Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Kampf gegen den Schlaganfall hilft ein Schirm

08.01.2013
Bislang einmalig in Ulm und der Region - neues Verfahren gegen erhöhtes Schlaganfallrisiko:

Prof. Dr. Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II, und sein Team haben am Universitätsklinikum Ulm ein in der Region bislang einzigartiges Verfahren zur Senkung des Schlaganfallrisikos etabliert, das vor allem älteren Herzpatienten zugute kommt, die unter Vorhofflimmern leiden und bei denen außerdem eine Unverträglichkeit gegenüber Blutverdünnern festgestellt wurde. Die Lösung: Per Katheter setzen die Ulmer Mediziner einen kleinen Schirm vor das linke so genannte Herzohr. So wird – ganz ohne Medikamente – die Entstehung von gefährlichen Blutgerinnseln verhindert.


Schirm und Herzohr
Grafik: AGA Medical

„Vorhofflimmern ist die häufigste Form einer Herzrhythmusstörung. Rund 80.000 erwachsene Patienten sind davon jährlich allein in Deutschland betroffen. Für uns gehört dieses Krankheitsbild somit zum klinischen Alltag, der uns auch gelehrt hat, dass Vorhofflimmern ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko bedeuten kann“, unterstreicht Professor Rottbauer.

Wie sieht die Standardtherapie aus? „Die Erkrankung kann zu gefährlichen Blutgerinnseln führen, deshalb bekommen Betroffene normalerweise ein blutverdünnendes Medikament. So kann einem möglicherweise lebensbedrohlichen Gefäßverschluss entgegengewirkt werden“, sagt der Ärztliche Direktor.

Was aber, wenn diese Standardtherapie nicht angewendet werden kann, weil das blutverdünnende Medikament nicht vertragen wird, also ernsthafte Nebenwirkungen auftreten? „In einem solchen Fall mussten in der Vergangenheit insbesondere ältere Patienten ständig mit dem Damoklesschwert eines Schlaganfalls bzw. Herzinfarkts leben“, erläutert Prof. Dr. Jochen Wöhrle, Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin II, die für beide Seiten unbefriedigende Situation. Jüngere Betroffene seien von diesem Dilemma weniger häufig betroffen, denn diese vertrügen Blutverdünner in aller Regel besser.

Anatomisch gesehen verfügt das Herz über ein linkes und ein rechtes Herzohr. Dabei handelt es sich um kleine Ausstülpungen an den Vorhöfen dieses Organs. „Wenn das Herz flimmert, kann das Blut in den Vorhöfen nicht mehr optimal fließen – es verklumpt. Diese Verklumpungen entstehen bevorzugt im linken Herzohr und bilden die schon beschriebenen Gerinnsel, die dann über die Blutbahn prinzipiell in alle Körperregionen getragen werden können. Landet eines im Gehirn, kann es zum Schlaganfall kommen“, verdeutlicht Professor Wöhrle.

„Vor diesem Hintergrund bieten wir seit einigen Monaten eine im Prinzip naheliegende Lösung an, mit der wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben“, führt Professor Rottbauer ergänzend aus. „Als erste Klinik in Ulm und der Region verschließen wir im Katheterverfahren das linke Herzohr mittels eines kleinen Schirms, der aus Nickel und Titan besteht. In der Folge verhindert diese Abdichtung die Ansammlung von Gerinnseln in der Ausstülpung. Studien haben ergeben, dass etwa 90 Prozent aller Gerinnsel im linken Herzohr entstehen.“

Das Fazit der beiden Mediziner: Die mechanische Abdichtung des linken Herzohres senkt das Schlaganfallrisiko deutlich. Davon profitieren insbesondere Betroffene, die ein blutverdünnendes Medikament nicht vertragen. Der Eingriff bietet somit eine wichtige Option, der zudem von der Krankenkasse übernommen wird.

Weitere Informationen:
Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Über die Leiste wird ein Katheter zunächst in den rechten Vorhof geführt. Im nächsten Schritt erfolgt eine Punktion der Scheidewand, um zum linken Herzohr gelangen zu können. Der nun einzubringende Schirm besteht genau genommen aus zwei voneinander unabhängig bewegbaren Elementen. Das erste gewährleistet die Verankerung im Gewebe, und das zweite dichtet den Eingang des Herzohres ab. Während des Eingriffs erfolgt eine permanente Röntgenüberwachung. Parallel dazu wird das Herzohr durch ein Ultraschallgerät exakt vermessen.

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung bei der die Herzhöfe zwischen 350 und 500 Mal in der Minute „zittern“. Der normale Herzschlag liegt in aller Regel zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Unbehandeltes Vorhofflimmern gilt als ein Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle. Anzeichen für Vorhofflimmern können sein: Herzstolpern und Herzrasen, innere Unruhe, Brustschmerzen, Schwindel und Schwitzen. Ein Arzt kann Vorhofflimmern mittels Stethoskop und EKG diagnostizieren.

Gerne vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner. Nehmen Sie bitte Kontakt mit Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 auf.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Verfahren verhindert Abstoßung transplantierter Stammzellen
19.02.2019 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Identitätsverlust von Immunzellen verstanden
18.02.2019 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Jet/Hüllen-Rätsel in Gravitationswellenereignis gelöst

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Astronomen des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie hat Radioteleskope auf fünf Kontinenten miteinander verknüpft, um das Vorhandensein eines stark gebündelten Materiestrahls, eines sogenannten Jets zu beweisen, der vom Überrest des bisher einzigen bekannten Gravitationswellenereignisses ausgeht, bei dem zwei Neutronensterne miteinander verschmolzen. Bei den Beobachtungen im weltweiten Netzwerk spielte das 100-m-Radioteleskop in Effelsberg eine wichtige Rolle.

Im August 2017 wurde zum ersten Mal die Verschmelzung zweier sehr kompakter Sternüberreste, sogenannter Neutronensterne, beobachtet, deren vorhergehende...

Im Focus: (Re)solving the jet/cocoon riddle of a gravitational wave event

An international research team including astronomers from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has combined radio telescopes from five continents to prove the existence of a narrow stream of material, a so-called jet, emerging from the only gravitational wave event involving two neutron stars observed so far. With its high sensitivity and excellent performance, the 100-m radio telescope in Effelsberg played an important role in the observations.

In August 2017, two neutron stars were observed colliding, producing gravitational waves that were detected by the American LIGO and European Virgo detectors....

Im Focus: Materialdesign in 3D: vom Molekül bis zur Makrostruktur

Mit additiven Verfahren wie dem 3D-Druck lässt sich nahezu jede beliebige Struktur umsetzen – sogar im Nanobereich. Diese können, je nach verwendeter „Tinte“, die unterschiedlichsten Funktionen erfüllen: von hybriden optischen Chips bis zu Biogerüsten für Zellgewebe. Im gemeinsamen Exzellenzcluster „3D Matter Made to Order” wollen Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Heidelberg die dreidimensionale additive Fertigung auf die nächste Stufe heben: Ziel ist die Entwicklung neuer Technologien, die einen flexiblen, digitalen Druck ermöglichen, der mit Tischgeräten Strukturen von der molekularen bis zur makroskopischen Ebene umsetzen kann.

„Der 3D-Druck bietet gerade im Mikro- und Nanobereich enorme Möglichkeiten. Die Herausforderungen, um diese zu erschließen, sind jedoch ebenso gewaltig“, sagt...

Im Focus: Diamanten, die besten Freunde der Quantenwissenschaft - Quantenzustand in Diamanten gemessen

Mithilfe von Kunstdiamanten gelang einem internationalen Forscherteam ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Hightech-Anwendung von Quantentechnologie: Erstmals konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen den Quantenzustand eines einzelnen Qubits in Diamanten elektrisch zu messen. Ein Qubit gilt als die Grundeinheit der Quanteninformation. Die Ergebnisse der Studie, die von der Universität Ulm koordiniert wurde, erschienen jüngst in der renommierten Fachzeitschrift Science.

Die Quantentechnologie gilt als die Technologie der Zukunft. Die wesentlichen Bausteine für Quantengeräte sind Qubits, die viel mehr Informationen verarbeiten...

Im Focus: Wasser ist homogener als gedacht

Um die bekannten Anomalien in Wasser zu erklären, gehen manche Forscher davon aus, dass Wasser auch bei Umgebungsbedingungen aus einer Mischung von zwei Phasen besteht. Neue röntgenspektroskopische Analysen an BESSY II, der ESRF und der Swiss Light Source zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Bei Raumtemperatur und normalem Druck bilden die Wassermoleküle ein fluktuierendes Netz mit durchschnittlich je 1,74 ± 2.1% Donator- und Akzeptor-Wasserstoffbrückenbindungen pro Molekül, die eine tetrahedrische Koordination zwischen nächsten Nachbarn ermöglichen.

Wasser ist das „Element“ des Lebens, die meisten biologischen Prozesse sind auf Wasser angewiesen. Dennoch gibt Wasser noch immer Rätsel auf. So dehnt es sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Mobile World Congress: Bundesamt für Strahlenschutz rät zu Handys mit geringem SAR-Wert

22.02.2019 | Veranstaltungen

Unendliche Weiten: Geophysiker nehmen den Weltraum ins Visier

21.02.2019 | Veranstaltungen

Tagung rund um zuverlässige Verbindungen

20.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Zeit atomarer Vorgänge auf der Spur

22.02.2019 | Physik Astronomie

Wie Korallenlarven sesshaft werden

22.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Ökologische Holz-Hybridbauweisen für den Geschossbau

22.02.2019 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics