Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kombinationsbehandlung hilft Alkoholabhängigen

11.01.2011
Modulare Kombinationsbehandlung: Individuelle Therapien erhöhen Behandlungserfolg

Weihnachten, Silvester, Geburtstage: Die typischen Gelegenheiten für das Gläschen zu viel. Doch ab wann wird das Gläschen zu viel zu einem Problem? Und ab wann nimmt der Alkohol Besitz vom eigenen Leben?

„Es lässt sich schwer sagen, wann man alkoholabhängig ist. Es gibt keinen Schalter, der sich plötzlich umlegt, der entscheidet, ob man Alkoholiker ist oder nicht“, erklärt Kerstin Ratzke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Didaktischen Zentrum (diz) der Universität Oldenburg. Für ihre Promotion mit dem Titel „Neue Ansätze in der Behandlung von Alkoholabhängigen.

Eine empirische Untersuchung über Möglichkeiten und Grenzen systematisierter Zuweisungsentscheidungen“ setzte sich die Wissenschaftlerin mit der Modularen Kombinationsbehandlung (MoKo) auseinander. Das ist eine Behandlungsform, die jedem Alkoholabhängigen eine individuelle Therapieform ermöglicht, die sich auf seine jeweiligen Belange einstellt und eine Kombination aus stationärer und ambulanter Therapie anbietet. Mit Erfolg: Alkoholabhängige, die eine Kombinationsbehandlung durchlaufen, schließen die stationäre Phase zu 86 Prozent, die ambulante zu 64 Prozent erfolgreich ab.

„Durchschnittlich gingen die Probanden, die in der Studie befragt wurden, nach 11 Jahren Alkoholabhängigkeit zum ersten Mal in die REHA“, berichtet Ratzke. Eine Krankheitsgeschichte, die in dieser Zeitspanne oftmals viele soziale Probleme, Stress in der Familie und lange Krankheitsausfallzeiten beinhalte. Da jeder Alkoholkranke eine andere Suchtgeschichte aufweise, müsse auch die Therapieform individuell angepasst werden. Kombinationsbehandlungen, bei denen Patient, Therapieeinrichtungen und Therapeuten eng zusammen arbeiten und im ständigen Austausch miteinander stehen, bieten dabei die besten Möglichkeiten für eine passgenaue Hilfe, so Ratzke.

Die Vernetzung verschiedener Rehabilitationsangebote in Form von Kombinationsbehandlungen nahm in der Nordwest-Region mit der „Entwöhnung im Verbundsystem“ (EVS) und in Zuständigkeit des Rentenversicherungsträgers Oldenburg-Bremen ihren Anfang. Daraus entwickelte sich schließlich die heute aktuelle „Kombi-Nord“, die von den Rentenversicherungsträgern Oldenburg-Bremen, Braunschweig-Hannover und Nord vorgehalten wird. In einem Modellprojekt begleitete Ratzke gemeinsam mit KollegInnen die Umsetzung der Modularen Kombinationsbehandlung und evaluierte die Zusammenarbeit zwischen Klienten, Leistungsträgern und Leistungsanbietern; in ihrer Promotion überprüfte sie die Zuweisung von Klienten in die individualisierten Verfahren.

„Die Vorteile einer Kombinationsbehandlung liegen auf der Hand. Die Mischung macht es, also die individuelle Abstimmung zwischen ambulanter und stationärer Therapie“, erklärt die Wissenschaftlerin. Alkoholentwöhnungsbehandlungen finden üblicherweise zu 60 Prozent im stationären Rahmen statt. Doch es gibt auch Alkoholabhängige, für die eine ausschließliche stationäre Alkoholtherapie aufgrund sozialer Verpflichtungen, ihrer Arbeit oder aus familiären Gründen nicht in Frage kommt. Durch die Kombinationsbehandlung besteht die Möglichkeit, auch diese Personengruppe aufzufangen und zu betreuen. Zudem garantiert die Konzeption der Kombinationsbehandlung ein schnelleres Eingreifen und Reagieren im Behandlungsprozess, falls ein Rückfall droht.

Leistungsanbieter, wie TherapeutInnen oder Suchtkliniken können bei einer Krisensituation weitaus flexibler reagieren als bei konventionellen Alkoholbehandlungen. „Auf diese Weise wird auch vermieden, dass Alkoholabhängige aus der Therapie aussteigen und die bisherigen Therapieerfolge zunichte gemacht werden. So wird verhindert, dass Patienten nach einiger Zeit wieder – und gegebenenfalls kränker als zuvor – eine Entwöhnungsbehandlung aufnehmen“, berichtet Ratzke.

Ein weiterer wichtiger Grund für das Gelingen der Kombinationstherapie ist die enge Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären TherapeutInnen mit den PatientInnen. Übergabegespräche zwischen beiden Parteien erhöhen die Verbindlichkeit der Behandlung auf der einen Seite. Auf der anderen Seite können Probleme, die während der Behandlung auftreten, durch die enge Zusammenarbeit sofort behoben werden.

„In der Kombinationstherapie weisen die Quote der erfolgreichen Behandlungsabschlüsse stationär sowie die gelungenen Übergänge in die ambulante Behandlung auf einen erfolgreichen Behandlungsverlauf“, so die Wissenschaftlerin. Und die Kombinationstherapie habe noch einen weiteren Vorteil: Die individuelle Therapie entlaste die stationären Behandlungszeiten und somit die Kosten für diese Verfahren zugunsten einer Ausweitung ambulanter Angebote. Geschehe dies unter qualitativer, behandlungsorientierter Perspektive, profitierten nicht nur die PatientInnen sondern auch die Leistungsträger.

Dr. Corinna Dahm-Brey | idw
Weitere Informationen:
http://www.diz.uni-oldenburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics