Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein Schnitt, keine Narbe: Gutartige Gebärmuttertumore ohne OP mit Ultraschall behandeln

31.03.2015

Gutartige Geschwulste in der Gebärmutter, sogenannte Myome, gehören bei Frauen zu den häufigsten Tumoren. Etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter ist betroffen. In der Regel sind Myome nicht behandlungsbedürftig, doch bei zehn bis zwanzig Prozent der Patientinnen verursachen sie Beschwerden. Diesen Frauen können Ärzte nun mit dem sogenannten Hochintensiven fokussierten Ultraschall helfen. Hiermit zerstören sie Myome ohne Schnitt oder Punktion durch die intakte Haut. Mit der Technik ließen sich Operationen und in einigen Fällen auch die Entfernung der Gebärmutter vermeiden, betonen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

„Große Myome oder solche, die ungünstig in der Gebärmutter liegen, können zu Menstruationsstörungen führen oder Grund für unregelmäßige, starke oder lang anhaltende Regelblutungen sein“, erläutert DEGUM-Experte Professor Dr. med. Holger Strunk, Oberarzt in der Radiologischen Universitätsklinik Bonn.

Eine neuartige Methode, Myome zu beseitigen, bietet der „Hochintensive fokussierte Ultraschall“: der Ultraschallkopf bündelt die hochenergetischen Schallwellen wie bei einem Hohlspiegel in einem Brennpunkt innerhalb des menschlichen Körpers. Durch die Absorption der Ultraschallwellen entsteht Wärme, die das Gewebe im Fokus des HIFU auf über 60 Grad erhitzt. Bei diesen Temperaturen gerinnt das Eiweiß, und die Zellen der Geschwulste sterben ab.

„Ein großer Vorteil ist, dass die Gebärmutter erhalten bleibt und die Frauen nach wie vor schwanger werden können. In Einzelfällen wird eine Schwangerschaft durch das Abtragen eines Myoms sogar überhaupt erst möglich“, erklärt Strunk. Zudem erfolge die Behandlung ambulant. „Anstelle einer Vollnarkose bekommen die Patientinnen ein Beruhigungsmittel und sie können nach ein bis zwei Tagen wieder ihren Alltagsgeschäften nachgehen“, so der Experte.

Üblicherweise behandeln Ärzte Myome operativ, entweder indem sie die ganze Gebärmutter herausnehmen oder die Myome einzeln abtragen. Je nachdem wie groß die Tumore sind und wo sie sich in der Gebärmutter befinden, kommen hierfür offene Operationen, „laparoskopische“ Eingriffe mittels Bauchspiegelung oder Behandlungen über die Scheide in Frage.

Eine weitere Behandlungsmethode ist die so genannte „Myomembolisation“: Hierbei führen Ärzte über die Leiste einen Katheter ein. Über ihn verstopfen sie die Gefäße, die das Myom mit Blut versorgen, mittels winziger Kunststoffkügelchen. Das Myom wird von der Blutversorgung abgeschnitten und stirbt allmählich ab.

„Allerdings muss die Punktionsstelle durch einen Druckverband versorgt werden und die Patientinnen werden während der Behandlung einer potentiell schädigenden Röntgenstrahlung ausgesetzt“, erläutert Strunk.

HIFU kommt hingegen ohne den Einsatz von Röntgen aus. Seit knapp einem Jahr steht Professor Strunk und seinen Kollegen in Bonn ein HIFU-Gerät zur Verfügung, bei dem sowohl die Steuerung als auch die Behandlung mittels Ultraschall erfolgt. „Das ist insofern etwas Besonderes, als das bislang alle anderen HIFU-Geräte in Deutschland mit Magnetresonanztomografie, auch „MR“ genannt, gesteuert werden“, erklärt Dr. med. Dr. rer nat. Milka Marinova, Assistenzärztin in der Radiologischen Universitätsklinik Bonn.

Die Ultraschallsteuerung biete den Vorteil, dass die Ärzte während der Behandlung Atmung und Bewegung der Patienten berücksichtigen können. „So stellen wir sicher, dass kein umliegendes, gesundes Gewebe geschädigt wird“, erläutert Marinova. Zudem sei das Ultraschall-gesteuerte Gerät leistungsstärker. „Die Behandlung geht schneller und wir können mitunter Myome behandeln, die mit MR-gesteuerten Geräten nicht zugänglich sind“, so die Expertin.

Allerdings kommen nicht alle Patientinnen für eine Behandlung mit HIFU in Frage. Idealerweise sollten die Patientinnen nicht mehr als fünf Myome haben, die jeweils nicht größer als zehn Zentimeter sind. Außerdem gehört die Therapie bislang nicht zu den Standardleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. „Die Kassen entscheiden nach Anfrage im Einzelfall, ob sie die Kosten übernehmen“, erklärt Marinova.

Auch bei anderen Krankheitsbildern kommt HIFU zum Einsatz. So hat sich die Methode als wertvolle Therapie bei der Adenomyose erwiesen. Bei dieser Erkrankung, einer Form der Endometriose, verursachen kleine Inseln von Gebärmutterschleimhaut innerhalb der Gebärmuttermuskulatur Schmerzen. Auch setzen Ärzte ultraschall-gesteuerten HIFU erfolgreich zur Schmerzbehandlung bei nicht operablen Pankreaskarzinomen oder bei Lebertumoren ein.

Urologen nutzen die Methode seit Beginn des Jahrtausends zur Therapie der krankhaft vergrößerten Prostata und des Prostatakrebs. „Medizinischer Ultraschall ist sehr viel mehr als ein diagnostisches Instrument“, betont DEGUM-Präsident Professor Dr. med. Dirk Becker. Besonders bei der Behandlung von Krebserkrankungen biete HIFU in der Zukunft noch große Chancen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint mehr als 9 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de


Kontakt für Journalisten:
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
Anna Julia Voormann
Irina Lorenz-Meyer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: +49 711 8931 -642
Telefax: +49 711 8931 -167
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://lorenz-meyer@medizinkommunikation.org
http://www.degum.de

Anna Julia Voormann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zu viel Salz hemmt die Immunabwehr
26.03.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Antikörper im Gehirn lösen Epilepsie aus
24.03.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

Physiker der Arbeitsgruppe von Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock ist es in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Würzburg gelungen, einen „Trichter für Licht“ zu entwickeln, der bisher nicht geahnte Möglichkeiten zur Entwicklung von hypersensiblen Sensoren und neuen Technologien in der Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnet. Die Forschungsergebnisse wurden jüngst im renommierten Fachblatt Science veröffentlicht.

Der Rostocker Physikprofessor Alexander Szameit befasst sich seit seinem Studium mit den quantenoptischen Eigenschaften von Licht und seiner Wechselwirkung mit...

Im Focus: Junior scientists at the University of Rostock invent a funnel for light

Together with their colleagues from the University of Würzburg, physicists from the group of Professor Alexander Szameit at the University of Rostock have devised a “funnel” for photons. Their discovery was recently published in the renowned journal Science and holds great promise for novel ultra-sensitive detectors as well as innovative applications in telecommunications and information processing.

The quantum-optical properties of light and its interaction with matter has fascinated the Rostock professor Alexander Szameit since College.

Im Focus: Künstliche Intelligenz findet das optimale Werkstoffrezept

Die möglichen Eigenschaften nanostrukturierter Schichten sind zahllos – wie aber ohne langes Experimentieren die optimale finden? Ein Team der Materialforschung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat eine Abkürzung ausprobiert: Mit einem Machine-Learning-Algorithmus konnten die Forscher die strukturellen Eigenschaften einer solchen Schicht zuverlässig vorhersagen. Sie berichten in der neuen Fachzeitschrift „Communications Materials“ vom 26. März 2020.

Porös oder dicht, Säulen oder Fasern

Im Focus: Erdbeben auf Island über Telefonglasfaserkabel registriert

Am 12. März 2020, 10.26 Uhr, ereignete sich in Südwestisland, ca. 5 km nordöstlich von Grindavík, ein Erdbeben mit einer Magnitude von 4.7, während eines längeren Erdbebenschwarms. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt dort ein neues Verfahren zur Überwachung des Untergrunds mithilfe von Telefonglasfaserkabeln getestet.

Ein von GFZ-Forschenden aus den Sektionen „Oberflächennahe Geophysik“ und „Geoenergie“ durchgeführtes Online-Monitoring, das Glasfaserkabel des isländischen...

Im Focus: Quantenoptiker zwingen Lichtteilchen, sich wie Elektronen zu verhalten

Auf der Basis theoretischer Überlegungen von Physikern der Universität Greifswald ist es Mitarbeitern der AG Festkörperoptik um Professor Alexander Szameit an der Universität Rostock gelungen, photonische topologische Isolatoren als Lichtwellenleiter zu realisieren, in denen sich Photonen wie Elektronen verhalten, und somit fermionische Eigenschaften zeigen. Ihre Entdeckung wurde jüngst im renommierten Fachblatt „Nature Materials“ veröffentlicht.

Dass es elektronische topologische Isolatoren gibt – Festkörper die im Innern den elektrischen Strom nicht leiten, dafür aber umso besser über die Oberfläche –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

“4th Hybrid Materials and Structures 2020” findet web-basiert statt

26.03.2020 | Veranstaltungen

Wichtigste internationale Konferenz zu Learning Analytics findet statt – komplett online

23.03.2020 | Veranstaltungen

UN World Water Day 22 March: Water and climate change - How cities and their inhabitants can counter the consequences

17.03.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltweit einzigartig: Neue Anlage zur Untersuchung von biogener Schwefelsäurekorrosion in Betrieb

27.03.2020 | Architektur Bauwesen

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker

27.03.2020 | Materialwissenschaften

Nachwuchswissenschaftler der Universität Rostock erfinden einen Trichter für Lichtteilchen

27.03.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics