Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zu kurzer Schlaf wirkt auf Autofahrer wie Alkohol

17.02.2009
Grazer Neurologe stellt Müdigkeitskontrolle im Verkehr in Aussicht

Gestörter Schlaf bedeutet ein extremes Unfallrisiko, denn jeder dritte Verkehrsunfall geht auf ein Schlafdefizit des verursachenden Autolenkers zurück. Gleichzeitig ist jeder dritte Autofahrer und jeder zweite LKW- und Buslenker übermüdet.

Das betont Manfred Walzl, Neurologe und Psychiater der Landesnervenklinik Graz, anlässlich einer Pressekonferenz der Initiative Gesunder Schlaf am heutigen Dienstag in Wien. Gefährlich ist die Müdigkeit vor allem durch die ausbleibende Aufmerksamkeit, die im schlimmsten Fall zum Einschlafen hinter dem Steuer führt. Spanische Studien haben gezeigt, dass Tagesmüdigkeit die Unfallgefahr versechsfacht, in Kombination mit Alkohol ist das Risiko gar elfmal höher. "Wer nachts nur vier Stunden geschlafen hat, reagiert als hätte er 0,5 Promille Alkohol im Blut. Bei einer durchwachten Nacht verschlechtert sich die Reaktion auf einen Wert, der 0,8 Promille entspricht", so Walzl.

Unfallstatistiker kämpfen bisher noch mit dem Problem, Autounfälle eindeutig als Folgen der Übermüdung zu identifizieren. "Neben den Unfällen, die eindeutig auf Schläfrigkeit zurückgeführt werden können, gibt es eine hohe Zahl von Unfällen aus fehlender Aufmerksamkeit.

Doch diese verlaufen meist nach dem Schema, dass junge männliche Lenker von der Straße abkommen, womit sich ebenfalls Übermüdung als Ursache vermuten lässt", so Walzl gegenüber pressetext. Jeder dritte Unfall insgesamt und jeder vierte tödliche Unfall im Straßenverkehr sei demnach durch Müdigkeit verschuldet. Walzl fordert bessere Checklisten für die Exekutive, um bei Unfalllenkern Anzeichen für Schläfrigkeit besser festzustellen, wird doch die Übermüdung am Steuer vor Gericht mittlerweile wie Alkoholisierung behandelt.

Objektivierbar ist die Übermüdung erst seit kurzem durch den pupillometrischen Schläfrigkeitstest, der den Unruheindex der Pupillen als Maß für Fahruntüchtigkeit aufgrund von Müdigkeit erhebt. Entsprechende Geräte könnten in Zukunft bei Verkehrskontrollen eingesetzt werden, stellt Walzl in Aussicht. "Derzeit sind die Apparate noch zu groß für den mobilen Einsatz. Wenn dieses Problem jedoch in etwa fünf Jahren gelöst ist, könnte damit gleichzeitig auch das Drogenscreening erfolgen."

Der Autofahrerclub ÖAMTC http://www.oeamtc.at sieht solche Maßnahmen mit Skepsis. "Für eine ordentliche Untersuchung der Müdigkeit müssten Rahmenbedingungen wie die 15-minütige Wartezeit gewährleistet sein. Außerdem ist eine bessere Unterscheidung zwischen der Auswirkung von Drogen oder von Müdigkeit nötig", gibt Marion Seidenberger-Wutzl, ÖAMTC-Verkehrspsychologin, im pressetext-Gespräch zu bedenken. Walzl verweist hingegen auf aktuelle Geräte, die diese Trennung bereits vornehmen.

Einige Autohersteller hätten bisher mit dem Einbau von Systemen begonnen, die das Einschlafen verhindern sollen. Die Erhebung der Müdigkeit folgt jedoch nach anderem Muster als dem der Pupillenmessung. "Bestimmte Mercedes-Modelle analysieren das Lenkverhalten und warnen über den Bordcomputer, wenn unnötige Lenkausschläge registriert werden." Andere Modelle beobachten die Lidschläge der Augen oder die Stimme des Fahrers.

"Doch alle diese Mechanismen sind unnötig, wenn man auf die Signale des Körpers achtet", so Walzl. Nach festgestellter Müdigkeit sei es am besten, eine Fahrpause einzulegen. "Daneben ist auch ausreichendes Trinken wichtig. Denn zwei Prozent weniger Körperflüssigkeit im Kreislauf vermindert die Aufmerksamkeit bereits um ein Viertel", so der Grazer Mediziner abschließend gegenüber pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.lsf-graz.at
http://www.gesunder-schlaf.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics