Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Häufigstes Frauenleiden bleibt oft lange unerkannt

16.11.2010
UKJ-Frauenklinik wird Thüringens einziges Endometriose-Zentrum der höchsten Qualitätsstufe

Es ist das häufigste, aber auch das am schwierigsten zu diagnostizierende Frauenleiden: Endometriose. Mehr als eine Million Frauen in Deutschland leiden unter dadurch verursachten Schmerzen und Kinderlosigkeit.

Bis zur Diagnose vergehen oft Jahre. Endometriose-Zentren wie am Universitätsklinikum Jena (UKJ) bündeln das Fachwissen der Experten und wollen so betroffenen Frauen besser und vor allem schneller helfen.

„Die Endometriose stellt uns immer wieder vor große Herausforderungen“, beschreibt Prof. Dr. Ingo Runnebaum, Direktor der Gynäkologie am UKJ. „Oft werden die Beschwerden der betroffenen Frauen als Regelschmerzen abgetan, auch von Ärzten, die oft zu wenig über das zwar weit verbreitete, aber unbekannte Krankheitsbild wissen.“ So vergehen im Durchschnitt sechs bis 12 Jahre zwischen dem Auftreten starker Unterbauchschmerzen und der Diagnose.

Diese Zeitspanne soll deutlich kürzer werden, das ist eines der Ziele der im Endometriose-Zentrum der Frauenklinik am UKJ verbundenen Spezialisten. Hier finden die Frauen alle Ansprechpartner unter einem Dach: Operateure, Endokrinologen, aber auch Schmerztherapeuten und Psychologen. Betreuung aus einer Hand, gemäß dem neuesten Stand der Medizin.

Hervorragende Arbeit bescheinigt dem Jenaer Zentrum nun auch das Zertifikat als „Endometriose-Zentrum Stufe III“, der höchsten Qualitätsstufe, die die Jenaer als einziges Zentrum im gesamten mitteldeutschen Raum erhalten haben. Verliehen wird das Qualitätssiegel durch die Stiftung Endometriose-Forschung. Deren Vorsitzender Prof. Schweppe wird das Zertifikat gemeinsam mit der Bundesvorsitzenden der Selbsthilfe am 17. November während des Kolloquiums zu Endometriose persönlich in Jena überreichen. „Das ehrt uns natürlich besonders“, freut sich Prof. Jürgen Weiss. Der Experte für Kinderwunsch ist Teil des Teams im Endometriose-Zentrum. „Etwa in 20 bis 30 Prozent aller Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit ist Endometriose die Ursache“, so Weiss.

Hier helfen Operationen, um die Ursache zu beseitigen. In anderen Fällen greift der Endokrinologe zu Medikamenten, um die Beschwerden zu lindern. „Bei Endometriose gelangt Gebärmuttereigenes Gewebe in den Bauchraum“, erklärt Prof. Weiss die Zusammenhänge. „Das verursacht zum einen Schmerzen und kann zum anderen Schwangerschaften verhindern.“ Am häufigsten tritt Endometriose bei 30jährigen Frauen auf. Die Ursache für die Erkrankung vermuten die Ärzte in der Menstruation selbst. „Wir glauben, dass sich während der Regelblutungen Gewebezellen über die Eileiter außerhalb der Gebärmutter ansiedeln“, so Weiss. Wie genau dies geschieht, dazu forschen die Mediziner noch.

Bereits bekannt ist, welche Mittel helfen können: „Da die Lösung darin besteht, den Zyklus zu regulieren, können wir mit Hormonen eingreifen, auch mit der Antibaby-Pille“, erläutert Weiss. Häufig wird eine Kombination aus medikamentöser und minimal-invasiver operativer Therapie eingesetzt. Dank moderner chirurgischer Verfahren sind die Eingriffe dabei heute schonend und mit kleinsten Schnitten. „Neben den ärztlichen Therapien spielen auch die psychosoziale Betreuung der Patientinnen und die Rehabilitation eine große Rolle“, so Prof. Runnebaum. „Eine Konzentration der Behandlung an Zentren trägt daher viel dazu bei, die Versorgung der betroffenen Frauen zu verbessern.“

17. November 2010, 17.00 Uhr
„Abendkolloquium Endometriose“,
Hörsaal der Frauenklinik am Universitätsklinikum Jena, Bachstraße 18
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ingo B. Runnebaum
Direktor der Abteilung Gynäkologie, Frauenklinik, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/933063
E-Mail: direktion-gyn[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Endometriose Gewebezellen Gynäkologie Kinderlosigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics