Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovatives Diagnoseverfahren liefert wertvolle Zusatzinformationen bei Hirnmetastasen

31.08.2012
Bösartige Tumore wie Lungen- oder Mammakarzinome verursachen häufig Hirnmetastasen.

Diese werden in der Regel mit Bestrahlungen therapiert. Mit Hilfe des diagnostischen FET-PET-Verfahrens konnten Wissenschaftler von JARA-BRAIN – einer Initiative des Forschungszentrums Jülich und der RWTH Aachen – und aus der Klinik für Neurologie der Universitätsklinik Köln nach vorausgegangener Bestrahlung ohne operativen Eingriff und Gewebeprobe-Entnahmen feststellen, ob die Therapie erfolgreich war – oder ob sich zwischenzeitlich neue Hirnmetastasen gebildet haben.


Abbildung: A) Bei erneutem Metastasenwachstum (obere Reihe, weißer Pfeil) ist eine vermehrte FET-Anreicherung (rote Farbe) im PET sichtbar. Die FET-Kinetik (rechts) zeigt einen schnellen Anstieg der FET-Anreicherung mit abfallender Kurve. Abbildung B) Bei einer Radionekrose (untere Reihe) ist nur eine geringe FET-Anreicherung (grün) im PET sichtbar. Die FET-Kinetik (rechts) zeigt eine langsam ansteigende Kurve. Mit der konventionellen MRT können die Prozesse nicht unterschieden werden.

In einer aktuellen Patientenstudie, deren Daten vor kurzem im Journal of Nuclear Medicine publiziert wurden, untersuchten Prof. Karl-Josef Langen vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich, Priv.-Doz. Marc Piroth aus der Klinik für Strahlentherapie des Universitätsklinikums Aachen gemeinsam mit Priv.-Doz. Norbert Galldiks aus der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Köln über 30 Patientinnen und Patienten mit insgesamt mehr als 40 Hirnmetastasen unterschiedlicher Primärtumore, die bereits bestrahlt worden waren.

Mit Hilfe der injizierten radioaktiv markierten Aminosäure O-(2-[18F]Fluorethyl)-L-tyrosin (FET) konnten die Wissenschaftler mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent im Positronenemissionstomographen (PET) strahlentherapiebedingte Veränderungen, so genannte Radionekrosen, von einem erneuten Metastasenwachstum unterscheiden.

"Der entscheidende klinische Fortschritt ist, dass durch dieses Verfahren relativ einfach und schnell wertvolle diagnostische Zusatzinformationen für die Betroffenen gewonnen werden, die für die weitere Therapieplanung verwendet werden können", berichtet Marc Piroth. Möglich wird die Differenzierung zwischen strahlentherapiebedingten Veränderungen - zum Beispiel einer Strahlennekrose - und vitalem Turmorgewebe unter anderem durch die unterschiedlich starke Anreicherung der Aminosäure während der FET-PET-Untersuchung. "Hirntumore zeigen einen im Vergleich zum umliegenden normalen Hirngewebe deutlich gesteigerten Aminosäurestoffwechsel", bestätigt Karl-Josef Langen. "Außerdem steigt die Radioaktivität während der etwa 50-minütigen FET-PET Untersuchung in vitalem Tumorgewebe schnell an und fällt dann wieder ab. In Radionekrosen kommt es hingegen zu einer kontinuierlichen Zunahme der Radioaktivität."

Auch wenn an vielen Krankenhäusern derzeit ausschließlich kernspintomographische Messungen als Standard-Screening-Verfahren bei der Verlaufskontrolle von Hirnmetastasen verwandt werden: An den Universitätskliniken Aachen und Köln wird bei unklaren Fällen bereits seit längerer Zeit das FET-PET-Verfahren eingesetzt. "Die gute Zusammenarbeit mit dem Team von Prof. Langen im Rahmen von JARA-BRAIN ermöglicht es uns, im Bedarfsfall FET-PET-Messungen an Patientinnen und Patienten im Institut für Neurowissenschaften am Forschungszentrum Jülich vornehmen zu lassen", berichtet Marc Piroth.

Ansprechpartner:

Prof. Karl-Josef Langen
Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-4)
Tel: 02461 61-5900
E-mail: k.j.langen@fz-juelich.de

Pressekontakt:
Erhard Zeiss, Tel. 02461 61-1841, e.zeiss@fz-juelich.de

Erhard Zeiss | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de
http://www.jara.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten
06.11.2018 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

nachricht Vorsicht, geschmacklos! Viren und antibiotikaresistente Bakterien in Lebensmitteln
06.11.2018 | Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Im Focus: A Leap Into Quantum Technology

Faster and secure data communication: This is the goal of a new joint project involving physicists from the University of Würzburg. The German Federal Ministry of Education and Research funds the project with 14.8 million euro.

In our digital world data security and secure communication are becoming more and more important. Quantum communication is a promising approach to achieve...

Im Focus: Research icebreaker Polarstern begins the Antarctic season

What does it look like below the ice shelf of the calved massive iceberg A68?

On Saturday, 10 November 2018, the research icebreaker Polarstern will leave its homeport of Bremerhaven, bound for Cape Town, South Africa.

Im Focus: Forschungsschiff Polarstern startet Antarktissaison

Wie sieht es unter dem Schelfeis des abgebrochenen Riesen-Eisbergs A68 aus?

Am Samstag, den 10. November 2018 verlässt das Forschungsschiff Polarstern seinen Heimathafen Bremerhaven Richtung Kapstadt, Südafrika.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

Mehrwegbecher-System für Darmstadt: Prototyp-Präsentation am Freitag, 16. November, 11 Uhr

09.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein magnetisches Gedächtnis für den Computer

12.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Autonomes Parken wird erprobt

12.11.2018 | Informationstechnologie

Multicopter und Satelliten für den Rettungseinsatz

12.11.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics