Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

02.12.2016

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz. Demnach können mit einem Lichtmikroskop keine Strukturen kleiner als ca. 0,3 Mikrometer (ein Mikrometer ist das Tausendstel eines Millimeters) scharf abgebildet werden.


Falschfarbendarstellung des Filtrationsschlitzes in der menschlichen Niere aufgenommen mit dem neuen Superresolution-Mikroskop. Der Filtrationsschlitz, durch den das Blut filtriert wird, liegt wie eine Schlangenlinie zwischen den Zellfortsätzen. Er ist nur 40 Millionstel Millimeter breit.

Aufnahme: Florian Siegerist


Die Professoren Nicole und Karlhans Endlich am neuen Superresolution-Mikroskop.

Foto: Kilian Dorner

In den vergangenen zwei Jahrzenten gelang es jedoch mehreren Forschern, Lichtmikroskope zu bauen, die teilweise eine bis zu 100-fach bessere Auflösung besitzen (Superauflösung bzw. Superresolution). Das Gesetz von Abbe konnte damit „durchbrochen“ werden. Für diese Leistung wurde 2014 ein Nobelpreis vergeben.

Seit ein paar Jahren sind Mikroskope mit Superresolution kommerziell erhältlich. Am Institut für Anatomie und Zellbiologie wurde nun das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald in Betrieb genommen.

„Mit dem neuen Superresolution-Mikroskop können wir erstmals die winzigen Fortsätze der Zellen des Nierenfilters direkt mit dem Lichtmikroskop studieren“, begeistert sich Prof. Nicole Endlich. Die für die Filtration des Blutes wichtigen Zellfortsätze der sogenannten Podozyten sind nur 0,3 Mikrometer breit und daher im konventionellen Lichtmikroskop nicht abgrenzbar.

„Viele Fragen der aktuellen biomedizinischen Forschung hängen unmittelbar an bildgebenden Verfahren, so dass wir uns auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Greifswalder Kollegen freuen“, erläutert Prof. Karlhans Endlich. So sind die Neurowissenschaftler an der Darstellung der winzigen Fortsätze von Nervenzellen interessiert, die für die Gedächtnisbildung verantwortlich sind. Und die Mikrobiologen möchten das Innenleben von Bakterien studieren, deren Durchmesser nur ca. einen Mikrometer beträgt.

Das 600.000 EUR teure Forschungsgerät wurde mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern beschafft. Federführend für den Antrag war die Arbeitsgruppe der Professoren Nicole und Karlhans Endlich am Institut für Anatomie und Zellbiologie. Dabei wurden sie von den Professoren Markus Lerch (Klinik für Innere Medizin A), Steffen Harzsch (Zoologisches Institut) und Oliver von Bohlen und Halbach (Institut für Anatomie und Zellbiologie) als Mitantragsteller unterstützt.

Zur feierlichen Einweihung findet am Montag, 05.12.2016, um 14:00 Uhr ein wissenschaftliches Symposium mit international ausgewiesenen Experten im Institut für Anatomie und Zellbiologie, Friedrich-Loeffler-Straße 23 C, 17489 Greifswald, statt.

Fotos:
1. Die Professoren Nicole und Karlhans Endlich am neuen Superresolution-Mikroskop (Foto: Kilian Dorner)
2. Falschfarbendarstellung des Filtrationsschlitzes in der menschlichen Niere, aufgenommen mit dem neuen Superresolution-Mikroskop. Der Filtrationsschlitz, durch den das Blut filtriert wird, liegt wie eine Schlangenlinie zwischen den Zellfortsätzen. Er ist nur 40 Millionstel Millimeter breit. (Aufnahme: Florian Siegerist)

Die Fotos dürfen für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Medieninformation kostenfrei verwendet werden. Dabei ist der Name des Bildautors zu nennen. Download: http://www.uni-greifswald.de/universitaet/information/aktuelles/medienfotos/medienfotos-dezember-2016/

Ansprechpartner an der Universitätsmedizin
Prof. Dr. Nicole Endlich und
Prof. Dr. Karlhans Endlich
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Friedrich-Loeffler-Straße 23 C
17489 Greifswald
Telefon 03834 86-5303 bzw. 86-5300
nicole.endlich@uni-greifswald.de
karlhans.endlich@uni-greifswald.de

Weitere Informationen:

http://www2.medizin.uni-greifswald.de/anatomie/
http://www2.medizin.uni-greifswald.de/inn_a/
http://www.zoologie.uni-greifswald.de/struktur/abteilungen/cytologie-und-evolutionsbiologie/personal/
http://www.dfg.de/

Jan Meßerschmidt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics