzinfektionen erläutert:

„Ohne klinische Forschung in Deutschland wären solche Ergebnisse nicht möglich. Die klinische Forschung leistet einen bedeutsamen Beitrag zum Wohlergehen unserer Patienten, von denen bis zu 60 Prozent den Cytomegalievirus in sich tragen. Dieser Virus kann gerade bei immungeschwächten Menschen schwere Krankheiten auslösen, weshalb die Beteiligung von Patienten an klinischen Studien im universitären Umfeld für den medizinischen Fortschritt unverzichtbar ist.“

Infektionsgefahr bei schwachem Immunsystem

Die Erstinfektion verläuft in den allermeisten Fällen ohne Krankheitssymptome, sie wird von den Betroffenen normalerweise gar nicht bemerkt. Allerdings verbleibt das Virus danach latent im Körper und wird vom Immunsystem in Schach gehalten. „Gefährlich werden kann es, wenn das Immunsystem ausgeschaltet oder zumindest stark geschwächt ist. Dies ist zum Beispiel bei Knochenmark-, Stammzell- oder Organtransplantierten der Fall“, berichtet Prof. Ullmann. Bei diesen Patienten kann das Cytomegalievirus wieder aktiv werden und dann beispielsweise die Netzhaut oder die Lunge befallen – es drohen Blindheit oder Tod.

Bisher auf dem Markt dagegen verfügbare Medikamente haben schädigende Nebenwirkungen auf die Blutbildung im Knochenmark oder auf die Nieren. Deshalb forschen deutsche und US-amerikanische Wissenschaftler/innen seit einigen Jahren an einem neuen Wirkstoff mit dem Namen Letermovir, der an einer anderen Stelle im Vermehrungszyklus des Virus im Vergleich zu den gängigen Medikamenten ansetzt.

Viren werden sicher unterdrückt

An der kürzlich publizierten multizentrischen, doppel-blinden Phase III-Studie nahmen insgesamt 565 Empfänger allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantationen in den USA und Deutschland teil. Bei ihnen wurde über DNA-Untersuchungen vorab geklärt, ob sie das Virus in sich tragen.

Die Betroffenen erhielten dann nach der Transplantation 14 Wochen lang Letermovir oder ein Scheinmedikament. Es zeigte sich, dass mit der vorbeugenden Gabe von Letermovir das Virus deutlich unterdrückt werden kann: In dieser Gruppe entwickelten 38 Prozent der Teilnehmer eine klinisch signifikante Cytomegalievirus-Infektion, in der Placebo-Gruppe 61 Prozent.

Letermovir ist in den USA seit November 2017 unter dem Namen Prevymis als Arzneimittel zugelassen. Im gleichen Monat empfahl die Europäische Arzneimittelagentur auch die Marktzulassung in Europa. „Wir hoffen, dass diese bald erfolgt, damit auch wir in Deutschland nun bald Prevymis als Standard-Therapie einsetzen können“, sagt Prof. Einsele.

Susanne Just | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ukw.de

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