Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebsimmuntherapie: Erste deutsche klinische Studie zur T-Zell-Rezeptor-Therapie gestartet

27.03.2018

Unter Federführung des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) beginnt aktuell deutschlandweit die erste klinische Studie zu einem neuen Ansatz in der Krebsimmuntherapie. Die T-Zell-Rezeptor-Therapie MDG1011 der Medigene AG könnte bei nachgewiesener Wirksamkeit bei bestimmten hämatologischen Erkrankungen eine Alternative zur Stammzelltransplantation sein.

Wissenschaftler der Universitätsklinika Regensburg, Erlangen und Würzburg erforschen aktuell unter Federführung des UKR in einer klinischen Phase-I/II-Studie die Sicherheit und Wirksamkeit von T-Zell-Rezeptor modifizierten T-Zellen bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), Myelodysplastischem Syndrom (MDS) und Multiplem Myelom (MM).


Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR, und PD Dr. Simone Thomas, Leiterin der klinischen Prüfung „CD-TCR-001, mit dem T-Zell-Präparat MDG1011.

© UKR/Klaus Völcker

„Um die bestehende Toleranz gegenüber Krebszellen zu überwinden, werden T-Zellen der Patienten mit einem tumorspezifischen T-Zell-Rezeptor ausgestattet, so dass diese T-Zellen die Krebszellen über das Tumorantigen PRAME erkennen und wirksam zerstören“, erklärt PD Dr. Simone Thomas, Leiterin der klinischen Prüfung „CD-TCR-001“ und Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR, diese neue Form der Krebsimmuntherapie.

Hierzu werden T-Zellen von Leukämie- und Lymphompatienten außerhalb des Körpers in einem Zellkulturverfahren mit dem PRAME spezifischen T-Zell-Rezeptor des Biotechnologie-Unternehmens Medigene ausgestattet und anschließend dem Patienten wieder zurück infundiert. „Es handelt sich um die erste kontrollierte klinische Studie mit einem T-Zell-Rezeptor in Deutschland“, ordnet Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, die hohe Relevanz der Studie ein.

Studiendesign

Die Studie ist als multizentrische, klinische Phase-I/II-Studie angelegt. In Phase I sollen bis zu zwölf Patienten, die für das Gewebemerkmal HLA-A*02:01 und das Tumorantigen PRAME positiv sind und an fortgeschrittenen hämatologischen Erkrankungen wie AML, MDS oder MM leiden, mit dem T-Zell-Präparat MDG1011 in einer Dosis-Eskalations-Studie behandelt werden.

Nach der Behandlung von drei bis sechs Patienten einer Dosiskohorte und einer vierwöchigen Beobachtungsperiode zur Sicherheit entscheiden unabhängige Gutachter über den Start der nächsten Dosisgruppe. Die primären Endpunkte für den Phase-I-Teil der klinischen Studie sind Sicherheit und Durchführbarkeit, welche nach drei Monaten beurteilt werden. Die Nachbeobachtungszeit beträgt bis zu zwölf Monate.

Zwei der drei Krankheitsentitäten werden nach einer positiven Gutachter-Empfehlung zur Sicherheit von MDG1011 und einer Überprüfung durch die zuständige Behörde und den beteiligten Ethikkommissionen im Phase-II-Teil der klinischen Studie weiter untersucht. Dafür werden insgesamt 40 HLA-A*02:01- und PRAME-positive Patienten mit MDG1011 behandelt (je 20 pro Indikation).

Weitere 40 Patienten, die positiv für PRAME, aber negativ für HLA-A*02:01 sind, werden in die Kontrollgruppen eingeschlossen (je 20 pro Indikation) und aufgrund ihrer Gewebemerkmale nicht mit MDG1011 therapiert. Die krankheitsspezifische Therapie der Kontrollgruppe bestimmt der behandelnde Arzt. Primäre Endpunkte des Phase-II-Teils sind Sicherheit und Wirksamkeit. Die Nachbeobachtungszeit beträgt wiederum bis zu zwölf Monate.

Ziel: Alternativer Ansatz zur Stammzelltherapie

„Wir möchten mit dieser Studie einen alternativen Ansatz zur Stammzelltransplantation entwickeln. Im Gegensatz zu den T-Zellen von Stammzellspendern, die auch gesundes Gewebe des Patienten angreifen und so eine Graft-versus-Host Erkrankung (GvHD) auslösen können, richten sich die aus dem individuellen Patienten hergestellten MDG1011-T-Zellen ausschließlich gegen die Krebszellen“, formuliert PD Dr. Simone Thomas das Forschungsziel der klinischen Studie.

Finanziert und beauftragt wird die Studie vom deutschen Biotechnologie-Unternehmen Medigene AG mit Sitz in Martinsried. Die zur Durchführung der Studie notwendigen Genehmigungen vom Paul-Ehrlich-Institut und der zuständigen Ethikkommission liegen bereits vor.

Weitere Informationen:

http://www.ukr.de/innere3

Katja Rußwurm | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten
06.11.2018 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

nachricht Vorsicht, geschmacklos! Viren und antibiotikaresistente Bakterien in Lebensmitteln
06.11.2018 | Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Im Focus: A Leap Into Quantum Technology

Faster and secure data communication: This is the goal of a new joint project involving physicists from the University of Würzburg. The German Federal Ministry of Education and Research funds the project with 14.8 million euro.

In our digital world data security and secure communication are becoming more and more important. Quantum communication is a promising approach to achieve...

Im Focus: Research icebreaker Polarstern begins the Antarctic season

What does it look like below the ice shelf of the calved massive iceberg A68?

On Saturday, 10 November 2018, the research icebreaker Polarstern will leave its homeport of Bremerhaven, bound for Cape Town, South Africa.

Im Focus: Forschungsschiff Polarstern startet Antarktissaison

Wie sieht es unter dem Schelfeis des abgebrochenen Riesen-Eisbergs A68 aus?

Am Samstag, den 10. November 2018 verlässt das Forschungsschiff Polarstern seinen Heimathafen Bremerhaven Richtung Kapstadt, Südafrika.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

Mehrwegbecher-System für Darmstadt: Prototyp-Präsentation am Freitag, 16. November, 11 Uhr

09.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein magnetisches Gedächtnis für den Computer

12.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Autonomes Parken wird erprobt

12.11.2018 | Informationstechnologie

Multicopter und Satelliten für den Rettungseinsatz

12.11.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics