Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Infektionsschutz beim Einsatz künstlicher Kniegelenke

24.08.2010
Das DIMDI hat einen neuen HTA-Bericht (Health Technology Assessment) veröffentlicht: Darin untersuchen die Autoren, ob Hygienemaßnahmen und Antibiotika vor Infektionen beim Einsatz künstlicher Kniegelenke schützen. Eine Wirksamkeit können sie jedoch auf hoher Evidenzebene für keine Maßnahme nachweisen, da hochwertige Studien fehlen.

Operationen zum Einsetzen künstlicher Gelenke bergen das Risiko für Infektionen. Bestimmte Maßnahmen mit und ohne Antibiotika sollen dem vorbeugen (Antibiotikaprophylaxe bzw. Hygienemaßnahmen). Der Stellenwert der verschiedenen Maßnahmen ist allerdings unklar.

Infektionsschutz: kein hoher Evidenzlevel
Der vorliegende Bericht bezieht sich auf elf Publikationen, die eine systematische Literaturrecherche und eine zusätzliche Handsuche ergeben haben. Nur für eine Maßnahme finden die Autoren deutliche Hinweise auf eine Wirksamkeit: Wenn ein Antibiotikum neben der intravenösen Prophylaxe zusätzlich im Zement eingesetzt wird, mit dem die Prothese im Knochen verankert wird. Tatsächlich scheint diese Wirksamkeit aber nur für Operationsräume zuzutreffen, die keine spezielle Ausstattung zur Reinhaltung der Luft besitzen. Ansonsten fehlen entsprechende Studien sowohl für die verschiedenen Hygienemaßnahmen als auch für die Antibiotikaprophylaxe.
Hygienemaßnahmen
Sie werden unabhängig von der Art des Eingriffs empfohlen, um postoperative Infektionen im Operationsgebiet zu vermeiden. Als Basis dienen vor allem Studien mit eher niedrigem Evidenzlevel oder Daten, die weniger relevant sind. Der Bericht benennt ein Dilemma: Hochwertige (randomisierte kontrollierte) Studien fehlen. Sie sind schlichtweg ethisch nicht vertretbar, da Patienten bereits lange etablierte Hygienemaßnahmen nicht vorenthalten werden dürfen.
Antibiotikaprophylaxe
Auch hier ist die Datenlage unzureichend: Die Wirksamkeit der intravenösen Prophylaxe belegen Studien hoher Evidenzlevel nur im Zusammenhang mit Hüftgelenken. Die Ergebnisse erscheinen den Autoren jedoch trotz einer gewissen Unsicherheit auf den Kniegelenksersatz übertragbar. Keine Nachweise finden sich dafür, dass unterschiedliche Wirkstoffe abweichende Effekte erzielen.

In drei randomisierten kontrollierten Studien verringert das zusätzlich im Zement verabreichte Antibiotikum bei ansonsten intravenöser Gabe tiefe Infektionen signifikant. Zwar weisen die Studien unter anderem methodische Mängel auf, das finnische Endoprothesenregister stützt jedoch ihr Ergebnis: Erneute Operationen aufgrund von Infektionen sind demnach bei kombinierter Antibiotikaprophylaxe (intravenös und im Zement) signifikant seltener als bei rein intravenöser Prophylaxe.

Schlussfolgerungen
Auf Basis der betrachteten Studien ziehen die Autoren folgende Schlussfolgerungen:
* Es sind keine bestimmten Antibiotika zu empfehlen.
* Der Einsatz eines Antibiotikums im Zement zusätzlich zur intravenösen Prophylaxe ist grundsätzlich zu empfehlen.

* Die vorliegenden Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut zu Hygienemaßnahmen und intravenöser Antibiotikaprophylaxe werden bestätigt.

Die Kosten-Wirksamkeit der Maßnahmen zum Infektionsschutz beim Kniegelenksersatz bleibt mangels Daten unklar. Zur Klärung dieser Frage empfehlen die Autoren entsprechende gesundheitsökonomische Studien. Hinweise auf ethische, soziale bzw. juristische Konsequenzen gibt es nicht.

Infektionsschutz in der Knieendoprothetik (Autoren: Vitali Gorenoi, Matthias P. Schönermark, Anja Hagen)

HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und über 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-264 - HTA-Bericht: Volltext (PDF, 422 MB)
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-kurz-264 - HTA-Bericht: Kurzfassung (PDF, 54 kB)
http://www.dimdi.de/de/hta/db/index.htm - HTA-Berichte beim DIMDI suchen
http://www.dimdi.de/de/hta/index.htm - HTA beim DIMDI
http://www.egms.de/de/reports/dahta/index.htm - HTA-Berichte der DAHTA bei German Medical Science (GMS)

Susanne Breuer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aussicht auf neue Therapie bei rheumatoider Arthritis
21.08.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Weiterer Schritt im Kampf gegen Lungenkrebs
21.08.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dialog an Deck, Science Slam und Pong-Battle

21.08.2018 | Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Superauflösende Mikroskopie - Neue Markierungssonden im Nanomaßstab

21.08.2018 | Physik Astronomie

Browser-Plugin für mehr Internet-Sicherheit

21.08.2018 | Informationstechnologie

Aussicht auf neue Therapie bei rheumatoider Arthritis

21.08.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics